Witten de luxe

Wittener Kaffee schmeckt nach Beeren und edler Schokolade

Dominik Münstermann (26,) Inhaber der Kaffee-Rösterei Kijamii-Kaffee an der Oberstraße in Witten, prüft die Bohnen nach der Röstung.

Dominik Münstermann (26,) Inhaber der Kaffee-Rösterei Kijamii-Kaffee an der Oberstraße in Witten, prüft die Bohnen nach der Röstung.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Die Kaffeebohnen aus der Kijamii-Rösterei in Witten sind etwas ganz Besonderes. Sie werden handgepflückt und handgeröstet. Und sie tun Gutes.

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Wer einen Latte macchiato will, ist im Kijamii-Café an der Oberstraße 4 an der falschen Adresse. Der steht dort nämlich nicht auf der Karte. Die Gäste sollen schließlich nicht nur heiße Milch, sondern den Kaffee schmecken. Denn der ist etwas ganz Besonderes: handgepflückt und handgeröstet. Das gibt den Bohnen ein ganz besonderes Aroma, das man so in Witten nicht noch einmal findet.

Kijamii-Kaffee kommt aus Tansania, er wächst im Schatten des Kilimandscharo. „Es sind zu 100 Prozent Arabica-Bohnen, die im Hochland auf etwa 1500 Metern auf vulkanischen Böden ökologisch angebaut werden“, erklärt Dominik Münstermann, Inhaber der kleinen Rösterei in der Wittener City. Der 26-Jährige gerät ins Schwärmen, wenn er von seinen Bohnen spricht. Mild seien sie und trotzdem voller Geschmack und mit vollendeter Süße. „Das liegt daran, dass sie von Hand geerntet werden, so werden nur wirklich reife Früchte gepflückt.“

Wittener Student will Lebensverhältnisse in Tansania verbessern

Münstermann weiß, wovon der spricht. Er fährt regelmäßig mehrmals im Jahr zu den beiden Kooperativen, von denen er seine Bohnen bezieht. „Durch die Reisen kennen wir die Menschen, die unseren Kaffee anbauen“, sagt er. Die persönliche Beziehung ermögliche es, ihnen einen selbstbestimmten und fairen Lohn zu zahlen. „So können wir die Lebensverhältnisse der Menschen vor Ort verbessern – denn das ist es, was ich mit meiner Initiative erreichen will“, erklärt der 26-Jährige, der eigentlich Medizin an der Uni Witten studiert.

2016 war er als Krankenpfleger vor Ort und half beim Aufbau eines OP-Trakts, als er ein Mädchen sterben sah, das versehentlich herumstehendes Pflanzenschutzmittel getrunken hatte. „Da war mir klar: So ein System will ich mit meiner Tasse Kaffee daheim nicht mehr unterstützen.“ Mit 40 Kilo Kaffee im Gepäck flog er nach Hause. So fing es an. Inzwischen hat er rund acht Tonnen Bohnen gekauft und geröstet – und ist darüber zum Kaffee-Experten geworden.

Wittener sollen den ursprünglichen Geschmack des Kaffees wiederentdecken

Er will den Wittenern den ursprünglichen Geschmack des Kaffees mit all seinen Facetten wieder näherbringen. „Kaffee ist eine Frucht – und hat als solche Säure und Süße“, sagt er. Wie bei Äpfeln gebe es verschiedene Sorten, die einen Bohnen seien mehr schokoladig-mild, die anderen eher fruchtig mit einem Aroma von Johannisbeeren. Die Unterschiede seien deutlich zu schmecken.

Denn durch die schonende Trommel-Röstung bleibe der volle Geschmack – der „Körper“ des Kaffees – erhalten. „Wir rösten die Bohnen 14 Minuten bei maximal 216 Grad“, erklärt Münstermann. Das sei etwa vier Mal so lang wie bei der industriellen Fertigung. Dort würden die Bohnen in zwei bis drei Minuten über sehr heiße Fließbänder geschickt. „Danach sind sie tot, haben viele Röstaromen und Bitterstoffe.“ Nuancen seien nicht mehr zu schmecken: „Dunkel überdeckt alles.“

Den Unterschied zum Kijamii-Kaffee erkennt auch ein Laie mit bloßem Auge: Statt schwarzer, öliger Bohnen liegen hellbraune Bohnen in den Tüten, in ihrer Mitte ist deutlich das kleine Silberhäutchen zu sehen. „Bei Industrieware ist das dunkel und verbrannt.“ Das habe nicht nur Auswirkungen auf den Geschmack, sondern auch auf die Verträglichkeit, betont Münstermann.

Unternehmen von Bochum bis Berlin und die Uni Witten lassen sich beliefern

Aber die Handarbeit hat natürlich auch ihren Preis: 8,50 Euro kosten 250 Gramm Bohnen bei Kijamii, die Kilo-Tüte schlägt mit 28 Euro zu Buche, unverpackt sind es zwei Euro weniger. Viel Geld, doch immer mehr Kunden ist der Genuss den Preis wert. Vom Studenten bis zur älteren Dame reicht die Stammkundschaft, Unternehmen von Bochum bis Berlin – auch die Uni Witten – lassen sich mit dem Kaffee beliefern. Bei Edeka in Bommern und Herbede gibt es die Tüten ebenfalls zu kaufen.

Und natürlich auch im Café in der Oberstraße. Was eigentlich nur als Rösterei mit Probier-Ausschank geplant war, hat sich seit der Eröffnung im Juni zum gut besuchten Treffpunkt für Jung und Alt gemausert. Schon am Vormittag sind viele Tische besetzt, auch Dorit Eichler gönnt sich hier gern ein Tässchen. „Glauben Sie mir: Ich war in meinem Leben schon in vielen Cafés, in vielen Ländern“, versichert die alte Dame. „Aber so einen guten Cappuccino hab ich noch nirgends getrunken. So lieblich, so aromatisch. Der brennt überhaupt nicht auf der Zunge.“

Sie bringt gerne Freundinnen mit her. Am Donnerstag war sie zum ersten Mal mit Edda Schreiber dort verabredet. Und die war auch sofort überzeugt: „Der Kaffee schmeckt wie früher bei Oma – nur noch besser.“

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