Automobiler Luxus

Wittgenstein zwischen Achtzylinder-Biturbo und Hybrid

Klaus Löcker präsentiert einen AMG Mercedes. Luxusgefährte wie dieses verkaufen sich auch in Wittgenstein immer besser. Löcker zeigt auf das Schild. Hier hat der Monteur unterschrieben.

Klaus Löcker präsentiert einen AMG Mercedes. Luxusgefährte wie dieses verkaufen sich auch in Wittgenstein immer besser. Löcker zeigt auf das Schild. Hier hat der Monteur unterschrieben.

Foto: Lars-Peter Dickel

Schameder.  Die Faszination Auto hält auch Wittgenstein im Griff. Wir haben mit Autohändler Klaus Löcker über Hubraum und Hybrid gesprochen.

Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2017, aber sie haben sich sicher kaum verändert. Auf 1,6 Einwohner Wittgensteins kommt ein Auto. Das Auto ist der Deutschen liebstes Kind - nicht nur in Wittgenstein, wo Bus und Bahn dank einer schwachen ÖPNV-Versorgung eine eher untergeordnete Rolle spielen, sondern deutschlandweit: Allein 284.593 Autos wurden laut Kraftfahrtbundesamt im Oktober 2019 zugelassen. Spitzenreiter dabei ist Porsche mit einem Zuwachs von rund 500 Prozent vor Audi mit knapp 120 Prozent. Neben dem normalen Pkw oder auch dem SUV spielen Sportwagen und Luxuskarossen eine große Rolle.

Sicherheit spiel immer größere Rolle

Klaus Löcker aus Benfe hat von Berufswegen mit diesen Luxusartikeln zu tun. Er verkauft Autos. Aber Löcker weiß auch, wie sich das Verhältnis zum Luxus verändert, oder wie sich die Wünsche Kunden verändern. „Als ich anfing, haben wir eine Mercedes S-Klasse für 100.000 Mark verkauft“. Damals ging es entweder um Komfort oder um sportliche Fahrzeuge. „Die Faszination für Technik, für Motoren spielt eine große Rolle. Inzwischen geht es den Kunden aber immer mehr auch um Sicherheit“, weiß Löcker und hat gleich eine Anekdote parat. Ein Kunde hatte sich auf dem Firmengelände einen Vorführwagen angeschaut und sich nach dem Preis erkundigt. „Ich habe ihm dann gesagt, der kostet so viel, weil er alles drin hat, was es gibt, sogar ein Nachtsichtgerät.“ Das brauche ich doch im Leben nicht, soll der Kunde damals geantwortet haben - nur um zwei Jahre später einen Neuwagen zu ordern, der unbedingt auch ein Nachtsichtgerät haben sollte, weil man damit einen Hirsch auf der Straße bereits sieht, bevor die Scheinwerfer ihn erfasst haben.

Trotz aller Assistenzsysteme gibt es Autofahrer, die das sportlich besondere suchen. Klaus Löcker zeigt dabei auf ein Fahrzeug für 170.000 Euro. Im Showroom des Autohauses steht eine schwarzmetallic lackierte, 630 PS starke Achtzylinder-Biturbo-Limousine mit Allradantrieb und Carbon-Bremsanlage. „Das Auto braucht auch so eine Bremse“, weiß Löcker und erläutert, auch wenn man in Wittgenstein keine Spitzengeschwindigkeiten fahren kann - Ein Bremsmanöver aus 300 Stundenkilometern würde eine handelsübliche Bremse überfordern.

Raritäten aus Affalterbach

Solche Fahrzeuge sind Raritäten auf den Straßen, aber doch häufiger zugelassen als man denkt. „Vor acht Jahren fuhr hier in Wittgenstein ein einziger AMG-Mercedes. Damals habe ich mir auch einen C63 geholt und kurz danach wurden es mehr auf den Straßen.“ Der Reiz des Besonderen liegt laut Löcker aber nicht allein im exklusiven Preisgefüge, sondern im Qualitätsversprechen von AMG. Der mercedeseigene Tuner aus Affalterbach bei Ludwigsburg leistet sich etwas Besonderes: „Nur ein Monteur betreut einen Motor. Der baut ihn zusammen, hat alle Teile in der Hand gehabt“, erklärt Löcker und zeigt auf die Plakette mit der Unterschrift des Monteurs auf der Motorabdeckung.

Hubraum hin, Klimadebatte her: Löcker und die Automarke gehen mit der Zeit und bieten immer öfter auch Hybride an. „Ich kann damit 80 Kilometer rein elektrisch fahren. Für die meisten Autofahrer hier reicht das.“ Allerdings ist die Mercedes A-Klasse dann rund 8000 Euro teurer als das Benzinermodell. Mit Wechselprämien des Herstellers und der Regierung halbiere sich das und wenn man die Spritersparnis rechne, habe man auch die zweiten 4000 Euro bald raus. Hybride sind nach wie vor selten, aber aus der Luxus-Debatte raus, findet Löcker.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben