Serie "Stolpersteine"

Wittener erlitt schwerste Misshandlungen im „Tränenkeller“

Christian Bliemetsrieder auf einem zeitgenössischen Foto. Er wurde von den Nazis so schwer misshandelt, dass er Hirnverletzungen erlitt, erblindete und 1938 an den Folgen der Quälereien starb.

Christian Bliemetsrieder auf einem zeitgenössischen Foto. Er wurde von den Nazis so schwer misshandelt, dass er Hirnverletzungen erlitt, erblindete und 1938 an den Folgen der Quälereien starb.

Foto: Sammlung Stadtarchiv, Repro: Jörg Fruck

Witten.   Christian Bliemetsrieder starb mit 32 Jahren an den Folgen der Quälereien durch die Nazis. Er stand ganz oben auf der Liste ihrer politischen Gegner. An Bliemetsrieder erinnern wir in unserer Serie „Stolpersteine“.

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Auch in Witten begann 1933 direkt nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten die Verfolgung ihrer politischen Gegner. Nach dem Reichstagsbrand wurden am 28. 2. 1933 28 Mitglieder der Wittener KPD verhaftet, schreibt der Wittener Historiker Ralph Klein in seinem Aufsatz „..war ich drei Tage lang eine lebende Zielscheibe.“

Zu diesen Opfern der Nazis gehörte auch der damals 27 jährige Kommunist Christian Bliemetsrieder. Der in Gedern geborene Bliemetsrieder hatte nach der Volksschule eine Schlosserlehre absolviert. Ab 1925 arbeitete er als Lkw-Fahrer. 1927 wurde er erwerbslos und hielt sich mit Hilfsarbeiten über Wasser, so als Steineklopfer und als Lokführer beim Bau der Herbeder Ruhrbrücke. Im gleichen Jahr hatte Christian Bliemetsrieder seine Frau Martha geheiratet. Er wohnte mit ihr in der Körnerstraße.

Dort kam der Sohn Christian zur Welt, vier Jahre später die Tochter Sonja und 1937 das letzte Kind, Herbert. Zu dieser Zeit lebte die Familie bereits in einer Behelfswohnung in Heven, da der erwerbslose Christian Bliemetsrieder die Wohnung nicht mehr hatte bezahlen können.

In den zwanziger Jahren war Christian Bliemetsrieder der KPD beigetreten. Auch in mehreren anderen Organisationen wurde er aktiv. So war er Leiter der Schalmeienkapelle des Antifaschistischen Kampfbundes Witten und auch einer der wichtigsten Aktivisten der Erwerbslosenbewegung in Witten. Die Nazis hatten ihn ganz oben auf ihrer Liste der politischen Gegner.

Im Februar 1933 wurde Christian Bliemetsrieder zum ersten Mal verhaftet und für einige Tage im „Tränenkeller“ in „Schutzhaft“ genommen, bevor er ins Polizeigefängnis Bochum überstellt wurde. Die Wittener SS hatte von der Stadt Witten einen Flügel des damaligen Lyzeums, der Schillerschule gemietet, um dort eine SS-Wache einzurichten. Dort wurden politische Gegner der Nazis eingesperrt und brutal misshandelt. Über 50 der dort gequälten Opfer aus SPD und KPD sind namentlich bekannt. Die SS-Wache, in der auch SA-Trupps ihr Unwesen trieben, wurde unter dem Namen „Tränenkeller“ bekannt.

Nach Hinrverletzung erblindet

Aus dem Polizeigefängnis Bochum entließen die Nationalsozialisten Christian Bliemetsrieder erst im Juni 1933, verhafteten ihn aber einige Tage später erneut und verschleppten ihn wiederum in die Schiller-Schule.

Aus den Unterlagen des von seiner Frau Martha nach dem Krieg angestrebten Wiedergutmachungsverfahrens geht hervor, welche Grausamkeiten Bliemetsrieder durch die SA zu erdulden hatte. In einer Dachkammer der Schule wurde er nicht nur erneut brutal verprügelt, er musste es auch ertragen, dass einer der Nazis so tat, als werde er ihn und die anderen in der kleinen Kammer Festgehaltenen erschießen. Obwohl er dieses Mal lediglich für etwa zwölf Stunden im „Tränenkeller“ festgehalten worden war, wurde er so schwer misshandelt, dass er dauernde gesundheitliche Schäden davon trug und psychisch erkrankte. Bliemetsrieder war stark traumatisiert und geistig zeitweilig vollkommen abwesend.

Als Folge der erlittenen Misshandlungen trug Christian Bliemetsrieder eine Hirnverletzung davon. Weihnachten 1933 erblindete er. In den folgenden Jahren musste er wegen der Hirnverletzung immer wieder stationär im Krankenhaus behandelt werden. Christian Bliemetsrieder starb schließlich am 7. August 1938, fünf Jahre nach den im „Tränenkeller“ erlittenen Torturen.

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