Gesundheit

Wittener warnt vor zu vielen Keimen im Trinkwasser

Sicherheit geht vor: Nina Hasenkamp verwendet für ihr Baby nur noch spezielles Babywasser aus dem Supermarkt.

Sicherheit geht vor: Nina Hasenkamp verwendet für ihr Baby nur noch spezielles Babywasser aus dem Supermarkt.

Foto: WAZ FotoPool / Olaf Ziegler

Witten.   Michael Hasenkamp hat privat Trinkwasser-Proben in seiner Stadt genommen und sie testen lassen. Ein von ihm beauftragtes Institut bescheinigt die Belastung mit Keimen und fehlende Trinkwasserqualität. Die Stadtwerke Witten zweifeln an dem Ergebnis und wollen mit einem eigenem Test reagieren.

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Wie sauber kommt das Trinkwasser aus Wittener Zapfhähnen? Der Annener Michael Hasenkamp schlägt Alarm. Mehrere Proben, die er privat entnommen hatte und testen ließ, wimmeln nur so von Keimen – deutlich mehr, als erlaubt. Die Stadtwerke wollen mit einem eigenen Test Klarheit schaffen.

760 – die Zahl auf dem Laborbericht schreckt auf. 760 sogenannte koloniebildende Einheiten hat das Institut ermittelt, das der 51-Jährige mit der Untersuchung seines Wassers beauftragt hatte. Erlaubt wären laut Trinkwasserverordnung maximal 100. Das Fazit der Tester: Viel zu viele Keime, keine Trinkwasserqualität. „Ich dachte, das ist ein Scherz, als ich das gelesen habe“, sagt Michael Hasenkamp.

Viel zu viele Keime, keine Trinkwasserqualität

Für sein kürzlich geborenes Kind hatte der Kommunikationstrainer den aufwendigen Test gemacht. Seine Frau sei skeptisch gewesen, ob man ihm das Wasser aus dem Hahn zumuten könne. Damit die Proben so aussagekräftig wie möglich werden konnten, hatte der Wittener den Zapfhahn täglich desinfiziert und verstärkt Wasser durch die Leitungen laufen lassen. Die A-Probe, die er zuvor entnahm, ergab nämlich noch eine unrealistische 44-fache Erhöhung der Werte. Nur: Die B-Probe lag immer noch bei den genannten 760. Das sei erschreckend hoch, so Hasenkamp, „vor allem nach Reinigungsmaßnahmen, die lebensfremd sind“. Pikant: Auch bei zwei Vergleichsproben, die der 51-Jährige nahm und überprüfen ließ, wurden stark erhöhte Keimwerte festgestellt – in einem Fall (in der Innenstadt) sogar um das 100-fache. Gefährliche Kolibakterien wurden in keiner der Proben entdeckt.

Obwohl das Gesundheitsamt die Ergebnisse für nicht gesundheitsgefährdend hält, sind die Stadtwerke alarmiert. „Wir nehmen das sehr ernst“, sagt Sprecher Thomas Lindner. Die Keimzahlen seien eindeutig erhöht. Allerdings zweifelt er an der Aussagekraft der Ergebnisse. Die Probe sei per Post, also nicht fachgerecht verschickt worden. Verfälschungen des Ergebnisses seien da möglich. Eine erste Probe der Stadtwerke an einem Hydranten an Hasenkamps Haus sei „anstandslos“ gewesen. Die Keimzahlen lägen in Witten „nirgends über dem Grenzwert“. Lindner ist sich sicher: „Das Wasser kommt sauber in den Häusern an.“

Wie entstehen die stark erhöhten Messwerte?

Im Wasserwerk wird das Wasser mehrmals kontrolliert – bei der Aufbereitung, aber auch, wenn es das Werk verlässt, versichert Laborleiter Ulrich Schulte. Zudem gebe es im gesamten Stadtgebiet 25 Entnahmestellen. An jeder werde alle zwei Wochen eine Probe entnommen. Aber wie entstehen dann die stark erhöhten Messwerte an drei verschiedenen Stellen in Witten?

Möglich sei neben einer verfälschten Probe, dass das Wasser im Rohrleitungssystem von Häusern verkeime, vermutet Thomas Lindner. „Wir lassen noch eine Probe durch ein unabhängiges Institut nehmen.“ Michael Hasenkamp hat einen anderen Verdacht, warum sich die Keime auf dem Weg vom Werk ins Haus vermehren: Das neue Verfahren der Stadtwerke, Keime mit UV-Strahlen zu beseitigen, könne womöglich verantwortlich sein. Das weisen die Stadtwerke zurück. UV-Strahlen seien das beste Mittel, um Keimen vorzubeugen. Michael Hasenkamp bleibt skeptisch: Für den Kaffee nehme er nur noch Mineralwasser. Und sein Kind bekommt spezielles Babywasser, statt Kraneberger.

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