Gericht

Wittener Kioskbesitzer gibt vor Gericht Drogenhandel zu

Vor dem Landgericht Bochum muss sich ein Wittener Kioskbesitzer verantworten.

Vor dem Landgericht Bochum muss sich ein Wittener Kioskbesitzer verantworten.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Witten.  Ein Kioskbesitzer aus Witten soll nicht nur Klümpchen verkauft haben, sondern auch Drogen. Jetzt sagte der 47-Jährige erstmals vor Gericht aus.

Im Prozess um jede Menge Drogen sagte jetzt erstmals der 47-jährige Angeklagte aus. Der Wittener drückt die Anklagebank am Landgericht Bochum. In seinem Kiosk und einem Schuppen dahinter hatten Fahnder im März 1,3 Kilo Marihuana, 3,2 Kilo Amphetamin sowie 150 Ecstasy-Tabletten sichergestellt. Der Mann gab zu, mit den Drogen gehandelt zu haben.

„Wenn diese Mengen für sie persönlich waren, hätten Sie einen Vorrat für gut acht Jahre“, rechnete Vorsitzender Richter Volker Talarowski dem Angeklagten vor. Nur ein Drittel sei für den Eigenkonsum bestimmt gewesen, zwei Drittel für den Verkauf, gab der Mann zu.

Anfangs habe er nur am Wochenende gekifft, in den letzten drei Jahren dann regelmäßig. Im Alter von 18 Jahren sei er in der Technoszene auf Ecstasy gestoßen und habe ein Mal im Monat zu den Tabletten gegriffen. Erst als 27-Jähriger sei Schluss gewesen, weil er beruflich als Industriekaufmann in einer Drogeriekette sehr eingespannt war. Als der Job wegfiel, machte er sich selbstständig.

Vor fünf Jahren eröffnete der Mann seinen Kiosk, den er allein betrieb

Vor fünf Jahren eröffnete der Mann seinen Kiosk, den er allein betrieb. Da ging es wieder los mit Drogen. „Ich nahm Amphetamin zum Wachbleiben und Cannabis nach Feierabend, um wieder ruhiger zu werden“, erläuterte er den Richtern. Es sei durch das Umfeld am Kiosk zu den Drogen gekommen, die ihm angeboten worden seien. „Ich war konzentrierter durch Amphetamin und war dann im Flow“, sagte er. Er habe täglich ein bis eineinhalb Gramm durch die Nase gezogen und etwa ein halbes Gramm Marihuana geraucht.

Ein Lieferant habe ihn erst mit kleinen Mengen Drogen versorgt, später mit größeren Mengen. Die angeklagten Drogen habe erst zwei Tage vor seiner Verhaftung erhalten. Anfangs habe der Lieferant ihm gebrauchsfertiges Amphetamin gegeben, später lieferte er flüssige Ware an und der Angeklagte stellte den Stoff selbst her. Daher waren bei der Durchsuchung auch Chemikalien gefunden worden. Für die 3,2 Kilo Amphetamin habe er 2800 Euro bezahlt, für 1,3 Kilo Marihuana 4000 Euro.

Die Anklage sieht den Vorwurf des bewaffneten Drogenhandels erwiesen

Amphetamin habe er für vier Euro pro Gramm verkauft, wöchentlich 20 bis 30 Gramm. Er habe rund zehn feste Drogenkunden gehabt. „Anfangs habe ich Kollegen ein bisschen was abgegeben, später verkauft“, gestand der Mann. Neben den beschlagnahmten Drogen waren auch Pfefferspray und ein verpacktes Gewehr gefunden worden. Die Anklage sieht damit den Vorwurf des bewaffneten Drogenhandels erwiesen. Außerdem wurden mehrere Stangen unverzollter Zigaretten und rund 4000 Euro in bar sichergestellt.

Offen ist die Frage, wie ernst der eigene Drogenkonsum zu bewerten ist. Ein medizinischer Gutachter folgt dem Prozess, um die Sucht des Mannes beurteilen zu können. Möglicherweise droht die Einweisung in eine Entzugsklinik. Bislang lehnte er eine Begutachtung rigoros ab. Am Donnerstag deutete er Gesprächsbereitschaft an. Er sei möglicherweise bereit, sich von dem Arzt untersuchen zu lassen, ob er einen Drogenentzug absolvieren müsse.

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