Umwelt

Wittener Studenten haben viele Ideen für mehr Nachhaltigkeit

Der Kleidertausch im Foyer der UW/H ist nur eines der vielen Projekte von „oikos“. Die studentische Nachhaltigkeitsinitiative will auch mehr im Stadtgebiet aktiv werden.

Der Kleidertausch im Foyer der UW/H ist nur eines der vielen Projekte von „oikos“. Die studentische Nachhaltigkeitsinitiative will auch mehr im Stadtgebiet aktiv werden.

Foto: Jürgen Theobald

Witten.   Die studentische Initiative „oikos“ wirkt immer mehr ins Stadtgebiet hinein – mit Vorträgen oder einem Klimaschutz-Führer. Und vielen Visionen.

Gebrauchte Anziehsachen hängen im Foyer der Uni Witten/Herdecke wie in einer Waschkaue. Hier verschenkt und tauscht die studentische Nachhaltigkeitsinitiative „oikos“ Klamotten aus zweiter Hand – und informiert auf Zetteln mit erschreckenden Fakten: „Für Baumwolle werden mehr Pestizide eingesetzt als für jede andere Pflanze.“

Es ist nur eines von vielen Projekten das Vereins. Und die rund 15 aktiven Mitglieder wirken zunehmend ins Stadtgebiet hinein: „Wir versuchen mehr und mehr aus den Uniräumen herauszukommen, weil das Thema nicht nur die Studenten etwas angeht“, sagt „oikos“-Mitglied Barbara Herr (21).

Zuletzt gab es einen Gastvortrag zu Ökosiedlungen in der Stadtbibliothek. Bald will die Initiative der Stadt dabei helfen, ein „Klimasparbuch“ zu entwerfen. „Das wäre ein Nachhaltigkeitsführer für die Stadt“, erklärt Studentin Barbara Herr. Adressen für faire Kleidung, Reparaturwerkstätten oder Fahrradverleihe in Witten sollen dort auf einem Blick zu finden sein.

Mehr in den Vordergrund

Sind solche Projekte einmal realisiert, gehe es jedoch darum, sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen, findet Team-Mitglied Felix Struckmann (23). „Der Anspruch sollte immer 100 Prozent nachhaltig sein – auch wenn das gar nicht möglich ist“. Es sei etwa schön, dass Witten eine offizielle „Fairtrade-Stadt“ sei, allerdings reiche das lange nicht. Hier wünschen sich die Studenten mehr Kreativität von Stadt und Politik.

„Warum gibt es kein Restaurant mit genießbaren Lebensmitteln über dem MHD, das von der Stadt unterstützt wird?“, fragt „oikos“-Mitglied Yanika Meyer-Oldenburg (23). „Warum ist es so gefährlich mit dem Fahrrad zur Uni zu kommen, obwohl fast alle Studenten per Rad anreisen?“, ergänzt Barbara Herr. Und warum stelle die Stadt nicht mehr in den Vordergrund, was hier bereits zum Thema Nachhaltigkeit passiert?

Etwas füreinander tun

„Denn das ist bereits eine ganze Menge“, findet Yanika Meyer-Oldenburg. Der verpackungslose Laden „Füllbar“, die aktive Foodsharing-Gruppe, das Repair-Café. „Besonders das Wiesenviertel leistet hier einen guten Beitrag“, sagt Struckmann, der von einer Stadtgemeinschaft träumt, die wie die Facebook-Gruppe „Share & Care Witten/Herdecke“ funktioniert.

„Dort habe ich die gesamte Einrichtung für meine Wohnung bekommen“, sagt Struckmann. „Andere fragen, wer mit ihrem Hund Gassi gehen kann.“ Und es würde sich immer ein Helfer finden. „Das ist auch ein Aspekt – soziale Nachhaltigkeit“, sagt Struckmann. Barbara Herr ergänzt. „Es kann nur etwas Nachhaltiges entstehen, wenn man etwas füreinander tut.“

>> INFO: Schwerpunkt nachhaltige Stadtentwicklung

Das größte „oikos“-Projekt ist die alljährliche Winter School (1. bis 7. März 2019) mit internationalen Referenten. Das Thema in diesem Jahr: „nachhaltige Stadtentwicklung“.

Gegründet wurde „oikos“ 1987 in der Schweiz. Das Projekt hat Ableger in über 40 Ländern. Mehr zur Wittener Gruppe: facebook.com/oikosWittenHerdecke

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