Wildunfall

Wisente töten Hund eines Spaziergängers auf dem Rothaarsteig

Sebastian Demuth (36) aus Bad Berleburg auf dem Rothaarsteig an der Stelle, an der sein Hund Lotta von freilebenden Wisenten getötet worden ist.

Sebastian Demuth (36) aus Bad Berleburg auf dem Rothaarsteig an der Stelle, an der sein Hund Lotta von freilebenden Wisenten getötet worden ist.

Foto: Lars-Peter Dickel / WP

Bad Berleburg/Girkhausen.  Der Schock bei Sebastian Demuth sitzt tief. Der Hund seiner Familie wurde von Wildrindern angegriffen und getötet.

Bei Sebastian Demuth (36) und seiner Familie sitzt der Schock noch tief. „Ich habe die ganze Nacht lang nicht geschlafen“, berichtet der Berghäuser. Am Dienstag ist „Lotta“, der zwölfjährige Hund der Familie, bei einem Abendspaziergang auf dem Rothaarsteig von zwei Wisenten getötet worden. „Ich will dem Wisentprojekt nichts Böses, aber das kann jedem anderen Wanderer genauso passieren“, formuliert Demuth seine Sorgen und wünscht sich mehr Aufklärung durch den Trägerverein des Auswilderungsprojektes – auch und gerade, weil das Unglück direkt auf einem der am meisten begangenen Premiumwanderwege passiert ist, sagt er.

Bei Angriff: Hunde ableinen

Der Wisentverein bestätigt das tragische Geschehen: „Wir bedauern diesen Unfall“, sagt der Pressesprecher des Auswilderungsprojektes, Dr. Michael Emmrich, sieht die Verantwortung dafür aber bei Sebastian Demuth. „Der Mensch steuert die Situation“, sagt Emmrich und verweist auf Verhaltensregeln, „die ganz allgemein im Umgang mit Wildtieren gelten“. Er sagt, dass man mindestens 50 Meter Abstand zu den Tieren halten und diese weiträumig umgehen solle. Gerade jetzt, wo die Wisente junge Kälber hätten, müsste man Abstand halten. „Ein Hund ist da ein besonderes Risiko“, ergänzt Emmrich und verweist darauf, dass man seinen Hund bei einem Angriff durch Wisente am besten ableinen solle. So könne er vor den Wildrindern flüchten.

Leinenpflicht in der Setzzeit

Für Sebastian Demuth, dessen Familie und Hund Lotta kommen diese Informationen zu spät. Nach seinem Kenntnisstand habe er sich richtig Verhalten, sagt Demuth und schildert die Situation vom Vortag: „Der Hund war angeleint. Es ist schließlich Setzzeit“, berichtet Demuth und verweist auf Schilder direkt am Rothaarsteig. Er nahm den Hund am Mittwoch mit auf einen Abendspaziergang zum Heidenstock. Dort wollte er sich die Absturzstelle eines Weltkriegsbombers einmal anschauen, über die er in der WP gelesen hatte. Auf dem Rückweg zum Albrechtsplatz sah der 36-Jährige plötzlich die Wildrinder in einiger Entfernung. Zwei grasten auf einer Wiesenfläche direkt am Rothaarsteig. Ein weiteres wechselte von einer Seite zur anderen. Deshalb vermutete Demuth, dass noch mehr Tiere dort waren und blieb erst einmal stehen. „Ich dachte, die gehen schon irgendwann weg, aber das passierte nicht.“ Zwei Wanderer näherten sich und Demuth sprach mit ihnen über den Wanderweg und auch über die Wisente. Die Wanderer beruhigten ihn mit den Worten: „Die machen doch nichts.“

Schlecht beraten

Die zwei Männer gingen voraus, an den Tieren vorbei und es passierte – nichts. Das bestärkte den Spaziergänger, doch über den Rothaarsteig direkt zurückzugehen. Er nahm seinen Hund enger an die Leine und ging los. Als er in Höhe der Wildrinder ankam, griffen die zwei am Wegesrand stehenden Tiere den Hund mit gesenktem Kopf an.

„Ich hatte Angst. Die Tiere sind ja sehr breit gebaut. Und ich habe versucht Lotta an der Leine mitzuziehen. Doch das ging nicht. Ich bin dann ins Gebüsch und habe die Wisente angeschrien. Aber die haben darauf nicht reagiert.“ Die Wildrinder sollen den Hund in eine Kuhle direkt am Weg geschubst und nicht von ihm abgelassen haben. „Ich habe ihn nur jaulen gehört und konnte nichts mehr für ihn tun“, berichtet Sebastian Demuth.

Hund erliegt schweren Verletzungen

Er rannte zurück zum Albrechtsplatz. Dort konnte er eine andere Spaziergängerin mit Hund noch warnen. Diese habe ihren Freund mit einem Pick-up-Truck gerufen. Gemeinsam sei man dann zur Unglücksstelle zurückgefahren. Außerdem ruft Demuth gegen 20.20 Uhr die Polizei, die auch den Wisentverein einschaltete.

„Wir haben Lotta dann gefunden. Sie lebte noch. Wir haben sie dann auf die Ladefläche gelegt. Ich habe sie noch gestreichelt und dann ist sie gestorben.“ Demuth schildert auch Schnittverletzungen am Bauch des Hundes, die von Hörnern der Wisente verursacht worden sein könnten.

Zurück auf dem Albrechtsplatz wird Demuth von den Wisentrangern und der Herdenmanagerin, Kaja Heising in Empfang genommen, um über den Unglücksfall zu sprechen. Demuth hätte gerne Anzeige erstattet, es sei aber wohl nicht möglich, weil es sich um einen Wildunfall handeln könnte, berichtet der Hundehalter im Gespräch.

Polizei prüft den Fall

Die Polizei im Hochsauerlandkreis hat die Ermittlungen aufgenommen. „Wir prüfen jetzt, ob es sich um eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat handeln könnte“, sagt Polizeisprecherin Laura Burmann.

Sebastian Demuth wünscht sich vor allem eines: Dass vielleicht auch am Rothaarsteig Schilder auf die Gefahren hinweisen und Wanderern und Hundehaltern klare Verhaltensmaßregeln für den Umgang mit Wisenten Weg geben.

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