Porträt

Wittener Ruderin widmet sich jetzt auch der Kunst

Sportiv auch beim Malen: Fabienne Andree (26) war 2005 Deutsche Meisterin im Doppelzweier. Ihre abstrakten Bilder werden jetzt in Hagen ausgestellt.

Sportiv auch beim Malen: Fabienne Andree (26) war 2005 Deutsche Meisterin im Doppelzweier. Ihre abstrakten Bilder werden jetzt in Hagen ausgestellt.

Foto: Thomas Nitsche

Witten.   Fabienne Andree war auf dem Wasser ein Ass. Auch das Malen sieht die künftige Lehrerin eher sportlich.

Fabienne Andree bückt sich zur Leinwand hinunter, die vor ihren Füßen auf dem Boden liegt. Die Leinwand ist fast so groß wie die junge Frau selbst: Die Wittenerin misst gerade mal 1,67 Meter, ist von zierlicher Statur, hat schulterlanges, blondes Haar. Sie hält einen 30 Zentimeter langen Borstenpinsel in der Hand, streckt ihn gen Leinwand und geht dabei beinahe in den Spagat. Malen ist für Andree wie eine körperliche Betätigung.

Die 26-Jährige stellt ihre Kunstwerke gerade in der Hagenring-Galerie in der Volmestadt aus. Der Hagenring zählt zu den ältesten Künstlervereinigungen Deutschlands. Hier ausstellen zu dürfen, ist für die angehende Kunst und Mathe-Lehrerin eine große Ehre. Bereits vor anderthalb Jahren hat Andree sich bei der Galerie beworben. Ihre Werke sind zusammen mit den Arbeiten ihres ehemaligen Kommilitonen Jannis Sturm noch bis zum 30. Juli in Hagen zu sehen.

Momente zu erblicken, zu durchblicken und zu hinterblicken. Das verbindet die beiden Künstler miteinander, deshalb lautet das Motto der Ausstellung: „Hinterblickt“. Sturm zeichnet nur mit Bleistift und fängt in seinen Arbeiten den Moment vor Ort ein.

Fabienne Andree geht anders vor. Sie lässt sich von Landschaftsbildern aus der Luft inspirieren. Regemäßig steigt sie mit ihrem Papa in ein Ultralight-Flugzeug. Das ist ein kleines, leichtes Luftfahrzeug, das maximal zwei Personen trägt. Motorgetrieben, mit kleinem Propeller vorne an der Nase.

„Wir fliegen damit über das ganze Ruhrgebiet“, sagt Andree. Die Künstlerin liebt besonders das Gefühl von Freiheit in der Luft. Keine Straßen, die sie aufhalten. Nur Landschaften unter ihr und Himmel über ihr. Ganz frei fühlt Andree sich auch beim Malen. „Ich höre immer laute Musik dabei. Am liebsten Sommerhits, Dancehits. Egal was. Hauptsache schnell und motivierend“, sagt die 26-Jährige mit einem mitreißenden Lachen.

„Sport und Kunst können sich sehr ähnlich sein“

Ihre Leinwände liegen auf dem Boden, während sie an ihnen werkelt. Das verhindert, dass die wässrigen Farben auslaufen. Dabei arbeitet die Wittenerin immer mindestens an zwei Bildern gleichzeitig – bis zu fünf Leinwände liegen nebeneinander, wenn sie genügend Platz hat. „Ich male sehr körperlich“, sagt Andree. Beim Malen verliere sich ihr Körper regelrecht, so die Künstlerin. Sie macht große und kraftvolle Bewegungen, wie beim Rudern. Nichts „Kleines, Fisseliges“. Das ergibt ein etwas ungewöhnliches Bild, wenn man ihr bei der Arbeit zuschaut.

Gut möglich, dass Andree mit dem Malen ihre Vergangenheit als leidenschaftliche Ruder-Leistungssportlerin ausgleicht. Vom zehnten bis zum 19. Lebensjahr war sie im Ruderclub Witten, 2005 war sie Deutsche Meisterin. Die sportliche Ader liegt in der Familie: Schon Papa Bernd war Ruder-Meister, Schwester Isabell rudert ebenfalls.

Sport und Kunst können sich sehr ähnlich sein, so die Referendarin. Sowohl beim Rudern als auch beim Malen käme es auf den Start und das Ziel an. Beim Rudern sei sie konzentriert auf den Moment, es fühle sich fast wie fliegen an. „Beim Malen interessiert mich der Prozess, wie die Farben aufeinander reagieren“, sagt Andree. Beides bringe ihr am Ende eins: Ein greifbares Ergebnis.

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