Schicksal

Witten: Was der Krebs des Vaters mit einer Familie machte

Sie sind am 5. November im Fernsehen zu sehen: Maria Brandt aus Witten und ihre Kinder Fynn (14) und Giulia Grace (3). Das Bild an der Wand zeigt den im März 2019 an Krebs verstorbenen Familienvater Andrea Bizzotto.

Sie sind am 5. November im Fernsehen zu sehen: Maria Brandt aus Witten und ihre Kinder Fynn (14) und Giulia Grace (3). Das Bild an der Wand zeigt den im März 2019 an Krebs verstorbenen Familienvater Andrea Bizzotto.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Krebs – dem Wittener Andrea Bizzotto brachte er den Tod. Seine Frau berichtet im Fernsehen darüber, wie ihre Familie nach viel Leid ein neues Leben beginnt.

Das Schicksal von Andrea Bizzotto rührte Menschen zu Tränen und sorgte in seinem Heimatland Italien für Schlagzeilen. Bizzotto, dem Witten zur Wahlheimat geworden war, starb nach einem langen Kampf im März 2019 mit erst 33 Jahren an einer heimtückischen Krebserkrankung. Für sein Töchterchen Giulia Grace hat er vor seinem Tod noch ein Buch geschrieben. „Damit sie einmal weiß, wer ihr Vater war“, wie Andrea Bizzotto sagte. Seine Witwe, Maria Brandt, ist am 5. November mit ihren Kindern in der TV-Reihe „Menschen hautnah“ zu sehen. Der Titel der Sendung ist Programm: „Marias Neuanfang“.

Die Kölner Journalistin Renate Werner und ein Kamerateam haben die 36-Jährige über ein Jahr lang begleitet. Das große Thema: Wie gelingt ein Weiterleben nach dem Tod des Partners. Maria Brandt, findet Renate Werner, könne ein Vorbild für andere Menschen sein, die die Erfahrungen der Wittenerin teilen. Diese war mit den Dreharbeiten einverstanden, weil sie weiß, dass das Schicksal nicht nur ihrer Familie übel mitgespielt hat. „Es gibt so viele, die mit Krebs zu tun haben.“

Witwe: „Diese Schlacht hat auch Verletzte in der Familie hinterlassen“

Die schwere Erkrankung ihres Mannes, sein Hoffen und Bangen, sein über zweijähriger Kampf gegen den Tumor, gegen die Metastasen im Körper, die auch seine Lunge zerstörten, sei eine Schlacht gewesen, die die ganze Familie gekämpft habe, sagt Maria Brandt. „Diese Schlacht hat das Leben meines Mannes gefordert, aber auch Verletzte in der Familie hinterlassen.“ Die Witwe hat den schweren Neuanfang gewagt, mit ihrem Sohn Fynn (14), Töchterchen Giulia Grace, die jetzt drei Jahre alt ist und glaubt, dass ihr Vater hoch oben im Himmel auf einem Stern wohnt.

Maria Brandt führte als pflegende Angehörige ein Leben im Ausnahmezustand, konnte zum Schluss oft nur noch zweieinhalb Stunden am Stück schlafen. „Ich habe nur noch funktioniert“, berichtet sie. Und fügt hinzu: „Es war eine unheimlich schwere Zeit. Ich komme jetzt langsam wieder zu mir.“ Auch ihr Sohn, der Halbbruder der kleinen Giulia Grace, habe durch die Erkrankung ihres Mannes kurz vor der Pubertät viel zurückstecken und Rücksicht nehmen müssen. „Der Krebs hat nicht nur Andrea, er hat die ganze Familie befallen.“

Auch das Hospiz in Witten gehört zu Maria Brandts neuem Leben

Maria Brandt ist in den letzten Wochen des Lebens ihres Mannes stets angekleidet zu Bett gegangen. „Ich war immer einsatzbereit.“ Die Kinder und sie hätten in den vergangenen Jahren viel gelitten. „Ich wollte, dass sie wieder eine glückliche Kindheit haben“, sagt die Witwe. Die kleine Familie zog von Heven in die Innenstadt um. Die Politologin nahm eine Stelle im Bochumer Bergbau-Museum an, wo sie jetzt als Projekt-Koordinatorin für die Stabsstelle Wissenschafts-Management zuständig ist. Alle zwei Monate besucht sie mit ihrer Tochter die Schwiegereltern, die im italienischen Ort Bassano del Grappa in Venetien leben, wo Andrea Bizzotto seine letzte Ruhestätte fand.

Auch das Wittener Hospiz, in dem ihr Mann am 1. März 2019 starb, gehört zu Maria Brandts neuem Leben. „Ich bin mit Giulia regelmäßig dort. Sie hatte im Hospiz noch eine schöne Zeit mit ihrem Papa.“ Das Haus habe ihrer Familie so viel Lebensqualität bis zum Schluss gegeben. „Diesem Ort, an dem Menschen so viel für andere Menschen tun, fühle ich mich mein Leben lang verbunden“, betont die 36-Jährige.

„Nach einem langen Leiden kommt noch ganz viel!“

Die letzten rund anderthalb Jahre nach dem Tod ihres Mannes bezeichnet die Wittenerin als „Wiederaufbau, ein Stück harte Arbeit“. Nicht zuletzt musste sie beim Ordnen ihre privaten Dinge auch viele bürokratische Hürden nehmen, da ihr Mann italienischer und nicht deutscher Staatsbürger war. Brandt: „Ich habe keinen Partner mehr. Man ist für alles selbst verantwortlich.“

Was sie erlebt hat, hat Maria Brandt aufgeschrieben, die auch ihre Eltern an den Krebs verloren hat. Ihre Idee ist, das Niedergeschriebene als Buch im Selbstverlag herauszugeben. Die zweifache Mutter will mit ihrer Geschichte in der Sendung „Menschen hautnah“ anderen Mut machen, die ihr Schicksal teilen. Denn: „Nach einem langen Leiden kommt noch ganz viel!“

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