Wittener Handwerk sucht noch dringend Nachwuchs

Ob im Schreinergewerbe oder bei den Installateuren: Überall werden Auszubildende gesucht.

Ob im Schreinergewerbe oder bei den Installateuren: Überall werden Auszubildende gesucht.

Foto: DPA

Witten.  30 freie Stellen im Wittener Handwerk – wer noch keine Lehrstelle hat, kann immer noch eine finden. Manche Berufe haben jedoch ein Imageproblem.

Der Lehrstellenmarkt in Witten boomt. Trotzdem sind gerade im Handwerk aktuell noch einige Stellen unbesetzt. „Wir haben 30 freie Stellen. Davon neun für Fachverkäufer in der Konditorei, fünf als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und zwei für Frisöre“, sagt Ausbildungsberater Tobias Schmidt von der Handwerkskammer in Dortmund.

Zwar sei der Bedarf in einigen Berufen groß, so Schmidt. Allerdings habe beispielsweise das Sanitär- und Bäckereiverkäufergewerbe bei Jugendlichen kein besonders gutes Image. Das liege teils an den Arbeitszeiten, teils an den körperlichen Herausforderungen. „Es will keiner mehr mauern, keiner mehr in den Graben springen oder schweißen. Die Leute möchten einfach lieber am PC sitzen“, sagt Lothar Stracke vom gleichnamigen Wittener Tiefbauunternehmen. Das hat auch Dachdecker Waldemar Klimek festgestellt.

Viele Leute haben ein falsches Bild von dem Beruf

„Vor fünf Jahren hatte man noch Bewerbungen. Aber nach den ersten Gesprächen hat sich das meistens schnell erledigt“, sagt Klimek. „Wenn man den Leuten sagte, dass wir schon sehr früh anfangen, bei Regen und Hitze aufs Dach müssen, hatte sich das schnell erledigt.“ Auch, dass nicht alles maschinell läuft, sondern die Ziegel alle von Hand aufgelegt werden, habe manche abgeschreckt. „Viele Leute haben einfach ein falsches Bild von dem Beruf.“

Dachdeckermeister Markus Dürscheidt sieht das Problem ebenfalls. „Wir haben ja nicht nur körperliche Anstrengungen, sondern das ist auch ein hochtechnischer Beruf. Man muss sich mit Mathe und Bauphysik auskennen. Das ist nicht jedem gegeben.“ Die schulischen Voraussetzungen passten häufiger nicht, hat der stellvertretende Kreishandwerksmeister festgestellt. In manchen Gewerken liege die Abbrecherquote bei 30 Prozent. „So eine Prüfung besteht man nicht mit links. Da fallen einige durch.“ Dabei gibt es Arbeit genug. Die Auftragslage in vielen Handwerksbetrieben sei gut. „Wir können uns gar nicht erlauben, auf Nachwuchs zu verzichten“, sagt der Wittener. Auch deshalb nicht, weil immer mehr Kollegen in den Ruhestand gingen.

Anteil von Flüchtlingen im Handwerk wächst

Einen Auszubildenden hat das Bauunternehmen Wilhelm Rödiger. „Im letzten Jahr haben wir leider keinen bekommen“, so Bauleiter Rainer Nickel. Leute mit abgeschlossener Schule seien schwer zu kriegen. „Und wenn Leute mit besserem Abschluss, zum Beispiel mittlerer Reife kommen, dann kann man sie meistens schlecht halten“, hat er festgestellt. Sie würden sich nach der Lehre meistens weiterbilden, zum Beispiel zum technischen Zeichner. „Dabei verdient man im Baugewerbe gut. Daran dürfte es nicht scheitern.“

Der Anteil von Flüchtlingen unter Auszubildenden wächst. Im gesamten Kammerbezirk Dortmund waren es im vorigen Jahr 427, darunter gab es auch einige in Witten. „In diesem Jahr haben wir keine Bewerbung bekommen. Aber wir haben im zweiten Lehrjahr einen Syrer“, sagt Gerd Webelsiep von Fliesen Schlott. Der junge Mann habe zuvor bei der Firma ein Praktikum gemacht. Webelsiep: „Wir sind sehr zufrieden mit ihm. Er ist der beste Auszubildende in seinem Lehrjahr.“

Leserkommentare (12) Kommentar schreiben