Politik

Wittener SPD zu neuer Führung: Zwischen Frust und Freude

Die neu gewählten SPD-Vorsitzenden Norbert Walter Borjans und Saskia Esken lösen bei den Wittener Genossen unterschiedliche Reaktionen aus.

Die neu gewählten SPD-Vorsitzenden Norbert Walter Borjans und Saskia Esken lösen bei den Wittener Genossen unterschiedliche Reaktionen aus.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Witten.  Trotz des neuen Führungsduos in der SPD glaubt in der Wittener SPD niemand an einen schnellen Ausstieg aus der GroKo. Die Überraschung ist groß.

Freude bei den Wittener „Nowabo“-Fans, Enttäuschung bei den Anhängern des Verlierer-Duos Scholz/Geywitz: In der Wittener SPD sind die Reaktionen auf die Wahl von Norbert-Walter Borjans und Saskia Esken als neue Parteivorsitzende gemischt. An ein Ende der GroKo in Berlin zum jetzigen Zeitpunkt glaubt deshalb aber noch keiner.

„Ich freu mich. Jetzt kann was Neues beginnen“, sagt Juso Maximilian Locher (28) vom SPD-Ortsverein Innenstadt. Da Nowabo und Esken Änderungen am Koalitionsvertrag verlangten, stellt er sich nun auf eine „richtig heiße Woche“ ein. Würden Merkel und AKK der SPD bei möglichen Nachverhandlungen nicht entgegenkommen, könne es auf dem Parteitag Ende der Woche in Berlin „sehr eng“ werden, sagt Locher. Eigentlich glaubt er aber an einen Fortbestand der GroKo.

Wittener SPD-Urgestein warnt vor „Chaos“ in der Partei

„Überrascht und enttäuscht“ ist das Wittener SPD-Urgestein Klaus Wiegand (76). „Man muss das Ergebnis aber akzeptieren, auch wenn es schwerfällt“. Er hoffe, dass die große Koalition trotzdem „nicht kippt, sonst gibt es Chaos“. Von möglichen Neuwahlen könne sich die SPD nichts versprechen. Wiegand: „Dann spielen wir nur noch Zuschauer bei Schwarz-Grün.“

Von einer „großen Überraschung“ spricht der Wittener Parteivorsitzende Axel Echeverria, der persönlich Nowabo & Esken gewählt hat. An einen „Automatismus“ für einen sofortigen Ausstieg glaubt der 39-Jährige nicht, aber an „Gespräche mit der Union“, die nun folgen. „Im Koalitionsvertrag ist ausdrücklich verankert, nach zwei Jahren darüber zu sprechen, was gut und was schlecht gelaufen ist“, sagt Echeverria. Da beide Vorsitzende nicht dem Kabinett angehörten, seien sie bei Verhandlungen „freier“. Letztlich entscheide aber die ganze Partei.

Wittener Fraktionsvize: Den neuen Vorsitzenden eine Chance zur Profilierung geben

Man müsse den beiden neuen Vorsitzenden nun die Chance geben, sich in den nächsten Monaten zu profilieren, sagt der Wittener SPD-Fraktionsvize und Bommeraner Ortsvereinsvorsitzende Christoph Malz (51). Intern dürfe es jetzt keine Querelen mehr geben. Malz warnt die Scholz-Anhänger davor „nachzutreten“. Obwohl Borjans und Esken als GroKo-Kritiker gelten, glaubt er nicht, dass die SPD jetzt Hals über Kopf aus der Koalition aussteigt. „Die Sollbruchstellen sind gar nicht zu erkennen, warum man das gerade jetzt tun sollte“, sagt Malz.

Über den Fortbestand der GroKo hatte die Wittener SPD am Samstagmorgen (30.11.) intensiv bei ihrer Hauptversammlung diskutiert. Da stand noch nicht fest, wer das Rennen um den Parteivorsitz machen würde.

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