Diesel-Nachrüstung

Wittener Diesel-Nachrüster rechnet mit baldiger Zulassung

Vorstandsmitglied Stefan Beinkämpen zeigt das in einen Passat eingebaute Nachrüstsystem.

Vorstandsmitglied Stefan Beinkämpen zeigt das in einen Passat eingebaute Nachrüstsystem.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Die Wittener Firma Baumot wartet auf die Zulassung für ihr Nachrüstsystem für Euro-5-Diesel. Sie wäre damit der zweite Hersteller bundesweit.

Schon lange liegt in den Schubladen des Katalysator-Spezialisten Baumot die Lösung für die Diesel-Krise. Die in Witten ansässige Entwicklungsabteilung des Unternehmens hat unter anderem ein Nachrüstsystem für Euro-5-Pkws entwickelt, das deren Stickoxid-Ausstoß um bis zu 94 Prozent verringern kann. Nun steht das Unternehmen offenbar kurz davor, für sein System eine allgemeine Betriebserlaubnis vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) zu erhalten – und könnte dann endlich in die Serienproduktion starten. Als bundesweit zweiter Hersteller.

„Wir rechnen damit, dass wir in zwei bis drei Wochen das Okay vom KBA bekommen“, sagt Stefan Beinkämper, Technikchef der Baumot-Gruppe. Ende Juli hatte das Bundesamt das erste System für Dieselnachrüstungen an Pkws genehmigt. Die Nachrüstlösung des Anbieters Dr Pley passt allerdings nur in Volvo-Fahrzeuge. Das System von Baumot ist hingegen für die meisten gängigen Modelle der VW-Gruppe optimiert, also auch für Fahrzeuge der Marken Audi und Skoda. Bis zu 137.000 Fahrzeuge könnte das Unternehmen nach Einschätzung seines Technikchefs in den nächsten drei Jahren nachrüsten.

Kernstück ist ein elektrisch beheizter Verdampfer

Kernstück des BNOx-Systems, wie sich die Technik zur deutlichen Senkung der Stickoxide nennt, ist ein elektrisch beheizter Verdampfer. Dieser erhitzt das zugefügte AdBlue, eine Wasser-Harnstoff-Mischung. So setzt die Reinigung nicht erst dann ein, wenn der Motor warm ist, sondern bereits vom ersten Kilometer an. Für gewöhnlich wird der Harnstoff flüssig eingespritzt und wird erst durch die Hitze der Abgase zersetzt.

Schon im Sommer 2017 hatte Baumot, das damals noch Twintec hieß, seinen Stickoxid-Katalysator vorgestellt und in ein Testfahrzeug, einen VW Passat mit 1,6-Liter-Motor (Baujahr 2014), eingebaut. Doch erst Anfang diesen Jahres veröffentlichte das Bundesverkehrsministerium eine Richtlinie mit den technischen Vorschriften für die Nachrüstung von älteren Diesel-Modellen. „Das ist in etwa so, wie wenn sie bei einem Hochspringer die Latte erst auflegen, nachdem er abgesprungen ist“, sagt Vorstandsmitglied Beinkämpen. Das in Witten entwickelte System wurde daraufhin auf diese spezifischen Vorgaben hin nachjustiert. „Wir haben bis Anfang Juli alle erforderlichen Prüfungen beim TÜV abgelegt. Jetzt liegt es nicht mehr in unserer Hand“, so der Diplom-Ingenieur.

Mehrkosten von etwa einem Cent pro Kilometer

Die Bundes-Richtlinie besagt etwa, dass nachgerüstete Autos im realen Fahrbetrieb weniger als 270 Milligramm Stickoxide (NOx) pro Kilometer ausstoßen müssen. Der Test-VW von Baumot kommt auf gerade einmal 134 Milligramm im Stadtbetrieb. „Durch die Nachrüstung darf der Kraftstoffverbrauch auch um nicht mehr als sechs Prozent steigen. Wir haben fünf“, sagt Beinkämpen. Nach seinen Berechnungen kommen auf Fahrzeug-Halter nach einem Umbau Mehrkosten von etwa einem Cent pro Kilometer zu, für Sprit und den AdBlue-Zusatz. Für letzteren muss im Fahrzeug auch ein zusätzlicher Tank verbaut werden, zum Beispiel in der Ersatzrad-Mulde im Kofferraum.

2400 Euro soll das Baumot-System kosten, zuzüglich Mehrwertsteuer und Einbau. Im November 2018 haben Daimler und VW zugesagt, bis zu 3000 Euro für die Nachrüstung älterer Diesel zu zahlen. Allerdings nur für Euro-5-Diesel und in den Städten, in denen Schadstoff-Grenzwerte besonders stark überschritten werden. Andere Hersteller wie BMW verweigern sich noch.

Baumot steht indes in den Startlöchern. „Wir sind vorbereitet“, sagt Beinkämpen. Zwar habe man noch keine Verträge mit Zulieferern geschlossen, aber bereits Gespräche geführt. Sobald die Betriebserlaubnis vom KBA erteilt ist, könne die Produktion zeitnah starten. „Ende September könnten dann bereits die ersten Werkstätten den Nachrüstsatz erhalten und einbauen“, schätzt Beinkämpen.

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