Kultur

Wittener Galerie Himmelstropfen droht bald das Aus

Die Galerie Himmelstropfen an der Geschwister-Scholl-Straße in Annen muss vielleicht bald schließen.

Die Galerie Himmelstropfen an der Geschwister-Scholl-Straße in Annen muss vielleicht bald schließen.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Die Galerie Himmelstropfen in Annen muss vielleicht schließen. Nur einer von ehemals drei Künstlern hält die Stellung. Doch es gibt Hoffnung.

Da war es nur noch einer: Frank Schlawin (75) ist der letzte Künstler, der in der Galerie Himmelstropfen noch die Stellung hält. Findet er keine neuen Mitstreiter, dann droht dem schon fast alteingesessenen Kulturort in Annen Ende Dezember das Aus. Der Mietvertrag ist bereits gekündigt. Seit einem Jahr tut sich dort nicht mehr viel.

Zuletzt hatte Schlawin die Räume an der Geschwister-Scholl-Straße 3 gemeinsam mit Jonas Heinevetter und Vivian Knoth gemietet. Heinevetter (40) war von Anfang an dabei, als das leerstehende Ladenlokal vor etwa zwölf Jahren mit neuem Leben gefüllt werden sollte. Schon länger war klar, dass er der Galerie den Rücken kehren wollte. Nicht, weil es ihm dort nicht gefiel – im Gegenteil.

„Es wäre schade, wenn es die Galerie nicht mehr gäbe“

„Es wäre schade, wenn es die Galerie nicht mehr gäbe. Das hat da total Potenzial“, sagt er. Doch für ihn persönlich gelte: „Ich erwirtschafte keinen Profit mit dem Atelier dort und kümmere mich um meine eigene künstlerische Arbeit lieber zuhause.“

Vivian Knoth (48) hat sich Ende letzten Jahres vom Himmelstropfen getrennt, auch aus Platzgründen. Sie engagiert sich nun ein paar Meter weiter in der Galerie „eigenartich“ von Birgit Wewers sowie im Verein „Kreativquartier“, der das Viertel rund um die Bebelstraße aufhübschen möchte.

„Wir haben ein Stück Kunstgeschichte geschrieben“

Frank Schlawin fände es „äußerst bedauerlich“, wenn es die Galerie nicht mehr geben würde. „Wir haben ein Stück Kunstgeschichte für Witten geschrieben“, sagt er. Nicht nur Ausstellungseröffnungen – auch mit Künstlern aus anderen Städten – hat das Trio organisiert. Schlawin erinnert besonders an das etwas andere Format „Sonntagstropfen“.

Acht solcher Veranstaltungen hat es gegeben, bei denen Künstler sich in direktem Dialog mit dem Publikum auseinandersetzten. „Wir hatten sehr kunstsinnige, aber nicht elitäre Besucher hier.“ Den Menschen aus dem Quartier vor allem wollte die Galerie Zugang zur Kunst verschaffen. Auch am Kunstlichterfest hat sich der Himmelstropfen beteiligt.

Auch ein Neustart mit anderem Namen und Konzept wäre möglich

„Es wäre schön, wenn wir weitermachen könnten“, so Frank Schlawin. Er würde nach wie vor seinen finanziellen Beitrag leisten, auch mit Rat und Tat zur Seite stehen. Doch wolle er sich mit seinen 75 Jahren nun auf die Malerei konzentrieren. Die etwa 90 m² großen Räume der Galerie würden Künstlern eine tolle Perspektive in schönem Ambiente bieten, wirbt Schlawin. Aber auch ein Neustart mit anderem Namen und Konzept sei natürlich möglich.

Anfragen habe es durchaus gegeben. Auch der Verein Kreativquartier habe sich bemüht, wieder Leben in die Galerie zu bringen, so Vivian Knoth. Eine mögliche Alternative: ein Café, in dem es leckeren Kuchen und guten Kaffee gibt. Das ist der größte Wunsch der Kreativen. Seit etwa zwei Jahren sind sie schon auf der Suche nach geeigneten Räumen. Eine Mischform von Café und Begegnungsstätte sei ebenfalls vorstellbar. In den letzten Wochen hätten entsprechende Gespräche Fahrt aufgenommen, mehr wolle man aber nicht vorwegnehmen.

Der bislang noch etwas düsteren Zukunft der Galerie Himmelstropfen zum Trotz ist das Viertel rund um die Bebelstraße auf einem guten Weg. Gerade erst hat wieder ein neuer Laden eröffnet: Bei „Wohnklunker“ in Haus Nummer 17 gibt es nun Deko fürs Haus und spezielle Kreidefarben.

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