Nachhaltigkeit

Wittener Verein liefert Bio-Gemüse aus Stockum in die Stadt

Marion Körner (l.) und Benjamin Greulich vom Vorstand der Entwicklungsgesellschaft zeigen den Lohn der Mühen: Das Bio-Gemüse vom Acker auf dem Vöckenberg kommt nun auch zweimal die Woche zu Privatpersonen.

Marion Körner (l.) und Benjamin Greulich vom Vorstand der Entwicklungsgesellschaft zeigen den Lohn der Mühen: Das Bio-Gemüse vom Acker auf dem Vöckenberg kommt nun auch zweimal die Woche zu Privatpersonen.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Die Wittener Entwicklungsgesellschaft baut auf dem Vöckenberg Gemüse an. Das kann man jetzt wöchentlich bestellen – und wer will, packt mit an.

Wer sein Gemüse im Supermarkt kauft, der weiß meist nicht, woher es stammt. Zu schnell verliert man den Überblick, zu zahlreich sind die Herkunftsorte. Beim Gemüsenetz der Wittener Entwicklungsgesellschaft stellt sich diese Frage nicht. Denn was Vorstandsmitglied Benjamin Greulich und seine Mitstreiter seit Kurzem regelmäßig zur Uni und ins Wiesenviertel bringen, kommt direkt von hier, von einem Acker am Vöckenberg.

Seit 2017 bewirtschaftet der Verein die etwa ein Hektar große Fläche in Stockum. Bio-Gemüse wächst auf etwa der Hälfte. „Wir wollen eine vielförmige Nutzung um der Artenvielfalt zu helfen“, sagt Greulich. Auch die Uni ist mit an Bord: Einmal in der Woche haben Studenten im Rahmen des „Studium fundamentale“ auf dem „Bildungsacker“ mit angepackt.

Großteil geht an die Küche der Uni-Cafeteria

Der Großteil des Gemüses geht an die Küche der Cafeteria der Universität, die auf bio-regionale Lebensmittel umstellen will. Im letzten Semester habe man es geschafft, an zwei von fünf Tagen jeweils ein vegetarisches Menü mit Zutaten vom „Bildungsacker“ anzubieten. „Das wird von den Studenten auch eingefordert und nachgefragt“, sagt Greulich.

Aber auch Privatpersonen haben über das Netz die Möglichkeit, frisches, lokales Gemüse zu bestellen. Ohne Abo-Verpflichtung, jede Woche aufs Neue. Weil man das Gemüse an die Uni zu Großhandelspreisen abgebe, sei man zusätzlich auf diese Direktvermarktung angewiesen, sagt Greulich.

Eine Einkaufs- und Erzeugergemeinschaft soll wachsen

Doch die Entwicklungsgesellschaft will eigentlich mehr: „Die Leute sollen nicht nur nachhaltig konsumieren, sondern auch selbst für den notwendigen Wandel aktiv werden“, sagt der 44-Jährige. Das ist allerdings kein Muss. Wer aktives Mitglied ist und mitarbeitet, bekommt das beim Gemüsekauf verrechnet. „Das Gemüsenetz ist mehr als ein Prototyp“ sagt Marion Körner vom Vorstand der Entwicklungsgesellschaft, gleichzeitig Geschäftsführerin des Instituts für Waldorfpädagogik. Entstehen solle letztendlich eine Einkaufs- und Erzeugergemeinschaft. „Wir wollen die Agrar- und Ernährungswende hier im Kleinen, im Lokalen austesten“, so Greulich.

Das Gemüsenetz ist also kein Netz im eigentlichen Sinne, sondern ein Netzwerk für eine nachhaltigere Stadt. „Unser Portfolio soll auch noch wachsen“, sagt Greulich. „So weit, dass wir irgendwann auch im Winter Gemüse anbieten können.“ Dazu wolle man mit weiteren Erzeugern kooperieren. Erste Gespräche habe es schon mit dem Windrather Talhandel gegeben, einem Handelszusammenschluss von sechs Bio-Höfen aus dem Gebiet östlich von Velbert.

Neues Feld in der Nähe der Uni

Gleichzeitig soll aber auch der eigene Anbau erweitert werden. „Wir suchen noch eine weitere Fläche in der Nähe der Uni. Nächstes Jahr soll es dort losgehen“, sagt Greulich, der auch schon einen bestimmten Ort im Blick hat. Insgesamt würde der Verein dann ab kommendem Frühjahr einen Hektar Fläche für den Anbau zur Verfügung haben.

Geliefert werden Paprika, Zucchini und Co. in großen Kisten an zwei Abhol-Orte, also nicht vor die Haustür, wie es bei anderen Kisten üblich ist. Wer bestellt hat, kann sich dann seinen Anteil selbst herausnehmen. Das läuft auf Vertrauensbasis. „Und es gab noch keine Probleme damit, dass jemand zu viel genommen hätte“, sagt Greulich. Abgeholt werden kann das Gemüse montags oder freitags an der Uni-Cafeteria, freitags im Wiesenviertel oder auch mittwochs direkt am Acker.

Lieferung bis zur Tür in Stockum

Ins Wullener Feld und nach Stockum liefert der Verein an die Tür – allerdings nur einmal die Woche. „Das wollen wir künftig mit dem Cargo-Bike machen“, erzählt Greulich, der den Verein 2016 mit aus der Taufe gehoben hat. „Wir sind auch gerade in Gesprächen mit Unternehmen, die wir gerne mit unserem Gemüse beliefern würden“, sagt Greulich. Etwa mit dem Baumdienst SKT. Dieser habe bereits Interesse signalisiert.

Aktuell hat das Gemüsenetz 20 Mitglieder, die einen Monatsbeitrag entrichten und sich auch auf dem Feld engagieren, die „Mitbauern“. Hinzu kommen 40 weitere Menschen, die das Gemüsenetz immer wieder mit Spenden über den Wert des Gemüses hinaus unterstützen. Im Schnitt bestellen bislang zehn bis 15 Personen pro Woche das Netz, im Semester sind es bis zu 30.

Ein kleines Netz kostet 7 Euro und reicht für ein bis zwei Personen, das große Netz kostet 12 Euro und ist für zwei bis drei Personen gedacht. Bezahlt wird aktuell entweder direkt bei der Abholung oder per Überweisung. Weitere Informationen: www.entwicklungs-gesellschaft.org/gemuesenetz

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