Prozess

In Spa schwer verunglückt

Foto: WR

Bad Berleburg.  Des Öfteren muss sich das Berleburger Amtsgericht mit den Folgen von Verkehrsunfällen beschäftigen. Der Fall von gestern gehörte zwar zu den gewöhnlichen, ungewöhnlich war zumindest der Tatort - die Formel 1 Rennstrecke von Spa in den Ardennen, wo seit 1950 der Große Preis von Belgien ausgetragen wird.

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Des Öfteren muss sich das Berleburger Amtsgericht mit den Folgen von Verkehrsunfällen beschäftigen. Der Fall von gestern gehörte zwar zu den gewöhnlichen, ungewöhnlich war zumindest der Tatort – die Formel 1 Rennstrecke von Spa in den Ardennen, wo seit 1950 der Große Preis von Belgien ausgetragen wird.

Auf der wegen den vielen Kurven titulierten „Ardennen-Achterbahn“ trainiert Mitte Mai vergangenen Jahres ein 50 Jahre alter Mann aus dem südlichen Wittgenstein. Mit seinem Motorrad erreicht er auf einer Geraden eine Geschwindigkeit von 220 km/h. Vor einer Kurve vermindert er auf 70. Dann passiert das Malheur. Mit der linken Fußraste gerät er auf den Asphalt. Mit seinem Renngerät touchiert der Wittgensteiner dann einen anderen Motorradfahrer, der daraufhin zu Fall kommt und sich erhebliche Verletzungen zuzieht. Neben diversen Prellungen zieht er sich laut Staatsanwalt Markus Urner auch einen Bruch des Schlüsselbeins zu. Urner warf dem 50-Jährigen nicht angepasste Geschwindigkeit vor. Außerdem habe es sich nicht um den Verunfallten gekümmert. Trotzdem fehlte in der Anklage das unerlaubte Entfernen vom Unfall – und das wohl aus einem guten Grund: Auf dem so genannten „Circuit de Spa-Francorchamps“ dürfen die Fahrer, Profis wie Hobbypiloten in gar keinem Fall anhalten. Erste Hilfe ist laut Aussage des Beschuldigten einzig Angelegenheit der Streckenposten. Die nicht alltägliche Karambolage an der deutsch-belgischen Grenze war im Vorfeld mit einem Strafbefehl in Höhe von 50 Tagessätzen zu je 40 Euro geahndet worden.

Dagegen hatte der Verteidiger des Kfz-Technikers Einspruch eingelegt – und das ebenfalls aus einem guten Grund: Der Geschädigte strengt aktuell einen Zivilprozess an. Dort fordert er 6 000 Euro Schmerzensgeld plus Leistungen für angebliche nicht reparable körperliche Schäden. Zusätzlich könnte die Krankenkasse des Opfers Leistungen zurück fordern.

Gestern aber haben der Beschuldigte und sein Rechtsbeistand einen ersten Etappensieg erringen können. Gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 1 500 Euro ist zumindest das Strafverfahren vom Tisch. Ob der Geschädigte, der gestern nicht vernommen wurde, mit seiner Zivilklage durchkommt, ist alles andere als sicher. Richter Hoffmann formulierte es so: „Wer mit dem Wissen um die Gefahren nach Spa fährt, nimmt das Risiko in Kauf.“

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