Wiesenviertel

Wittener Tummelmarkt lockt mit nachhaltigen Produkten

Biologisch wertvoll: Auch frisches Gemüse verkauften die Händler auf dem Wittener Tummelmarkt.

Biologisch wertvoll: Auch frisches Gemüse verkauften die Händler auf dem Wittener Tummelmarkt.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Das Wetter war es nicht, das zum Tummelmarkt in Witten lockte. Wer kam, der interessierte sich für nachhaltige Produkte. Die gab’s dort zuhauf.

Da haben Händler und Besucher noch mal Glück gehabt: Nach einem eher schleppenden Start bei Nieselregen füllte sich der Tummelmarkt auf dem Humboldtplatz gegen Mittag spürbar. Schnell waren die kuscheligen Sitzecken belegt. Überall fröhliche Gesichter und gute Stimmung. Auch die Sonne ließ sich mal ganz kurz blicken beim letzten Markt in diesem Jahr.

Ihre Mittel wirken mindestens genauso gut wie die Medizin aus der Apotheke, verspricht Malwina Mikolajczyk an ihrem Stand. Denn einige beäugen gerade neugierig die kleinen Fläschchen mit Balsam und anderen Ölen. „Für jedes Leiden ist ein Kraut gewachsen“, bewirbt Mikolajczyk ihre Hausapotheke.

Produkt-Palette reicht von veganen Snacks bis zur Handtasche

Die 34-Jährige verdient ihr Einkommen als Yogalehrerin und Kräuterfachfrau. Beim Kollektiv Krautgeflüster bietet sie zudem Workshops an. „Wir zeigen, wie man Kosmetikprodukte herstellt“, verrät die Oberhausenerin. An diesem Samstag (28.9.) will sie den Wittenern ihre Produkte schmackhaft machen. Wie so viele Händler und Hersteller, die beim Tummelmarkt mit dem ökologischen Trend gehen: Nachhaltig, biologisch und fair sollen die Waren sein.

Die Palette reicht von veganen Snacks bis hin zu Textilien und Mode-Accessoires. Xuan Vu Thi produziert etwa Hand-, Brief- und Kosmetiktaschen. Alles handgemacht und ohne tierisches Material, wie die gelernte Modedesignerin betont: „Vegan kommt immer mehr. Ohne Tierleid kann man gut einkaufen.“ Zwar seien ihre Taschen ein wenig teurer als Massenware, wer aber Qualität suche, spare Geld, so die 41-Jährige: „Verglichen mit Leder sind meine Produkte günstiger.“

Studentin präsentiert selbst gemachten Schmuck aus Holz

Ketten, Armbänder oder Ohrringe aus Holz präsentiert dagegen Madera Mar. Die Studentin feilt nebenbei im Keller an ihrem Schmuck. Und stößt auf große Resonanz, wie sie erzählt: „Die Leute wollen immer mehr Naturprodukte und gehen weg vom Plastik.“ Der 29-Jährigen geht es nicht nur um den Handel, sie will eine Haltung vermitteln: „Damit versuche ich den Menschen zu zeigen, dass die Natur perfekt ist und wir Acht geben sollten.“

Kai Holtröhr wirkt fast gehetzt. Die Kunden fahren einfach auf sein Brot und das frische Gemüse ab. Hergestellt wurde es in der Betriebsgemeinschaft Hof Sackern in Wetter. Jeden Mittwoch beliefert die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft auch Kunden in Witten. Holtröhr wohnt seit zehn Jahren mit seiner Familie auf dem Hof, wo er für den Gemüseanbau und die Betriebsleitung verantwortlich ist. Großen Profit erzielt er mit seiner Familie nicht, aber, so der 41-Jährige: „Wir wollen den Menschen was Gutes tun und den Kreislauf beenden.“

Besucher mögen auch die gemütliche Atmosphäre beim Tummelmarkt

Diesen Kreislauf aus umweltschädlicher Massenproduktion und Wegwerf-Mentalität überdenken auch die Gäste auf dem Tummelmarkt. „Wenn ich Lebensmittel kaufe, achte ich darauf, dass es aus der Region und biologisch angebaut ist“, sagt Tim, der mit einer Freundin über den Markt schlendert. Aber den 24-Jährigen lockt vor allem die gemütliche Atmosphäre: „Die Nachhaltigkeit war gar nicht der Hauptgrund.“

„Kleine Schritte“ will Konstantina Bolka wagen. Daher konsumiert sie bewusst regionale Produkte oder meidet Plastiktüten, die bekanntlich umweltschädlich sind. „Durch Fridays for Future wurde dieses Thema ja noch verbreitet“, meint die 27-Jährige . „Alles umzustülpen ist aber schwierig.“ Für sie als Studentin seien viele der Produkte einfach noch zu teuer. „Prinzipiell finde ich es aber super, und vielleicht gibt es da ja bald einen Wandel.“

Dafür bietet der Tummelmarkt jedenfalls genügend Inspiration. Und er lädt zum Bummeln und Plaudern ein – auch 2020 hoffentlich wieder. Das hängt jedoch von weiteren Spenden ab, wie Mit-Organisatorin Lisa Marie Wagner erklärt: „Wir wollen keinen Eintritt verlangen.“

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