Witten de luxe

Wittenerin drechselt Stifte aus Edelholz: Jeder ein Unikat

Die Wittener Künstlerin Andrea Grun zeigt eine Auswahl ihrer Edelholzstifte.

Die Wittener Künstlerin Andrea Grun zeigt eine Auswahl ihrer Edelholzstifte.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Jedes Stück ein Unikat: Die Wittenerin Andrea Grun stellt Luxus-Stifte aus Edelholz her. Und nutzt dabei besonders gern die Geschwüre an Bäumen.

Die Kanzlerin hat einen Luxus-Füller, die Queen liebt ihren, heißt es, und auch Barack Obama schwört darauf. Aber ob sie auch ein Unikat haben, ein edles Einzelstück, das es so kein zweites Mal gibt? Fraglich. In Andrea Gruns Werkstatt in der Wittener Innenstadt waren sie alle (bislang) jedenfalls nicht zu Gast. Dabei würden sie hier sicher fündig.

In ihrer Manufaktur fertigt die 44-Jährige elegante Stifte aus Edelholz. Füller mit Patrone oder Kolben, Bleistifte, Tintenroller oder Kulis liegen in den Samtauslage und zeigen glänzend ihre schöne Maserung. Ob Palisander, Zebrano, Banksia oder deutsche Eiche: Jedes Stück hat sein eigenes, unverkennbares Muster. „Wobei man sagen muss, dass die deutschen Hölzer nicht ganz so spannend sind“, gibt die Wittenerin zu. Aber es gibt ja noch Maserholz – die knolligen „Geschwüre“ an vielen Bäumen haben aufgeschnitten eine besonders schöne Struktur.

Übrigens: Nicht jede Hülle ist braun. Der Füller aus Rosenholz schimmert rosa, die Kyrillische Maserbirke hellgelb, Amaranth violett und die Tanne: leuchtend blau. Das liegt aber nicht am Zapfen, den die Künstlerin dafür verarbeitet hat, sondern am Epoxidharz, das zwischen den einzelnen Schuppen eine ganz neue Farbe ins Spiel bringt. Allerdings: „Die sind besonders schwierig zu machen“, sagt Andrea Grun. Denn Harz und Holz haben unterschiedliche Härtegrade, da platzt beim Drechseln schnell was ab. „Von zehn Versuchen gelingt höchstens einer.“

Die Mechanik für die Stifte kauft die Wittenerin als Bausatz

Pures Holz leistet da schon weniger Widerstand, einfach ist die Bearbeitung aber dennoch beileibe nicht. Die Wittenerin schneidet die massiven Leisten auf die gewünschte Länge zu, bohrt ein Loch für die Hülse hinein, hobelt das Holz in der Drechselmaschine millimeterdünn, um es anschließend zu schleifen, wässern und zu lackieren. Die jeweilige Mechanik kauft sie als Bausatz: Goldfarbene Füllerfedern oder Drehbleistifte aus Chrom und Kuli mit Glitzerstein am Clip – alles ist machbar. So filigran sie auch sind: Die fertigen Stifte liegen schwer in der Hand, angenehm und glatt.

Aber wenn Frau Merkel schon nicht kommt – wer braucht solch besondere Schreiber eigentlich? „Einfach jeder! Jeder mit Spaß am Schreiben – und jeder, der viel schreiben muss“, versichert die Künstlerin und fügt schmunzelnd hinzu: „Im Wittener Rathaus zum Beispiel...“ Nur im Büro liegen lassen sollte man die Stifte besser nicht!

Die Wittener Tischlerin hat von jeher eine große Leidenschaft für Holz

Auf die Idee mit den Stiften ist die 44-Jährige nach dem Besuch eines Handwerkermarkts in Bayern gekommen. „Da gab es sowas Ähnliches und ich dachte mir, das versuch ich auch.“ Schließlich ist Holz von jeher die Leidenschaft der Tischlerin, die in ihrem (Haupt-)Job am Kunstmuseum Bochum allerdings mit weniger filigranen Werkstücken zu tun hat. „Holz ist einfach toll, ein faszinierendes, vielseitiges und lebendiges Material.“ Jedes Stück sei einzigartig. „Und jedes riecht anders. Schnuppern Sie doch mal hier am Rosenholz!“

Nachdem die ersten Versuche im letzten Jahr gründlich daneben gingen – „die konnte ich noch nicht mal verschenken“ – hat Andrea Grun ihre Technik inzwischen perfektioniert und auch herausgefunden, welche Mechanik besonders viel taugt. Über Mundpropaganda kam das Geschäft in Schwung. Inzwischen kommen auch Anfragen aus den USA oder Spanien in der Manufaktur an. „Und neulich hat ein Arzt gleich einen ganzen Satz Stifte bestellt.“

Ob es ein Weihnachtsgeschenk für die Praxis war? Dann hat sich der Chef nicht lumpen lassen. Zwischen 35 und 110 Euro – je nach Holz, Arbeitsaufwand und Innenleben – kosten die Stifte, Sonderanfertigungen sind immer möglich. „Wenn gewünscht, könnte ich auch rosa Glitzerharz mit einarbeiten“, sagt Andrea Grun schmunzelnd. Denn mit ihrer nagelneuen Vakuum-Maschine, die Luftbläschen verhindert, sollen die vielen Fehlversuche mit Epoxid der Vergangenheit angehören.

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