Abitur 2019

Elf Wittener Abiturienten schaffen die Supernote 1,0

Schön und schlau: Die Abiturienten des Wittener Albert-Martmöller-Gymnasiums.  

Schön und schlau: Die Abiturienten des Wittener Albert-Martmöller-Gymnasiums.  

Foto: Foto: Matthias Albrecht

Witten.  Ganz schön schlau: Elf Wittener haben einen Abiturdurchschnitt von 1,0 erreicht. Warum gab es an den Schulen so viele tolle Einser-Kandidaten?

An allen drei Wittener Gymnasien gibt es eine hohe Zahl an Abiturienten, die mit einem exzellenten Notendurchschnitt bestanden haben. Neun Schüler haben sogar die Traumnote 1,0 erreicht, hinzu kommen zwei an den Gesamtschulen.

„2019 ist einfach ein sehr guter Jahrgang“, sagt Johannes Rienäcker, Schulleiter des Albert-Martmöller-Gymnasiums. Zum einen war die diesjährige Stufe zwölf mit 128 jungen Menschen besonders groß – weil das AMG damals fünfzügig gestartet war und viele Schüler aus den Realschulen aufgenommen und bis zum Abitur geführt hat. Zum anderen seien die Noten in der Spitze bemerkenswert. Fünfmal wurde der Notendurchschnitt 1,0 erreicht, viermal 1,1.

Ähnlich sieht es am Wittener Ruhr-Gymnasium (RGW) aus. Von den 66 frisch gebackenen Abiturienten haben drei Schüler den Notenschnitt 1,0 erreicht, ein Junge und zwei Mädchen. Zählt man die zwölf Schüler dazu, die einen Schnitt bis 1,9 schafften, macht dies ein Fünftel aller RGW-Abgänger aus. Das Wittener Schiller-Gymnasium zählte zwar nur einen 1,0-Kandidaten. Insgesamt gelang aber einem Drittel – 25 von 74 Schülern – ein Schnitt von 1,9 oder besser. In der NRW-Abiturstatistik liegen die Wittener Schulen dank dieser Leistungen über dem Landesdurchschnitt von 2,3.

Super-Abitur ist inzwischen schon der Standard

Wie erklärt sich das – wo sich doch gerade in diesem Jahr bundesweit Zehntausende über eine zu schwere Mathematik-Prüfung beschwerten? Oder wo G 8-Schüler angeblich unter zu hohem Leistungsdruck stehen?

„Das Abitur war nicht leichter oder schwerer als sonst“, sagt Johannes Rienäcker vom AMG. Vielmehr seien die Schüler gut vorbereitet gewesen.

Dirk Gellesch, seit vier Monaten Leiter des Ruhr-Gymnasiums, bescheinigt den Schülern, gut gelernt zu haben. Mit zum Erfolg könnte die Intensivwoche vor den Osterferien beigetragen haben, die das RGW seit einigen Jahren umsetzt. Dabei wird der Wissensstand nochmals überprüft. Gellesch: „Es ist ja ein Riesenberg, den man vor den Prüfungen lernen muss. Dabei strukturieren wir den Lernstoff und vermitteln jedem Schüler: Wo steht er und wo gibt es noch Defizite?“

Am Wittener Schiller-Gymnasium zählt das Super-Abitur seit einigen Jahren zum Standard. Ein Viertel bis ein Drittel aller Absolventen geht mit einer Eins vor dem Komma von der Schule ab. „Ich bin auch diesmal sehr zufrieden, obwohl es nicht der beste Jahrgang war“, sagt Oberstufenkoordinator Christian Roussel mit Blick auf die letzten zehn Jahre. Die jetzigen Abiturienten seien nicht schlechter als die alten G 9-Jahrgänge. Roussel: „Die zeitliche Belastung war für die Kinder nur höher.“

Durchschnitte der Abi-Noten steigen

Grundsätzlich, das betonen alle drei Schulen, seien mit G 8 keineswegs die Leistungskurven in den Keller gegangen. „Man muss sagen: Die Durchschnitte der Abiturnoten sind eher besser geworden“, sagt Dirk Gellesch. „Trotz oder gerade wegen G 8.“ Trotzdem: Hatte man nicht vor der Einführung des Zentralabiturs für gleiches Wissen eine schlechtere Benotung? Eine 1,0 war doch quasi unerreichbar?

Schule habe sich so stark gewandelt, dass ein Vergleich nicht möglich sei, sagt der neue Direktor des Ruhr-Gymnasiums. „Die Feuerzangenbowle gibt es heute nicht mehr.“ Früher sei weniger, aber intensiver gelernt worden. Als Folge einer regelrechten Wissensexplosion lege man heute weniger Wert auf das Wissen als auf die Fähigkeit, sich dieses anzueignen.

Schüler sollen das richtige Wissen herausfiltern können

„Wenn das Internet eine Million Einträge zu einem Suchbegriff ausspuckt, brauchen ich die Fähigkeit, Wissen herauszufiltern. Was ist real und was sind Fake news? Das sind die Kompetenzen, die es braucht, um gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen“, sagt Gellesch.

Schiller-Lehrer Christian Roussel sieht den wesentlichen Unterschied im Reifegrad der heutigen Abiturienten, die teilweise noch nicht einmal 18 Jahre alt sind. „Mit den G 9-Abiturienten konnte man auf einem ganz anderen Niveau diskutieren.“ Den reinen Wissensstoff würden die Abiturienten beherrschen. „Aber dieses Wissen kritisch zu reflektieren, fällt ihnen schwer.“

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