Wirtschaft

SCS Stahlschmidt soll 2021 wieder schwarze Zahlen schreiben

Geschäftsführer Friedemann Faerber (links) im Gespräch mit Willi Schmidt (Ferndorf) in der Spiralenfertigung. Diese Abteilung gehört zu den Stärken des Unternehmens SCS Stahlschmidt Cable Systems. Hier wird weiter investiert.

Geschäftsführer Friedemann Faerber (links) im Gespräch mit Willi Schmidt (Ferndorf) in der Spiralenfertigung. Diese Abteilung gehört zu den Stärken des Unternehmens SCS Stahlschmidt Cable Systems. Hier wird weiter investiert.

Foto: Lars-Peter Dickel

Berghausen.   Friedemann Faerber spricht über den Restrukturierung, Personalabbau, Investitionen und eine positive Prognose für den Automobilzulieferer.

Friedemann Faerber ist optimistisch. Der Geschäftsführer des Wittgensteiner Automobilzulieferers SCS Stahlschmidt Cable Systems GmbH & Co.KG sieht das erfolgreiche Ende eines tiefgreifenden Restrukturierungsprozesses in absehbarer Zeit: 2021 soll der „Turnaround“ geschafft sein. Dann soll das mittelständische Unternehmen wieder dauerhaft schwarze Zahlen schreiben.

Immerhin: Mit 60 Millionen Euro Umsatz habe das Unternehmen in 2018 trotz der schwierigen Situation einen Rekord in der Firmenhistorie aufgestellt. „Das gibt einem das gute Gefühl, dass die Maßnahmen Wirkung zeigen“, sagt Faerber. Gerüchten, die schon von einer Firmenschließung sprachen, erteilt er eine klare Absage: „Dafür gibt es keine Ansatzpunkte. Im Gegenteil, wir investieren sogar in den Standort Berghausen.“

Unternehmensumbau

Faerber ist im Januar 2018 mit dem Grundsatz angetreten, „Stärken zu stärken“. Mit Hilfe von externer Beratung habe man ganz konsequent danach geschaut, womit SCS Geld verdiene. In Berghausen ist das ganz klar die Spiralproduktion – aus Draht gedrehte Hüllen, die die Bowdenzüge schützen. Ein weiterer gewinnträchtiger Zweig im Stammwerk ist die Konditionierung von Kunststoff, damit die Bauteile nicht spröde werden und brechen. Damit allein sei der Turnaround aber nicht zu schaffen. Auch das Layout der Produktion, also die Anordnung der Maschinen, die Wege der Mitarbeiter und Produktbestandteile sollen weiter verbessert werden, um Zeit und Geld zu sparen.

Teamleistung

Aus dieser Betrachtung wurde ein dynamisches Konzept, das immer wieder durch Modellrechnungen und Simulationen angepasst werde, so Faerber. „Der Plan wird monatlich hinterfragt, ob er noch optimal ist.“ Auf diese Weise sei es gelungen, bereits jetzt leicht über den Planzahlen zu liegen. Dass sich innerhalb eines Jahres aus Managementsicht erste Erfolge zeigten, habe einen Grund: „Das ist eindeutig eine Teamleistung, von den Mitarbeitern aus allen Bereichen, Gesellschaftern und den Banken.“ Auch in schwierigen Zeiten habe man immer Lösungen gefunden, sagt der Geschäftsführer. „Auch der Gesellschafter ist überzeugt von dem Plan. Er steht loyal zum Unternehmen und zur Geschäftsführung“, sagt Faerber über die Peter Möhrle Holding.

Personalabbau

Mit am Tisch saß immer wieder auch die Gewerkschaft IG Metall, die den Personalabbau auf inzwischen 120 Beschäftigte im Stammwerk in Berghausen kritisch begleitet hat. Sondierungsgespräche über einen Sanierungstarifvertrag laufen bereits. Immerhin: Im Gegensatz zu den vergangenen Kündigungswellen zwischen 2015 und 2017 vollzog sich der jüngste Abbau fast geräuschlos. Von etwa 40 betroffenen Mitarbeiter wechselte der größte Teil in eine Transfergesellschaft. Für Faerber kein einfacher Schritt, weil damit zwar Fixkosten gesenkt werden, aber auch der Verlust von Fachkenntnis und Produktionskapazitäten verbunden ist.

Standorte

Ein mitentscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit des Wittgensteiner Unternehmens ist die internationale Ausrichtung mit den vier Unternehmensstandorten: „Wir haben eine klare Standort-Strategie.“ Europa sei der wichtigste Standort und Berghausen der für Engineering und Lösungsfindung. „Polen wird unser Hauptwerk für die Montage.“ Dort sei die technische Kompetenz durch eine neue Leitung gestärkt worden. „Ungarn hat einen Riesenschritt gemacht. Wir sind dort inzwischen strukturell gut aufgestellt.“ China sei wichtig für Produkte, die in Deutschland viel zu teuer hergestellt werden müssten.

Ausblick

SCS hat nicht nur die Automobilindustrie als Kunden. Auch das Geschäft im Sanitärbereich läuft. Dort werden zum Beispiel Badewannenstöpsel oder Toilettenspülungen mit Bowdenzügen aus Berghausen bedient. Fakt ist aber, dass der Löwenanteil der Kundschaft aus der Autobranche kommt. Trotz Dieselskandals und anderer Probleme dort bleibt Faerber gelassen: „Wir sind zwar abhängig vom Automobilsektor, aber nicht vom Powertrain“. Das heißt für SCS sei es egal, ob Verbrennungsmotoren oder Elektromotoren für Vortrieb sorgten.

In den nächsten acht bis zehn Jahren zeichne sich ein stabiler Markt für die Produkte ab. Für Faerber sei auch geringes Wachstum in der Autobranche kein Problem: „Es ist nicht schlau in einem Turn-around-Prozess zu sehr auf Wachstum zu setzen.“

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