Kultur

Wittener Ruhrbühne macht märchenhaftes Familien-Theater

Märchenhafte Gestalten bei der Ruhrbühne Witten: Andre Siepermann (li.) und Moritz Werdelmann bei der Premiere von „Das Hexenhaus im Herrenholz“.

Märchenhafte Gestalten bei der Ruhrbühne Witten: Andre Siepermann (li.) und Moritz Werdelmann bei der Premiere von „Das Hexenhaus im Herrenholz“.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Premiere bei der Ruhrbühne Witten: „Das Hexenhaus im Herrenholz“ kam bei Klein und Groß gut an. Das liegt am gewissen Etwas des Amateurtheaters.

Es ist erst ein paar Wochen her, da zeichnete die SPD die Ruhrbühne für ihr ehrenamtliches Engagement aus. Die Bürger wissen das Amateur-Theater einfach zu schätzen. Auch an diesem Premieren-Abend erscheinen viele Zuschauer, vor allem Familien mit Kindern. Denn wie jedes Jahr zur Adventszeit haben sie hier am Crengeldanz ein Märchen einstudiert.

„Das Hexenhaus im Herrenholz, oder: Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“, lautet der ellenlange Titel des Stücks. Im Mittelpunkt steht der elfjährige Torben (Jonas Schwake), der die Welt nicht mehr versteht: Alle Menschen, die er kennt, fürchten sich vor irgendetwas. Nur er selbst kennt überhaupt keine Angst. Deshalb zieht er hinaus in die weite Welt und erlebt viele Abenteuer.

Auf der Wittener Bühne tauchen Rapunzel und Rumpelstilzchen auf

Dabei tauchen mit Rapunzel, Rumpelstilzchen oder Rotkäppchen viele Figuren aus dem klassischen Märchenkosmos auf und sorgen bei den Zuschauern für Wiedererkennungseffekte. Souverän agieren die vielen jungen Darsteller auf der Bühne. Und beziehen immer wieder die auf großen Kissen vor der Bühne sitzenden Kinder in das Geschehen mit ein.

Erstmals führte Daniel Müller Regie. Er hat auch das Stück geschrieben. Und wie immer haben die Hobby-Theaterleute dafür mal wieder alles selbst gemacht, wie Müller aufzählt: von den Kostümen über die Plakate bis hin zu den Kulissen.

Wittener Theaterleute engagieren sich ehrenamtlich

„Das kann man in Zeit gar nicht bemessen“, sagt Müller über den Aufwand, den die Ehrenamtlichen stets mit Hingabe betreiben. „Es war mehr Arbeit, als ich gedacht habe.“ Doch in der über 90-jährigen Geschichte habe sich bei der Ruhrbühne viel Erfahrung angesammelt – was dem Regie-Neuling durchaus von Nutzen war. „Natürlich habe ich viele Tipps bekommen“, erzählt der 36-Jährige. Etwa von „alten Hasen“ wie Martina Ende-Bollin.

„1971 bin ich dazugestoßen“, erinnert sich die 64-Jährige. Damals stand sie regelmäßig als Schauspielerin auf der Bühne, mittlerweile habe sie sich ein wenig aus dem Betrieb zurückgezogen. Aber natürlich seien neue Theaterbegeisterte hinzugekommen – wie Tobias Haußmann, der zusammen mit seinen Eltern zur Premiere erscheint. Seine Mutter habe ihn vor 22 Jahren erstmals mit zum Wittener Amateurtheater genommen, wie sich der heute 30-Jährige erinnert: „Ich bin hier groß geworden, der Verein ist für mich wie eine Familie.“

Für viele Wittener ist die Ruhrbühne wie eine große Familie

Auch für das Publikum zähle der Zusammenhalt, den man bei den Aufführungen spüre, wie Serce Dönger sagt. Sie hat gemeinsam mit Mitarbeitern und Betreuten der Lebenshilfe einen Ausflug zur Ruhrbühne gemacht. Das sei ja schon fast Tradition zur Weihnachtszeit. Auch Xenia Kolath mag die familiäre Atmosphäre. Diesmal war die 24-Jährige besonders neugierig auf die Aufführung: „Diese Kinderstücke sind ja für Erwachsene genauso schön.“

Eine Augenweide sind dann auch die fantasievollen Kostüme, in denen die Darsteller über die Bühne huschen. Auch das Hexenhäuschen tief im Herrenholz ist liebevoll zusammengezimmert. Regisseur und Autor Daniel Müller siedelte das klassische Märchen bewusst im Waldgebiet des Ardeygebirges an. „Das war für mich wichtig, da ich immer noch einen Bezug zu Witten habe“, erklärt der Wahl-Dortmunder. An der Ruhrbühne zählt eben nicht nur Zusammenhalt, sondern auch Lokalkolorit.

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