Corona-Krise

Corona erschwert den Berufseinstieg in NRW

Die Corona-Krise erschwert jungen Erwachsenen die Suche nach Ausbildungen und Berufen. (Archivbild)

Die Corona-Krise erschwert jungen Erwachsenen die Suche nach Ausbildungen und Berufen. (Archivbild)

Foto: privat / Thyssenkrupp Steel

Essen.  Corona trifft den Ausbildungsmarkt in NRW hart. Forscher warnen vor Jobs, die unglücklich machen - und einem Abrutschen ins rechtsextreme Lager.

Arbeitsmarktexperten beklagen, dass die Corona-Krise die Chancen junger Menschen auf einen Ausbildungsplatz deutlich verschlechtert hat. Ronald Bachmann vom Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI sagt, dass insgesamt die Zahl der neuen Jobs gesunken sei. „Die Aussichten für junge Menschen in NRW eine Ausbildung oder einen Beruf zu finden, sind wegen Corona deutlich schwieriger geworden“, so Bachmann.

Landesweit ist die Zahl der Ausbildungsstellen zurückgegangen. Bei der Arbeitsagentur in NRW wurden bis Juni rund 99.500 Lehrstellen gemeldet – rund 10.000 weniger als im Vorjahr. In Ruhrgebietsstädten ist der Trend ähnlich: Oberhausener Unternehmen melden sieben Prozent weniger Lehrstellen, in Mülheim sind es sogar knapp neun. Zugleich beklagt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ruhr, dass sich die Beratungsstellen junge Menschen wegen der Corona-Einschränkungen kaum erreicht hätten. Um die Auswirkungen abzuschwächen, können Ausbildungen in diesem Jahr deutlich später starten als bisher.

Experten: Schlechte Startbedingungen machen junge Menschen weniger glücklich

Bachmann befürchtet Folgen für die Generation der Berufseinsteiger. Die Krise könne dazu führen, dass junge Menschen länger arbeitslos sind, ein geringeres Einstiegsgehalt bekommen und Jobs annehmen, die ihnen nicht besonders zusagen. Diese Effekte belasteten Berufseinsteiger viele Jahre. „Das Lohnwachstum und Entwicklungsmöglichkeiten sind eingeschränkt und der Beruf macht weniger glücklich.“

Gewerkschaften fordern mehr Anstrengung bei der Vermittlung von Ausbildungsstellen. Anja Weber, Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in NRW sieht besonderen Handlungsbedarf für Jugendliche mit Hauptschul- oder einem einfachen mittleren Schulabschluss. Sie seien bei betrieblichen Auswahlverfahren benachteiligt.

Jugendforscher sieht besondere Gefahr für schlechter Ausgebildete

Aus Sicht der Jugendforschung belastet die Corona-Krise junge Menschen insgesamt sehr stark. Mobil sein, Auslandsaufenthalte und unbeschwerte Freizeit hat der Lockdown beschränkt. „Die gewohnten Freiheiten junger Erwachsener sind eindeutig geschrumpft“, so der Forscher Klaus Hurrelmann, Autor der etablierten Shell-Jugendstudie. Es sei für sie irritierend, dass sie Meilensteine ihres Lebens wie den Schulabschluss nicht feiern könnten.

Hurrelmann sieht eine besondere Gefahr für schlechter ausgebildete Jugendliche. Sie treffe die Pandemie besonders hart. Es gelte Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen, andernfalls drohe ein Abrutschen.

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