Ehrenamt

Wittener Trauerbegleiterin vom Bundespräsidenten eingeladen

Annette Wagner im Zentrum für Kinder- und Jugendtrauerarbeit Witten, dessen pädagogische Leiterin sie ist. Die 56-Jährige zeigt einen „Trostbären“, mit dem Kinder, die das Zentrum besuchen, gerne kuscheln. Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services

Annette Wagner im Zentrum für Kinder- und Jugendtrauerarbeit Witten, dessen pädagogische Leiterin sie ist. Die 56-Jährige zeigt einen „Trostbären“, mit dem Kinder, die das Zentrum besuchen, gerne kuscheln. Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services

Witten.   Trauerbegleiterin Annette Wagner trifft am Freitag (8.9.) den Bundespräsidenten im Schloss Bellevue. Eine von rund 4000 Engagierten.

Sie ist aufgeregt und fühlt sich sehr geehrt: Annette Wagner wird am Freitag (8.9.) den Bundespräsidenten in Berlin kennenlernen. Frank-Walter Steinmeier hat die Wittenerin zu seinem Bürgerfest ins Schloss Bellevue eingeladen, mit dem das Staatsoberhaupt einmal jährlich die Arbeit von Menschen in ganz Deutschland würdigt, die sich ehrenamtlich für die Gesellschaft engagieren.

Annette Wagner erhielt die Einladung, weil sie seit über zwei Jahren Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes Trauerbegleitung ist. Eine von rund 4000 Engagierten, die zum großen zweitägigen Fest nach Berlin reisen.

In der Hattinger Klinik als Seelsorgerin tätig

Die 56-Jährige ist in Witten pädagogische Leiterin des Zentrums für Kinder- und Jugendtrauerarbeit an der Lutherstraße. Unterstützt von acht Ehrenamtlern – darunter eine Syrerin und eine Ägypterin – kümmert sie sich um Mädchen und Jungen, die Verluste verkraften und verarbeiten müssen: den Tod von Mutter oder Vater, von Schwester oder Bruder, von Großvater oder Großmutter – oder eine schmerzvolle Trennung der Eltern.

Annette Wagner, Sozialpädagogin und Bewegungstherapeutin, hat 2001 noch eine Ausbildung zur Diakonin abgeschlossen. Als Krankenhaus-Seelsorgerin ist sie einmal in der Woche in der psychatrischen Klinik in Hattingen-Niederwenigern tätig. Mit dem Tod wurde die Mutter von vier erwachsenen Söhnen schon früh konfrontiert. „Mein Vater starb, da war ich sechs.“ Heute, sagt sie, seien Tod und Trauer zumeist Tabu-Themen. „Im Fernsehen wird zwar gemordet, was das Zeug hält, aber im wirklichen Leben wird über den Tod oft nicht gesprochen.“

„Mein Vater stand aufgebahrt auf unserem Esstisch“

Das habe sie in ihrer Kindheit anders erlebt. „Mein Vater stand aufgebahrt drei Tage auf unserem Esstisch. Man hat von ihm Abschied genommen.“ Für sie als kleines Mädchen sei dies kein erschreckender Anblick gewesen. „Es waren Familienmitglieder da. Ich habe viele Geschwister.“ Was sie stark beschäftigt habe, sei eher die Frage gewesen, an welcher Stelle die Seele aus dem Körper des toten Vaters entweiche. „Ich war erschrocken, als man den Sargdeckel schloss. Weil ich dachte, hoffentlich ist die Seele da schon raus.“

Hierüber spricht sie auch mit Kindern und Jugendlichen, die – auch aus den Nachbarstädten – nach schweren Verlusten zu ihr ins Zentrum für Kinder- und Jugendtrauerarbeit kommen. Um nach der Trauer langsam wieder zusammen mit anderen Mut zu fassen und wieder stark zu werden.

Jugendzirkus gegründet

Über das Thema Trauerbegleitung spricht die Expertin auch auf Fachkongressen, etwa vor Palliativmedizinern oder Seelsorgern. Sie bildet Trauerbegleiter aus. Ihre Arbeit im Vorstand des Bundesverbandes Trauerbegleitung ist ein Ehrenamt. „Damit wird man zum Sprachrohr für das Thema Trauer.“

Die Wittenerin ist und war noch auf vielen weiteren Feldern aktiv. Als junge Frau arbeitete sie fünf Jahre als Sportlehrerin an der Wittener Waldorfschule. 1994 gründete Annette Wagner dort den Kinder- und Jugendzirkus Jux-Ban-Jux. „Wir waren als Nachwuchszirkus sogar bei Roncalli zu Gast!“


„Ich würde mit ihm gerne ein Glas Wein trinken“

1998 war sie Gründerin des 1. Familiensportvereins Witten, wo sie die erste Kinder-Herzsportgruppe im Ruhrgebiet aus der Taufe hob und leitete. Als Dozentin für Sport- und Gesundheitserziehung arbeitet die mittlerweile zweifache Großmutter seit über 25 Jahren für die VHS und leitet Herz-Sportgruppen für Sportvereine in Witten, Herdecke und Bochum.

Wenn Sie am Freitag beim Treffen mit dem Bundespräsidenten einen Wunsch frei hätte? „Ich würde mit ihm gerne ein Glas Wein trinken. Der ist ja sehr nett.“

>>> DAS ZENTRUM AN DER LUTHERSTRASSE 6

Das Zentrum für Kinder- und Jugendtrauerarbeit Witten „Traurig -Mutig-Stark“ findet man an der Lutherstraße 6: Tel. 02302/982 6226. Annette Wagner ist dessen pädagogische Leiterin. Das Zentrum ist ein Angebot des Vereins für Trauerarbeit Hattingen e.V..

Aktuelle Termine auf der Webseite www.traurig-mutig-stark.de.

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