Konzert

Wittener Uni-Chor singt unvollendetes Werk in Vollendung

Kantor Dr. Christian Vorbeck – hier bei einem früheren Konzert – spielte am Mittwoch in der Marienkirche.

Foto: Zabka

Kantor Dr. Christian Vorbeck – hier bei einem früheren Konzert – spielte am Mittwoch in der Marienkirche. Foto: Zabka

Witten.   Mozart und Bach begeisterten am Mittwoch rund 250 Besucher in der Marienkirche. Dabei waren beide Sopranistinnen angeschlagen.

„Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht.“ Zur Begrüßung spannt Dirigent Ingo Ernst Reihl die gut 250 Besucher auf die Folter. „Beide Sopranistinnen haben eine Stimmbandschwellung. Und: Sie singen trotzdem!“ Aber tatsächlich war bei der Koreanerin Myung-Hee Hyun und der Norwegerin Rita Therese Ziem von einem stimmlichen Handicap nichts zu hören.

Doch bevor die Solisten, neben den Sopranistinnen auch der Bass-Bariton Rolf A. Scheider und der Tenor Andreas Normann zum Einsatz kamen, eröffnete Organist Christian Vorbeck den Abend mit Johann Sebastian Bach an der neuen Orgel. Riehl erzählte vom Glück Vorbecks und zitierte ihn: „Die alte war gar keine Orgel.“

Bärenstarker Bass-Bariton

Vorbeck spielte die „Passacaglia c-Moll, BWV 582“, ein weniger bekanntes und auch eher selten vorgestelltes Werk aus der Frühzeit des Meisters. Prächtige Klänge waren das, wie in Stereo hallten die mal wuchtigen, mal feinen Töne durch das Kirchenschiff. Die Anschaffung einer „richtigen“ Orgel ergibt also durchaus Sinn und Ohrenschmaus.

Dann kamen mit Wolfgang Amadeus Mozarts „Große Messe c-Moll, KV 427“ der Chor der Universität Witten/Herdecke, das Universitätsorchester der TU Dortmund und die vier Solisten zum Einsatz. Sie hatten bereits während Bach Stellung bezogen, etwa 60 Musiker, ganz in Schwarz gewandet.

Gesungen wurde die Messe auf Latein

Gesungen wurde die Messe auf Latein – wie es guter Brauch ist. Das Programmheft lieferte die deutsche Übersetzung. Und es war ein Genuss. Denn: Die Forschung weiß, dass diese Missa solemnis unvollendet ist. Davon hat der Laie nichts mitgekriegt, selbst der Musikwissenschaftler dürfte nichts vermisst haben. Der Chor sang das unvollendete Werk in Vollendung. Präzise und symbiotisch darüber hinaus, wie Chor und Orchester aufeinander eingespielt sind.

Myung-Hee und Ziem lieferten Glanzleistungen, der starke Normann kam nur zweimal zum Einsatz, der bärenstarke Scheider leider nur einmal, ganz zum Schluss beim „Agnus Dei“. Hätte Mozart diesen Bass-Bariton vorausgeahnt, hätte er seine Messe vielleicht doch vollendet. Starker, teils stehender Applaus.

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