Minister-Besuch

Der 14-Punkte-Plan und die globale Erderwärmung

Johannes Remmel bei Landwirten

Johannes Remmel bei Landwirten

Foto: WP

Schameder. Beim denkwürdigen Vortrag des Dr. Hans Leser zu den „Herausforderungen in der Land- und Forstwirtschaft“ im November 2010 blieben viele Fragen offen. Am Donnerstag folgte deshalb sein Chef, NRW-Umweltminister Johannes Remmel, der Einladung der Volksbank Siegen-Wittgenstein um Horst Belz und der Landwirtschaftskammer in den Gemeindebau nach Schameder, wo sich die rund 140 Zuhörer anfangs in Geduld üben mussten.

Die gut 15-minütige Verspätung führte der Minister allerdings nicht auf die schlechte Verkehrsanbindung, sondern auf seinen prall gefüllten Terminkalender zurück. Zwar nahm er das Wort „Bundesfernstraße“ nicht in den Mund, einer „großen Lösung“ stehe er aber skeptisch gegenüber. Remmel, in Düsseldorf auch zuständig für Klima-, Natur-, Verbraucherschutz und Landwirtschaft, favorisiert gezielte punktuelle Verbesserungen. „20, 30 Jahre alte Straßenplanungen brauchen wir nicht mehr“, machte Remmel im Gemeindebau deutlich.

Eines gleich vorweg: Sein Vortrag zielte nicht unbedingt auf die Belange, Probleme sowie Besonderheiten der Landwirtschaft im Mittelgebirge. Seine Ausführungen waren eher national, europäisch und global angelegt. Beispiel Klimaschutz: Hier muss alles getan werden, um die Erderwärmung bis 2050 unter zwei Grad zu halten. Werden aktuell in Nordrhein-Westfalen pro Einwohner und Jahr rund 16 Tonnen CO2 produziert, dürfen das in 40 Jahren nur noch zwei bis drei sein.

Auch zum Artenschutz hat sich der Minister geäußert, wo „gewaltige Anstrengungen“ unternommen werden müssen, da die Menschheit zurzeit daran arbeitet, die „Festplatte der Erde zu löschen“.

In Sachen Dioxinskandal vertritt Remmel folgende Ansicht: „Gift gehört nicht ins Essen.“ Gleichzeitig verteidigte er den 14-Punkte Plan und die Einführung einer Haftpflichtversicherung für die Landwirte, da die Erzeuger sonst beim nächsten Skandal wieder auf den Kosten sitzen bleiben würden. Wenn der Plan erfolgreich umgesetzt werde, könne das ein Quantensprung für das Verbraucherrecht werden.

Aufgrund des demografischen Wandels sprach er sich dafür aus, keine landwirtschaftlichen Flächen als Baugebiete auszuweisen. Allgemein gelte, dass es auch in Zukunft für alle Bauern möglich sein müsse, mit der Landwirtschaft Geld zu verdienen, um die Familien ernähren zu können.

Nach rund einer Stunde Redezeit monierte Kreislandwirt und Moderator Lothar Menn, dass „konkrete Aussagen fehlen“ und Remmels Forderungen sehr allgemein gehalten sind. Zu den „Herausforderungen in der Forstwirtschaft“ hatte er sich in seiner Rede gar nicht geäußert, sondern nur anschließend in der Diskussionsrunde und auch nur auf Anfrage. Sein Ausspruch, „Ist doch eigentlich nicht das Thema“, lässt den Schluss zu, dass er die Einladung nicht richtig gelesen hatte.

Ein Landwirt aus dem Elsofftal bewertete den hohen Besuch aus Düsseldorf abschließend folgendermaßen: „Ich bin genauso schlau wie vorher“. Zumindest die Schnittchen der Damenriege aus Schameder waren aber wieder lecker.

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