Gesundheit

Der kleine Chris kämpft sich ins Leben

Zusammen sind sie stark: Nicole und Daniel Wiegand mit ihren vier Kindern: Emily (fast 2), Chris (8 Monate) Vanessa (5) und Jolina-Sophie (8).

Zusammen sind sie stark: Nicole und Daniel Wiegand mit ihren vier Kindern: Emily (fast 2), Chris (8 Monate) Vanessa (5) und Jolina-Sophie (8).

Foto: Lars-Peter Dickel

Alertshausen.   Diesen wachen, großen Augen entgeht nichts. Neugierig schaut Chris in die Welt, in der es so viel zu entdecken gibt.

Diesen wachen, großen Augen entgeht nichts. Neugierig schaut Chris in die Welt, in der es so viel zu entdecken gibt. Auch den Reporter mustert der acht Monate alte Junge vom Schoß seiner Mutter aus. Und sein Lachen ist ansteckend. Kein Wunder, dass der Wonneproppen nicht nur seine Eltern Nicole (27) und Daniel Wiegand (29) glücklich macht: „Bei den Ärzten und Schwestern in Marburg ist Chris als ‘unser Sonnenschein’ bekannt, weil er immer lacht, auch wenn sie ihm so oft weh tun müssen“, berichtet seine Mutter.

Der fröhliche Junge erträgt auch die Behandlungen der Spezialisten mit einer Engelsgeduld. Vielleicht deshalb, weil er es gar nicht anders kennt. Chris hat einen Blasenkatheter, muss dauerhaft Medikamente nehmen, hat noch einige Operationen vor sich und wird wahrscheinlich als junger Erwachsener Dialysepatient werden. All das sieht man dem quirligen kleinen Jungen nicht an, der schon so viel Glück in seinem noch kurzen Leben gehabt hat. Chris hat eine seltene Erkrankung, die sich Luto nennt. Das ist eine angeborene Fehlbildung der Harnwege. Sie führt zum Urinstau und schädigt die Nieren. Die Sterblichkeit ist sehr hoch.

Drei Mal zuvor ohne Komplikationen

„Es ist eine Laune der Natur, Schicksal!“, sagt die Mutter. Mit Jolina Sophie (8), Vanessa (5) und Emily (2) hat das aus dem hessischen Laisa stammende Paar bereits drei gesunde Töchter. Auch die vierte Schwangerschaft verläuft mustergültig – bis zu einer Routineuntersuchung in der 25. Schwangerschaftswoche. Beim Ultraschall entdeckt ein Frauenarzt einen großen schwarzen Fleck. Es ist die prall gefüllte Blase. Der Urin kann nicht abfließen.

„Wir hatten Glück, dass wir Ärzte hatten, die diese Krankheit kennen und uns direkt zu einem Spezialisten weiterschickten“, erklärt Nicole Wiegand. Aber auch die Spezialisten sind sehr vorsichtig, weil eine Operation des Kindes im Mutterleib große Risiken für Mutter und Kind birgt. „Die haben uns gesagt, wir sollten uns das gut überlegen“, erinnert sich Daniel Wiegand. Aber ein Abbruch kommt für die Eltern nicht in Frage, selbst wenn das Risiko groß ist, dass die Fruchtblase platzt, das Kind stirbt oder als Frühchen per Kaiserschnitt geholt werden muss.

D ann kommt der erste Eingriff, dem zwei weitere folgen. In der Uniklinik Gießen wird der ungeborene Chris in Nicoles Bauch operiert. Das Kind erhält drei Shunts. Das sind kleine Schläuche, die helfen, dass der Urin abfließen kann. Zwei kommen in die Harnwege und einer ins Nierenbecken. Der Urin fließt ab, die Fruchtblase erhält Fruchtwasser und so ist auch die Lungenentwicklung von Chris nicht mehr gefährdet. Ärzte und Familie atmen auf: „Kurz nach der OP hat er sich wieder mehr bewegt. Da weiß man, dass man alles richtig gemacht hat“, beschreibt Nicole Wiegand ihre Gefühle. Die rechte Niere arbeitet inzwischen zu 88 Prozent. Das heißt Chris wird vorerst nicht an die Dialyse müssen.

„Bei uns ist es der bestmögliche Ausgang der Behandlung gewesen“, freuen sich die Eltern. Allerdings folgen jetzt noch ein paar OPs. Die kranke und nicht gut ausgebildete linke Niere wird demnächst entfernt und mit einem Jahr wird Chris eine künstliche Blase bekommen, denn auch dieses Organ ist als sogenannte Megazystis nicht gesund. Aber die Vorzeichen sind gut, weiß der Vater. „Chris gilt als sozialkontinent, und wird auch sportlich alles machen können, was er möchte.“ Bei diesen Prognosen darf der kleine Chris, trotz der vielen Behandlungen und Arztbesuche fröhlich sein und kann die Zukunft anlachen.

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