Burgruine Hardenstein

Wittener genießen idyllisches Ruhrpicknick an der Burgruine

Gut 300 Gäste kamen zum Ruhrpicknick an der Burgruine Hardenstein

Gut 300 Gäste kamen zum Ruhrpicknick an der Burgruine Hardenstein

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Es war ein recht gelungener Probelauf. Gut 300 Gäste kamen zum ersten Ruhrpicknick an der Burgruine. Einige fühlte sich dabei wie auf Ibiza...

„Hallooo“, schreit Hans Dieter Radke in der Manier eines Platzwartes quer durch die Burgruine Hardenstein, übertönt dabei die dumpfen Bässe der DJs. „Habt ihr das Schild nicht gelesen?“ Henry Lorenz schreckt kurz auf, sieht seinen Fehler aber schnell ein: Klettern ist auf der Ruine verboten. Der 13-Jährige aus Dormagen kommt mit seiner Mutter Sasi Schwartze und Kumpel Christian Brotesser gerade von einer Klettersession im Muttental. Die drei sind zufällig zur ersten Auflage des „Ruhrpicknicks“ auf die Burgruine gestoßen – eine gemeinsame Aktion des Stadtmarketings mit den Burgfreunden Hardenstein.

Deren Vorsitzender Hans Dieter Radke sieht das Ruhrpicknick mit Currywurststand, drei DJs, Disco-Musik und bunten Wimpelfahnen in erster Linie als einen Test. „Auf Dauer soll das hier keine Kirmes werden. Die Ruine steht unter Denkmalschutz.“ Entsprechend vorsichtig möchte der „Burgvogt“ derartige Events dosieren. Kein Wunder, dass Events und Aktionen rund um die Burgruine bisher kaum stattgefunden haben. Einmal im Jahr gibt es Aktionen zum Tag des offenen Denkmals, alle fünf Jahre zudem ein Burgfest, mehr nicht.

„Es ist eine schöne Kulisse, aber natürlich auch ein sensibler Ort“

Das Stadtmarketing Witten erkennt den dennoch hohen Touristendruck und ist wohl daran interessiert, ein solches „Picknick“-Event auch längerfristig zu etablieren. Veranstaltungsmanager Thomas Schmidt: „Es ist eine schöne Kulisse, aber natürlich auch ein sensibler Ort. In den nächsten Wochen wird es dazu noch weitere Gespräche geben.“ Die Idee kommt gut an bei den Besuchern. Insgesamt zwischen 350 bis 400 Besucher seien im Laufe des Tages gekommen, schätzt Schmidt. Hans Dieter Radke beziffert die Besucherzahl auf 250 bis 300 Leute.

Die machen es sich auf Picknickdecken gemütlich und haben nicht selten auch die ein oder andere gekühlte Flasche Wein mit im Gepäck. So zumindest Heinz und Silke Thiemann und Susi Rabe, die sich noch mehr Resonanz für die Aktion gewünscht hätten. „Wir fühlen uns hier wie auf Ibiza, nur ohne Sonne“, schwärmen die drei. Viel Freude am Picknick hat auch Familie Born, die wie die meisten Besucher mit der Fähre über die Ruhr gekommen ist. Marco, Maria, Louis und Phillip finden die Veranstaltung schön und wollen sich vor allem durchs Wetter nicht beeindrucken lassen.

„Die Leute denken, das sei eine Spiel- und Kletterburg hier“

Mittendrin: Burgherr und Vorsitzender der Burgfreunde, Hans Dieter Radke. Im Ehrenamt kümmert er sich mit seinen Mitstreitern um die Erhaltung, Pflege und Restaurierung der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Burg. Regelmäßig muss er sich mit Vandalismus herumärgern, erst vorige Nacht sei wieder ein Stein aus der Fassade gehebelt worden – mutwillig. „Die Leute denken, das sei eine Spiel- und Kletterburg hier.“ Was Radke besonders ärgert: die seiner Meinung nach fehlende Anerkennung der Stadt für die Arbeit des Vereins. „Wir wissen, dass die Stadt kein Geld hat. Aber zumindest eine ideelle Unterstützung wünschen wir uns ab und an. Bisher haben wir als Verein noch keine kommunale Wertschätzung erfahren.“ Die Stadt leere die Mülltonnen bei der Ruine – das sei es dann aber auch schon gewesen, kritisiert Radke.

Umso mehr sieht er das „Ruhrpicknick“ als „Win-win-Situation“. Während der Verein Platz und Strom zur Verfügung stellt, kümmert sich das Stadtmarketing um Logistik, Verpflegung und die DJs. Um die 1000 Euro seien dem Stadtmarketing an Kosten entstanden – ohne Freundschaftspreise und teils kostenfreies Engagement wäre das nicht möglich gewesen, betont Thomas Schmidt. Die Einnahmen gehen an die Burgfreunde Hardenstein zur Instandhaltung der Ruine.

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