Integration

Wie Brücken in der Flüchtlingshilfe gebaut werden können

Die „Willkommens-Tafel“ hängt im Eingang der Kita Bäderborn. Im äußeren Ring sind Willkommensgrüße in all jenen Sprachen angeklebt, die im Kindergarten gesprochen werden.

Foto: Britta Prasse

Die „Willkommens-Tafel“ hängt im Eingang der Kita Bäderborn. Im äußeren Ring sind Willkommensgrüße in all jenen Sprachen angeklebt, die im Kindergarten gesprochen werden. Foto: Britta Prasse

Bad Laasphe.   Renate Hahn von der Flüchtlingsinitiative Bad Laasphe gibt in der Kita einen Sprachkurs für geflüchtete Frauen. Worauf es bei Integration ankommt.

Asma wiegt Jasmin langsam in den Schlaf. Esther ist dagegen putzmunter, mit ihren kleinen Händen patscht sie auf das Vokabelheft von ihrer Mama Rosemary. Auf die feinen Linien hat Rosemary eine Katze, einen Tisch und ein Glas gemalt und daneben die deutschen Begriffe geschrieben. „Die Katze“, „der Tisch“, „das Glas“. Rosemary und Esther sind heute zum ersten Mal hier; Asma besucht den Deutschkurs schon seit etwa zwei Jahren. Lange bevor Jasmin geboren wurde.

Worum es geht

Das Projekt versteht sich als Brücke – um aufzuklären, Anschluss zu finden und sich auch ein Stück weit zu emanzipieren. Jeden Freitag gibt Renate Hahn, Leiterin der Flüchtlingsinitiave Bad Laasphe, einen Deutschkurs für Frauen in der Kita Bäderborn.

„Vor einiger Zeit hatte mich eine syrische Frau angesprochen, ob wir nicht auch einen Sprachkurs explizit für Frauen anbieten können“, erzählt Renate Hahn. Viele Frauen seien nicht so gehemmt, wenn sie mit anderen Frauen, die in der gleichen Situation sind, zusammen lernen. Auch das verbindet. Über Ländergrenzen hinweg.

Warum es besonders ist

Heute sind neun Frauen gekommen, „das ist schon sehr viel“, meint Renate Hahn. Sie starten mit einer Vorstellungsrunde, auch, um sich der fremden Reporterin vorzustellen. Sie nennen ihren Namen, ihre Herkunft und wie viele Kinder sie haben. Fragen, die ihnen auch bei der Behörde gestellt werden. „Ich bin Asma, ich komme aus Syrien, ich habe fünf Kinder.“ – „Ich bin Selam, ich komme aus Eritrea, ich habe ein Kind.“ – „Ich bin TamilPiriya, ich komme aus Sri Lanka, ich habe ein Kind.“

Insgesamt sitzen Frauen aus sieben verschiedenen Nationen am Tisch: Syrien, Aserbaidschan, Eritrea, Rumänien, Sri Lanka, Nigeria und Deutschland. Und auch wenn Gespräche auf Deutsch noch schwerfallen: Ein Lachen wird überall verstanden. Ob aus einem Missverständnis heraus oder nach einem „Aha“-Effekt ist erstmal zweitrangig.

Und während die jungen Mütter konzentriert in ihre Vokabelhefte schreiben, werden ihre Kinder nebenan von zwei Tagespflegepersonen betreut. Eine spricht sowohl Deutsch als auch Arabisch. Auch das ist eine Form des Entgegenkommens, eine Form des Brücken Bauens.

Warum es wichtig ist

„Sprache ist der Schlüssel zur Integration“ – was von Behörden gepredigt wird, setzt Renate Hahn um. Die Künstlerin war „in einem früheren Leben mal Lehrerin“. Doch mit dem Schulsystem habe sie sich nicht anfreunden können, habe deswegen einen künstlerischen Weg eingeschlagen.

Die ehrenamtliche Arbeit mit Flüchtlingen erfüllt sie im gleichen Maße wie sie sie auch fordert: „Ich möchte, dass Menschen wachsen. Aber ich möchte mit meiner Arbeit auch Ergebnisse sehen.“ Diese sieht sie zum Beispiel bei TamilPiriya und Rajeswary, die zwei Freundinnen aus Sri Lanka. „Die sind immer da“, erzählt Hahn und lächelt die zwei Frauen über den Tisch hinweg an, die zurücklächeln. Ein Lächeln, bei denen ihre dunklen Augen strahlen.

Warum es auch schwierig ist

Und dann gibt es Frauen, die Renate Hahn seit zwei Jahren begleitet und die Frage nach ihrem Geburtsort immer noch nicht verstehen. „Manche werden aus ihrer sprachlichen Isolation nie herauskommen“. sagt Hahn. Für jemanden, der Menschen wachsen sehen möchte, kann das frustrierend sein. Genauso wie die Diskrepanz zwischen deutscher Pünktlichkeit und afrikanischer Gelassenheit.

„Ich bin schon ein geduldiger Mensch, muss ich auch sein. Aber wenn jemand eine Stunde nach dem vereinbarten Termin kommt, ist das auch ein Zeichen von Achtlosigkeit oder Strukturlosigkeit“, sagt Hahn. In diesem Zusammenhang sei Aufklärung nötig – immer wieder – bis es verstanden wird. Manchmal sei es auch notwendig, ein deutliches Zeichen zu setzen. Auch das gehört zur Integration.

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