Jungunternehmer

Warum das Label „manufabo“ aus Bad Berleburg einzigartig ist

Vor allem für Festivals und Konzerte sind die Beltbags und Burrito Bags geeignet. Wer die Hände frei hat, kann besser feiern.

Vor allem für Festivals und Konzerte sind die Beltbags und Burrito Bags geeignet. Wer die Hände frei hat, kann besser feiern.

Foto: Privat

Arfeld.  Alexander Walle (26) aus Arfeld hat sich mit dem Handtaschen-Label „manufabo“ selbstständig gemacht. Die Botschaft hinter der Marke: Nonchalance.

Die Taschen kommen nicht aus Stockholm, Paris oder Tokio. Sie sind „made in Bad Berleburg“ – und widersprechen jeglichem Provinzklischee. Wer „manufabo“ trägt, ist außergewöhnlich und anders. Lässig, ohne dabei überheblich oder ignorant zu wirken. Dieses Lebensgefühl möchte Alexander Walle den Trägern seiner Taschen vermitteln. Vor knapp zwei Jahren hat sich der heute 26-Jährige aus Arfeld mit seinem Label „manufabo“ selbstständig gemacht. Für ihn war das ein Schritt ins Unbekannte. Raus aus dem Beratungsbereich und rein ins Kreativ-Business.

Nach seinem Bachelorstudium in Konstanz – Internationales Management Asien – und einem mehrmonatigen Praktikum bei PWC in München merkt Walle, dass er etwas anderes will. „Consulting war zu der Zeit etwas eintönig“, sagt er. Nach Feierabend habe er damals schon an „manufabo“ gearbeitet. „Meine Mutter ist gelernte Schneiderin und hat für ihre Freundinnen immer mal wieder Handtaschen zu Weihnachten genäht“, erzählt Walle. Clutches, Kosmetiktaschen oder auch Muffs.

Walle sieht Potential in den Designs und fängt an, sie nach und nach weiterzuentwickeln und zu vermarkten. Aus der „Taschenmanufaktur Born“ – der Mädchenname der Mutter – wird „manufabo“. Das ist kürzer, einprägsamer, melodischer und „endet auf „bo“ – französisch für schön“.

Die Botschaft: „nonchalant“

„manufabo“ soll demnach mehr sein als die Verschmelzung zweier Namen. „Im Englischen kann man es zum Beispiel als ‘man you’re fabulous’ also ‘man, bist du fabelhaft’ verstehen“, erklärt Walle. Außerdem möchte er seinem Label eine Botschaft geben, ein tieferes Verständnis. „Es gibt viele, die in Deutschland designen und einige wenige, die ihre Produkte dann auch tatsächlich hier herstellen. ‘manufabo’ sollte sich demnach nicht ausschließlich dadurch auszeichnen, dass in Berleburg designt und hergestellt wird. Vielmehr wollte ich eine Geschichte erzählen, die verdeutlicht, was ‘manufabo’ einzigartig macht.“

Er suchte nach einem Wort, das ein Lebensgefühl ausdrücken sollte. Staat zu googeln nahm er den Duden zur Hand; „der passende Ausdruck: ein Synonymwörterbuch für die Wortwahl“. Ungefähr zwei Tage habe er gebraucht, um diesen durchzulesen, schrieb sich markante Begriffe heraus, die infrage kamen. Am Ende fiel seine Wahl auf „nonchalant“.

„Mein Hauptaugenmerk lag natürlich auf der Bedeutung, aber mir waren auch ein guter Wortklang und internationale Verständlichkeit wichtig“, meint Walle. „Nonchalant“ habe sowohl im Deutschen als auch im Englischen und Französischen die Bedeutung: unbekümmert, ungezwungen, nicht verkrampft. Eine Person, die nonchalant ist, steht in einer charmanten Art und Weise über den Dingen. Das Adjektiv wird zum Slogan von „manufabo“ und findet sich eingestanzt zum Beispiel an den Ringen der Taschen oder an der Längsseite der Reißverschlüsse wider.

Wer „manufabo“ kauft, drücke damit aber nicht nur seine nonchalante Haltung aus. Der Träger macht sich zudem auch als weißer Rabe erkenntlich. „Auf dieses Bild bin ich gestoßen, als ich nach einer Identifikationsfigur für die Marke gesucht habe“, erzählt Walle. Dabei geht die Metapher des weißen Raben zurück auf den römischen Dichter Juvenal, der ihn als ein Bild für einen außergewöhnlichen und auffallenden Menschen verwendet. Ein Mensch, der sich unabhängig von der Meinung anderer zeigt.

„Die Leute wollen eine gewisse Erfahrung machen, wenn sie etwas kaufen und Emotionen mit einem Produkt verbinden“, meint Walle. Und ein weißer Rabe zu werden gehöre zu solch einer Erfahrung.

Minimalistisches Design zu akzeptablen Preisen

„manufabo“ setzt auf ein minimalistisches Design für Frauen und Männer. Bis auf die früheren Kollektionen im Animal Look, sind die Kunstleder-Taschen unifarben – von blau über pink, weiß, gold bis schiefergrau – und können mit verschiedenen Bändern – sogenannte „Straps“ – untereinander kombiniert werden. Die Taschengröße variiert dabei von der Mini Bag bis zum Shopper, die Designs liegen preislich zwischen 25 und 120 Euro. „Bis das derzeitige Sortiment stand, gab es jede Menge ‘Trial and Error’, vor allem bei der Belt Bag“, sagt Walle.

Eine große Herausforderung sei es zum Beispiel das richtige Material zu finden. Dieses müsse nicht nur zum jeweiligen Stil der Tasche passen, sondern vor allem qualitativ hervorragend sein, aus bekanntem Ursprung und vorzugsweise direkt vom Hersteller. Nur so sei es möglich einen wettbewerbsfähigen Preis an „weiße Raben“ weitergeben zu können. „Natürlich ist die innerdeutsche Herstellung um Längen kostenintensiver als in anderen Teilen der Welt“, sagt Walle, „und wer trotzdem das kostengünstige, wahrscheinlich unter widrigen Bedingungen hergestellte Massenprodukt kaufen will, kann das tun, ist in den meisten Fällen dann aber alles andere als nonchalant unterwegs.“

>>> RÜCKZUGSORT, UM UNGESTÖRT ARBEITEN ZU KÖNNEN

Seinen Lebensunterhalt kann Alexander Walle mit dem Verkauf der Handtaschen noch nicht bestreiten. „Die meisten habe ich über Freunde und Bekannte verkauft“, so Walle. Mit ein paar Geschäften gebe es bereits Kooperationen, wie zum Beispiel das Goethe-Café in der Berleburger Oberstadt, die Parfümerie Acker oder das Modegeschäft Apropos in der Berleburger Unterstadt. Walle setzt aber vor allem auf die Online-Vermarktung.

Die Homepage „manufabo.com“ mit angegliedertem Online-Shop hat er selbst gestaltet, bei Facebook und Instagram postet er täglich mindestens ein Mal ein Bild oder Video, um im Algorithmus präsent zu sein. Sein Elternhaus in Arfeld ist momentan sein Rückzugsort, an dem er ungestört und ohne Ablenkung arbeiten kann. „Um wirklich Erfolg zu haben, müsste ich mit ‘manufabo’ aber wahrscheinlich in die Großstadt gehen, nach Berlin zum Beispiel. Da wäre eher ein Markt dafür“, meint Walle. Konkrete Pläne habe er dafür aber noch nicht.

„manufabo“ im Internet: www.manufabo.com, bei Facebook: facebook.com/NicePurses oder bei Instagram: @manufabo

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben