Gericht

Wittener soll seiner Mutter mit dem Tod gedroht haben

Bis September sind Verhandlungstage gegen den 38-jährigen Wittener vor dem Bochumer Landgericht anberaumt.

Bis September sind Verhandlungstage gegen den 38-jährigen Wittener vor dem Bochumer Landgericht anberaumt.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Witten.  Er gilt als psychisch krank. Das Gericht soll klären, ob der Wittener (38) dauerhaft in der Klinik bleibt. Eines seiner Opfer: die eigene Mutter.

Mehrfache Sachbeschädigung, Freiheitsberaubung, Bedrohung und Nötigung legt die Staatsanwaltschaft einem 38 Jahre alten Mann aus Witten zur Last. Seit Dienstag (6.8.) muss sich der Angeklagte vor dem Landgericht Bochum verantworten. Ärzte diagnostizierten bei ihm eine psychische Erkrankung, daher sei er vermindert schuldfähig.

„Ich habe keine psychische Erkrankung“, betonte der Mann vor Gericht. „Ich wurde genötigt zum Arzt zu gehen“, sagte er. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, in der Wohnung seiner Mutter Kunststofffiguren angezündet haben. Außerdem soll er seine Mutter geschlagen, festgehalten und mehrfach gedroht haben, sie töten zu wollen. „Das stimmt alles nicht“, behauptete er jetzt vor Gericht.

„Meine Mutter ist verrückt. Sie kriegt einen am Appel und ich werde eingewiesen“, erklärte der Beschuldigte. Aktuell ist der Mann in einer geschlossenen Klinik untergebracht und steht unter Betreuung. Für das Gericht stellt sich die Frage, ob er dauerhaft hinter Anstaltsmauern bleiben muss.

Schweren Motorradunfall mit 19 in Griechenland gehabt

Als 19-Jähriger hatte der Angeklagte einen schweren Motorradunfall in Griechenland. „Das war fast ein Selbstmordversuch“, sagt er heute. Er habe unter unerträglichen Bauchschmerzen gelitten. Erst später wurde eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse festgestellt. Seit dem Unfall war der Mann verändert. Er lag lange im Koma, wurde fünf Monate in einer Klinik behandelt und musste das Sprechen und Laufen neu lernen. Noch zwei bis drei Jahre lang habe er unter Erinnerungslücken gelitten.

Er leugnete es, seiner Mutter einen Faustschlag verpasst zu haben. „Wir hatten Streit. Ich fühlte mich angegriffen und war in Rage“, sagte er. „Sie ist hysterisch. Aber ich habe sie nicht gewürgt und auch nie gedroht, sie umzubringen.“ Die angeklagten Straftaten sollen sich zwischen November 2015 und 2018 zugetragen haben. Ihm wird auch vorgeworfen, mit dem Fuß gegen die Autotür seiner Mutter getreten und eine Terrassentür eingeschlagen zu haben. Die Nachtschwester einer Hattinger Klinik soll er bedroht haben, um aus der Klinik zu flüchten.

Mutter sagte als Zeugin aus: Sohn litt unter Verfolgungswahn

„Mein Sohn litt unter Verfolgungswahn und erzählte, man habe ihm andere Augen eingesetzt und Organe entnommen“, sagte seine 58-jährige Mutter am Dienstag als Zeugin. Angeblich habe man ihm Blut abgesaugt. Diese Angaben bestritt der Angeklagte vehement. „Meine Mutter ist eine notorische Lügnerin und Hexe“, so der Mann.

Ärzten zufolge leidet der Mann an einer Psychose, die sich aufgrund des vor 20 Jahren bei dem Motorradunfall erlittenen schweren Schädelhirntraumas entwickelt haben soll. Von 2005 bis 2014 lebte der Angeklagte mit einer Freundin in Hagen. In dieser Zeit gab es keinerlei Verhaltensauffälligkeiten. Erst als der Mann in die Wohnung seiner Mutter zurückkehrte, häuften sich die Konflikte. Für den Prozess, dem eine Gutachterin folgt, sind Verhandlungstage bis Mitte September angesetzt.

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