Naturfreibad

Wittener CDU startet neuen Anlauf fürs Schwimmen in der Ruhr

Auch ohne Naturfreibad nutzen immer wieder Schwimmer die Ruhr zum Baden.

Auch ohne Naturfreibad nutzen immer wieder Schwimmer die Ruhr zum Baden.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Ein Experte vom Ruhrverband hat der CDU die Voraussetzungen für ein Freibad an der Ruhr erklärt. Generelle Hindernisse für Witten sieht er nicht.

Die CDU wird einen neuen Anlauf für ein Naturfreibad an der Ruhr starten. Dass das Projekt realisierbar ist, davon ist sie nach einem Vortrag von Prof. Norbert Jardin mehr denn je überzeugt. Der Technische Vorstand des Ruhrverbands hatte Vertretern der Partei erklärt, welche Voraussetzungen für das Baden im Fluss erfüllt sein müssen und dabei keine generellen Hindernisse für eine Genehmigung in Witten genannt.

Drei Voraussetzungen müssten für ein Naturfreibad erfüllt sein, so Jardin. An erster Stelle nannte der Flussgebietsmanager die Wasserqualität. Die habe sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Die Untersuchungen in Essen, wo das Schwimmen seit 2017 wieder erlaubt ist, hätten überraschende Erkenntnisse gebracht: Die zulässige Belastung mit Kolibakterien sei in der Badesaison 2017 nur an zehn Tagen überschritten worden, 2018 waren es vier Tage und in diesem Jahr sogar nur ein Tag. Natürlich sei eine Keimbelastung nicht ganz auszuschließen. „Ja, es gibt die Gefahr zu erkranken“, so der Experte. „Aber das Risiko ist überschaubar – Autofahren ist gefährlicher.“

Problematisch seien Tage mit starken Regenfällen, durch Überlauf der Kanalisation kämen dann Keime in den Fluss. Daher würden die Niederschlagsmengen genau gemessen, ein Frühwarnsystem stelle dann sicher, dass das Baden bei viel Regen rechtzeitig verboten wird. Dieses System arbeite sehr zuverlässig und könne leicht auch auf andere Städte übertragen werden. Jardin: „Der Aufwand wäre überschaubar.“

Die Messung der Wasserqualität ist ein Service des Ruhrverbandes

Die Messung der Wasserqualität sei ohnehin ein Service des Ruhrverbandes. „Wir bräuchten aber ein Jahr Vorlauf um zu messen, wie die hygienische Situation vor Ort ist – das kann sich von Stadt zu Stadt unterscheiden.“ Tendenziell sei die Wasserqualität in fließenden Gewässern zwar schlechter als in ruhenden, wie dem Baldeneysee etwa. Jardin: „Schlechter – aber nicht kritisch.“

Zweite Voraussetzung: Es müsse eine geeignete Stelle gefunden werden. Eine, an der erstens keine Abwässer eingeleitet werden und die auch keine Gefahren wie Schiffsverkehr oder Strömung birgt. „Das bedarf einer eingehenden Analyse“, so der Professor. Die Badestelle könne ein abgegrenzter Bereich sein – egal ob 20 oder 200 Meter lang. Die DLRG habe das Projekt in Essen kritisch, aber wohlwollend begleitet. „Mit Überraschung habe ich gesehen, dass hier in Witten ein ganz anderer Zungenschlag herrscht.“

Und schließlich brauche es einen Kümmerer. In Essen sei das der Pächter des Naturbades, es seien aber auch andere Konstellationen denkbar. Ein Bademeister, der permanent das Schwimmen überwacht, sei nicht zwingend nötig, versicherte Jardin, eine Bewirtschaftung schon. Schließlich müsse sichergestellt werden, dass Badeverbote angezeigt werden und die Badestelle gepflegt werde. Das könne nicht der Ruhrverband übernehmen. „Wir sind nicht der Betreiber, nur der Ermöglicher.“

„Um dieses Projekt müsste sich die Kommune eigentlich reißen“

Mit dieser positiven Botschaft will die CDU nun erst mit ihrem Bündnispartner SPD sprechen und dann die Stadt überzeugen, das Baden in der Ruhr doch noch zu ermöglichen. „Denn die tut sich bislang sehr, sehr schwer“, so Jan Herbrechter von der Jungen Union, die den Ruhrverbands-Experten eingeladen hatte. Dabei werde ein Naturfreibad die Wohn- und Lebensqualität in Witten erheblich verbessern und Menschen in die Stadt bringen. Herbrechter: „Um dieses Projekt müsste sich die Kommune eigentlich reißen.“ Auch die Bemühungen anderer Städte wie Bochum und Mülheim zeigten, dass das Schwimmen in der Ruhr von vielen gewollt sei.

Jetzt gehe es darum, eine geeignete Stelle in Witten zu finden. Die Suche könne aber mit der geplanten Renaturierung verbunden werden, so Ratsmitglied Simon Nowack. Durch eine entsprechende Ufergestaltung könnten Strömung und Strudel im Bereich der Badebucht verhindert werden. Bis Mai habe man Zeit bei der Verwaltung „die dicken Bretter zu bohren“. Wenn dann mit der Messung begonnen werde, könnte es vielleicht schon 2021 mit dem Naturfreibad etwas werden. Nowack: „Nach diesem Vortrag bin ich optimistisch.“

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