Lebensmittelrettung

Wittener Foodsharing-Gruppe zieht sich vorerst zurück

Im Mai 2018 war der „Leckere Lothar“ an der Steinstraße noch gut gefüllt.

Im Mai 2018 war der „Leckere Lothar“ an der Steinstraße noch gut gefüllt.

Foto: Barbara Zabka

Der „Leckere Lothar“ im Wiesenviertel macht eine Pause – weil das Veterinäramt kontrollierte. Offenbar wurden die Lebensmittel-Retter gemeldet.

Im „Leckeren Lothar“ verschenkte die Wittener Foodsharing-Gruppe seit 2016 Karotten, Bananen oder Brot, das andernfalls im Müll gelandet oder schlecht geworden wäre. Doch der Fahrradanhänger mit dem witzigen Namen ist seit mehreren Wochen aus der Steinstraße verschwunden. Der Grund: Lebensmittelkontrolleure haben die Foodsharer besucht und dort mehrere Mängel festgestellt.

Wer einen Sack Kartoffeln vor dem Urlaub nicht mehr aufbrauchen konnte oder zu viel Lauch für die Gemüsesuppe gekauft hatte, konnte seine Lebensmittel gratis in dem Anhänger im Wiesenviertel anbieten. Für die Lebensmittel-Retter war das Ganze eine Übergabe von privat zu privat, Haftung für schlechte Ware wurde nicht übernommen. So wird es auch in anderen Städten praktiziert.

Keine Allergenkennzeichnung

Dass gerade die Wittener vom Veterinäramt kontrolliert wurden, liegt offenbar daran, dass die Verteilerstelle von einem Anwohner bei der Kreisverwaltung gemeldet wurde. Laut Kreissprecher Ingo Niemann ist es das erste Mal gewesen, dass das Veterinäramt zu einer Foodsharing-Gruppe ausrücken musste. „Bei der Kontrolle ist dann Verschiedenes aufgefallen“, so Niemann.

Etwa habe eine Allergenkennzeichnung gefehlt – bei Getreideprodukten wie Brot eine Pflicht. „Außerdem wurde uns kein Hauptverantwortlicher für die Verteilerstelle genannt“, teilte Niemann mit. „Wenn so ein Anhänger hier Tag und Nacht offen ist, dann ist auch Manipulation denkbar. Da schwimmt eine gewisse Verantwortung mit.“

Ins Private zurückgezogen

Eine offizielle Untersagung gibt es vom Kreis trotz der Probleme aber nicht. „Die Initiatoren haben das Projekt nach dem Gespräch mit uns erst einmal freiwillig eingestellt“, so Niemann. Man sei nun im Austausch mit den Foodsharern, um eine gute Zukunftslösung zu finden. „Denn die Überlegung, wie man noch genießbare Lebensmittel an den Mann bringen kann, ist grundsätzlich erst einmal positiv.“

Die Foodsharing-Gruppe möchte sich erst einmal nicht zu der aktuellen Lage äußern. Man habe sich mit dem Tausch von Lebensmitteln nun vorerst ins Private zurückgezogen.

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