Historisches Rätsel

Wittener Trinkwasser wurde in einem Ufo-Becken angereichert

Das Filterbecken und die sogenannten Sauerstoffanreicherungsbecken der Stadtwerke befanden sich auf der Appelweide, nahe der Wetterstraße. In den 80er Jahren fotografierte Davide Bentivoglio vom Viadukt aus die Anlage.

Das Filterbecken und die sogenannten Sauerstoffanreicherungsbecken der Stadtwerke befanden sich auf der Appelweide, nahe der Wetterstraße. In den 80er Jahren fotografierte Davide Bentivoglio vom Viadukt aus die Anlage.

Foto: Bentivoglio

Witten.  Ab 1924 wurde Wittens Trinkwasser in Filteranlagen in den Ruhrwiesen behandelt. Regelmäßig beguckten Schulkinder diese Sauerstoffanreicherung.

Welches Ufo ist denn da am Ruhrufer gelandet? Nein, unser Rätselbild zeigt nicht die Kläranlage und auch nicht die „Bleiche“, die es einst am Südufer der Ruhr in Bommern gab. Aber: Auf dem Rätselbild zu sehen war das damalige Sauerstoffanreicherungsbecken der Stadtwerke auf der Appelweide. Diese war und ist das Wassergewinnungsgelände neben dem Ruhrdeich, zwischen Ruhrstraße und Viadukt.

Die Appelweide hatten die Stadtwerke bereits 1898 gekauft und hier dann 1924 die ersten Filterbecken zur Trinkwasserversorgung gebaut. Die Kinder auf dem Bild gehörten zu einer der unzähligen Schulklassen, die hier – von Rudi Bauer geführt – einen Teil des Aufbereitungsprozesses des Ruhrwassers von der Entnahme am Mühlengraben bis zu den Filterbecken verfolgen konnten. Der Schlot hinten links gehörte zum Dampfkesselhaus der Stadtwerke, die anderen Schlote zum Edelstahlwerk.

Leserin Christina Wildvang hat’s gewusst: „In dem Becken, an dem die Kinder entlanggehen, werden durch Einblasen von Luft unerwünschte Stoffe aus dem Wasser gefiltert“, schreibt sie und tippt: „Vermutlich war zur Zeit des Fotos der Trinkwasser-Lehrpfad gerade frisch eingerichtet und somit Anziehungspunkt für die vielen Schulklassen.“ Auch Gerd Gahr erinnert sich an das Becken nahe der Wetterstraße. „Noch weiter nach rechts geht es zum Ruderclub. Das Bauwerk diente wohl zur Wasseraufbereitung und wurde später wieder zugeschüttet.“ Das stimmt: Das Wittener Trinkwasser wurde bis Anfang der 90er Jahre im Sauerstoffanreicherungsbecken behandelt. Danach wurde der Prozess verbessert und gleichzeitig vereinfacht. Das Becken wurde überflüssig und beseitigt.

Aufgabe des Verbund-Wasserwerks

Heute werden die Reinheit und Qualität des Wittener Trinkwassers gewährleistet durch das Labor des Verbund-Wasserwerks Witten – es wurde 1989 gegründet als Tochter der Stadtwerke und der Aktiengesellschaft für Versorgungsunternehmen (AVU). Die Gewinnung des Trinkwassers in Witten erfolgt aus dem Grundwasser und dem Uferfiltrat der Ruhr. Zusätzliche Versickerungsbecken sorgen für eine weitere Anreicherung des Grundwassers.

Beim Durchströmen des Untergrundes wird das Wasser auf natürlichem Wege gereinigt. Nach der natürlichen Reinigung wird im Labor des Verbund-Wasserwerkes an der Ruhrstraße mithilfe von hochmoderner Technik und strengen Qualitätskontrollen für eine gleichbleibende Trinkwassergüte gesorgt, die den strengen Grenzwerten und Vorschriften entspricht.

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