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Wittener Schule erhebt Beitrag für saubere Toiletten

Fritz Röttler (70) wischt an der Holzkampschule in Witten nach den Pausen kurz durch und  hält die Augen offen. Die tägliche Grundreinigung nach dem Unterrichtsende übernimmt die Stadt. Foto: Nitsche

Fritz Röttler (70) wischt an der Holzkampschule in Witten nach den Pausen kurz durch und hält die Augen offen. Die tägliche Grundreinigung nach dem Unterrichtsende übernimmt die Stadt. Foto: Nitsche

Foto: Funke Foto Services

Witten.   Die Holzkampschule in Witten erhebt von Schülern einen Jahresbeitrag für die WC-Aufsicht. Fast alle bezahlen für Extra-Hygiene, wenn auch niemand dazu verpflichtet ist.

Ein echter Aufreger oder nur ein Sturm in der Kloschüssel? Über das Toilettengeld an der Holzkampschule in Witten – fünf Euro im Jahr – entrüsten sich Bürger auf Facebook. Es wäre „eine Frechheit der Schule“, schreibt eine Wittenerin, wenn die Kinder für das Entrichten ihrer Notdurft bezahlen müssten.

Für die Reinigung von Schultoiletten gibt es die bundesweit gültige Norm DIN 77400. Nach dieser werden laut Stadt Witten alle städtischen Schulklos täglich nach Schulschluss gereinigt. „Morgens finden alle die Toiletten sauber vor“, so Sprecher Helmut Sonder. Probleme entstehen zwischen dem ersten und dem letzten Klingeln.

Förderverein legt bei Bedarf Rest drauf

Die Holzkampschule (1150 Schüler) hat vor zwei Jahren ihren Toiletten-Mann angestellt. Fritz Röttler (70) hält bis 13 Uhr alle WCs sauber, wischt nach Pausen kurz durch, füllt Papier auf, behebt Verstopfungen. Er bessert sich so seine Rente um 400 Euro auf. Finanziert wird er durch einen Jahresbeitrag von fünf Euro pro Schüler, den der Klassenlehrer einsammelt. Reicht das nicht, legt der Förderverein den Rest drauf.

„Die Initiative für diese Lösung kam von den Eltern und sie wird von diesen mit sehr großer Mehrheit getragen“, erklärt Schulleiter Michael Günzel. Die Notwendigkeit werde in Pflegschaftssitzungen so gut wie nie in Frage gestellt. Aber: „Keiner ist verpflichtet zu zahlen.“ Etwa ein Schüler pro Klasse entrichte den Beitrag nicht. Trotzdem werde niemand der Zutritt zur Toilette verwehrt. Günzel: „Wir haben kein Drehkreuz wie an der Autobahnraststätte.“

Aus für „Premium-Toiletten“

20 Cent pro Tag hatte das Martmöller-Gymnasium (940 Schüler) für die Benutzung der 2009 modernisierten, dann aber von einer WC-Dame betreuten Hof-Toilette verlangt. Die anderen Klos waren gratis. Das galt bis 2013. Dann machte die Bezirksregierung im Lande aufkommenden „Premium-Toiletten“ den Garaus. Sie störten angeblich den sozialen Frieden, führten zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Zulässig sind WCs mit Extra-Service seitdem nur, wenn sie allen zugänglich sind und wenn keine Pflichtabgaben fällig werden.

Das AMG stellte um. Auf Pflegschaftsbeschluss wird nun pro Elternhaus eine Jahresspende von zehn Euro anonym eingesammelt. 80 bis 90 Prozent der Eltern machen mit, einen Fehlbetrag übernimmt der Schulverein. Laut Schulleitung gelingt es, bei der Außentoilette den hohen Hygiene-Standard zu halten. Die Innen-WCs ohne Aufsicht seien im Vergleich dazu weniger sauber.

Berufskolleg kippte 2013 Bezahl-Regelung

Das Berufskolleg (3000 Schüler) hat eine ähnliche Erfahrung gemacht. Nach der Sanierung einer von mehreren Toilettenanlagen vor zehn Jahren stellte der Förderverein, dem an dieser Schule überwiegend Lehrer angehören, eine Toilettenkraft ein. 30 Cent pro Benutzung kostete danach der Besuch des „Örtchens“. 200 Schüler pro Tag waren bereit, für das Extra an Sauberkeit zu bezahlen.

Auch am Berufskolleg wurde der „Eintritt“ durch den Runderlass 2013 gekippt. Anders als am Martmöller, das in städtischer Trägerschaft ist, sprang beim Berufskolleg der Ennepe-Ruhr-Kreis ein. Er übernahm die Servicekraft in ein eigenes Beschäftigungsverhältnis. „Der Kreis hat das auf seine Kappe genommen“, freut sich Schulleiter Heinz Ziegler. „Wir haben jetzt eine Toilette mit einer Aufsicht, ohne dass ein Beitrag dafür bezahlt werden muss.“

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