Schicksal

Wittener Frühchen: In fünf Jahren von 460 Gramm auf 16 Kilo

„Hurra, ich bin endlich fünf Jahre alt“: Louis Goralski kam am 25. November 2014 als Frühchen im Wittener Marien-Hospital zur Welt.

„Hurra, ich bin endlich fünf Jahre alt“: Louis Goralski kam am 25. November 2014 als Frühchen im Wittener Marien-Hospital zur Welt.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Frühchen Louis hat bei der Geburt in Witten 460 Gramm gewogen. Die Redaktion besuchte das Fliegengewicht von einst fünf Jahre später und staunte.

Freudestrahlend hält Louis die Hand nach oben, alle fünf Finger ausgestreckt. „So alt bin ich geworden“, sagt der kleine Junge aus Heven. Sein Geburtstag ist alle Jahre wieder ein besonderes Fest. Denn nach der Geburt hing sein Leben wochenlang am seidenen Faden. Mit gerade mal 460 Gramm war er als Frühchen im Wittener Marien-Hospital zur Welt gekommen.

Inzwischen besucht Louis die Kita Wannen der Lebenshilfe. Nach stundenlangem Toben und Spielen sitzt der Fünfjährige jetzt ein bisschen müde zuhause in der Sofaecke und kuschelt mit Schnuffi, seinem Lieblingsstofftier.

„Das hatte er schon im Brutkasten. Da war das Nilpferd noch größer als er“, sagt Mama Nadine Goralski. Die Erinnerung an die schwere Zeit überfällt sie gerade in diesen Tagen wieder. Denn die 31-Jährige ist schwanger und in der 24. Woche.

31-jährige Wittenerin ist wieder schwanger und fühlt sich gut

Es ist genau die kritische Phase, in der eine Fachärztin damals festgestellt hat, dass eines der Kinder viel zu klein ist und die Jungen deshalb sofort auf die Welt geholt wurden. Denn Nadine Goralski war mit Zwillingen schwanger. Louis’ Bruder Levin, der mit 242 Gramm geboren wurde, hat es trotzdem nicht geschafft. Er starb drei Wochen später. Doch jetzt, lächelt die Wittenerin ihre Ängste weg, sei alles in Ordnung. Mit dem ihr eigenen Optimismus sagt sie: „Wir haben’s einfach gewagt. Ich fühle mich wohl. Es wird schon gut gehen.“

Louis bekommt nun also Ende März ein neues Brüderchen. Mattheo soll es heißen. Inzwischen hat sich der Fünfjährige an den Gedanken gewöhnt, dass es kein Mädchen wird, wie er und sein Papa es sich ursprünglich gewünscht hatten. Dass der Bruder bald kommt, „erzählt er schon ganz stolz überall rum“, sagt die Mama.

Der kleine Wittener zockt die Mama beim Spielen ab

Ein Viertelstündchen hat sich Louis vom Kita-Alltag ausgeruht. Jetzt kann er wieder ordentlich aufdrehen. Auf seinen mit Totenköpfen gemusterten Socken – das Motiv liebt er – flitzt der Junge zwischen Kinder- und Wohnzimmer hin und her. Die Geschenke von der Geburtstagsfeier mit der Familie am letzten Montag stapeln sich noch neben dem Sessel. Playmobil-Sachen sind darunter, eine gebastelte Krone, ein Monopoly für Kinder. „Louis zockt mich immer beim Mensch-ärgere-dich-nicht ab“, sagt Nadine Goralski. Oder beim Mau-Mau. „Da beweist er ordentlich Ausdauer.“

Auch sonst hat sich der Blondschopf gut entwickelt. 16 Kilo wiegt er jetzt und ist fast einen Meter groß. was zwar zu klein sei für sein Alter. Doch die Eltern sind schließlich beide keine Riesen. Louis bringt andere gerne zum Lachen, kann aber auch liebevoll trösten. Seiner Mama hat er die Tränen weggewischt, als deren Mutter – seine Lieblingsoma Helga – vor zwei Jahren gestorben ist.

Louis wird auch in der Kita Wannen der Wittener Lebenshilfe gefördert

Förderung sei trotzdem nach wie vor wichtig, sagt Nadine Goralski. Deshalb haben sie und ihr Mann sich dafür eingesetzt, dass der entsprechende Antrag bei der Lebenshilfe erneut bewilligt wird. Es hapert noch ein wenig mit der Feinmotorik. Louis habe Schwierigkeiten, einen Stift richtig zu halten oder einen Kreis zu malen. Einmal in der Woche macht er außerdem Motopädie-Übungen in der Kita. Da lernt er zum Beispiel Treppensteigen, ohne sich festzuhalten. Zusätzlich wird er heilpädagogisch und physiotherapeutisch betreut.

Deutlich verbessert habe sich seine Fußfehlstellung. Statt wie bisher so genannte Orthesen, die seine Beine stützten, muss Louis nur noch Einlagen tragen. Weil er als Folge der Beatmung im Brutkasten auf dem linken Auge fast blind war, hat er zwar schon lange eine Brille. Doch auch da vermeldet Nadine Goralski Erfolge. „Die Sehkraft hat sich erhöht. Er muss nur noch vier Stunden pro Tag ein Augenpflaster tragen.“

Nadine und Sebastian Goralski sind geduldig mit ihrem Erstgeborenen. Trotzdem beherzigen sie den Rat der Ärzte: „Packen Sie Louis bloß nicht in Watte.“ Deshalb wird er seinen fünften Geburtstag an diesem Samstag auch noch mit gleichaltrigen Freunden feiern. Torte und Topfschlagen inklusive.

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