Immobilienaffäre

Wittener Sparkasse soll eine Vize-Chefin bekommen

Bislang reine Männersache: Der Sparkassenvorstand setzte sich aus dem Vorsitzenden Ulrich Heinemann (rechts), seinem Vize Olaf Michel (links) und Arno Klinger als stellvertretendem Vorstand zusammen.

Foto: Thomas Nitsche

Bislang reine Männersache: Der Sparkassenvorstand setzte sich aus dem Vorsitzenden Ulrich Heinemann (rechts), seinem Vize Olaf Michel (links) und Arno Klinger als stellvertretendem Vorstand zusammen. Foto: Thomas Nitsche

Witten.   Die Trennung von Sparkassenvorstand Olaf Michel könnte für eine Premiere in der Wittener Sparkassengeschichte sorgen. Die Spitze wird weiblicher.

Die Sparkasse will den zurzeit freien Posten des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden offenbar erstmals mit einer Frau besetzen. Mit Andrea Psarski läuft es auf eine hausinterne Lösung hinaus. Sie soll Olaf Michel folgen. Er hatte das Institut vor Wochen im Zuge der Immobilienaffäre verlassen, wobei ein direkter Zusammenhang stets bestritten wurde.

Die Abteilungsdirektorin im Kreditbereich ist ein „Eigengewächs“, kommt also aus den Reihen der Sparkasse. Auf eine Ausschreibung des hoch dotierten Spitzenpostens (über 300 000 Euro jährlich) wurde verzichtet. Der Personalvorschlag soll aus der Politik kommen. Der Verwaltungsrat habe sich in einer Sondersitzung bereits einstimmig darauf verständigt, heißt es. Im November soll die Wahl erfolgen.

17 Immobiliengeschäfte von Mitarbeitern und Vorstand

Die Sparkasse hatte sich nach nur anderthalb Jahren als Vorstand „einvernehmlich“, wie es hieß, von Olaf Michel getrennt. Insgesamt war er fast 20 Jahre für das Kreditinstitut tätig. Michel stand mit dem Leiter der Immobilienabteilung, Dirk Bisping, im Mittelpunkt der Immobilienaffäre, mit der die Wittener Sparkasse seit Sommer in den Schlagzeilen ist. Häuser, die dem Institut zur Vermittlung angeboten worden waren, sollen am Kunden vorbei erworben worden sein, teils über eine eigene Gesellschaft, die Michel und Bisping gegründet hatten. Der Vorstand soll 2016 in drei solcher Geschäfte verwickelt gewesen sein.

Sparkassenchef Ulrich Heinemann geriet wegen eines Kaufs in die Schusslinie. An weitere Mitarbeiter sollen in den letzten zehn Jahren 14 Objekte gegangen sein, bei denen nach Informationen dieser Zeitung zumindest „Abweichungen“ von den Vorgaben festgestellt worden seien, in drei Fällen sogar wesentliche Abweichungen.

Politik setzt auf einen Neuanfang

Mit der 40-jährigen Andrea Psarski setzt die Politik nun auf einen Neuanfang – und eine langfristige Lösung. Ihre beiden Vorgänger waren keine zwei Jahre im Amt. Bevor Olaf Michel im April 2016 in den Vorstand berufen wurde, war Carsten Schmees Vize-Chef. Als er nach kurzer Zeit wieder ging, hieß es, er habe in seine norddeutsche Heimat zurückkehren wollen.

Nach Schmees Ausscheiden sei es Vorstandschef Ulrich Heinemann dann „im zweiten Anlauf“ gelungen, Olaf Michel in den Vorstand zu holen. Heinemann wird vorgeworfen, seinerzeit den Verwaltungsrat nicht über dessen Nebentätigkeit, jene Immobiliengesellschaft, informiert zu haben.

Offen ist nach wie vor, was aus Dirk Bisping wird, dem Leiter der Immobilienabteilung. Er gilt „formal“ als hauptverantwortlich in dieser Affäre. Nachdem eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft die umstrittenen Immobiliengeschäfte untersucht hatte und keinerlei Verstöße gegen Gesetze finden konnte, gelten arbeitsrechtliche Konsequenzen ebenfalls als fraglich.

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