Günnemann Kotten

Wittener Bürgerverein hat den Günnemann-Kotten ersteigert

Der Verein hat es geschafft: Wilhelm Bernhard Kloke, Marc Junge, Jürgen Klotzki, Wolfgang Römer, Sabine Braun-Wischinski, Marcel Kühnen und Rainer Löker freuen sich, dass sie den Günnemann-Kotten kaufen konnten.

Der Verein hat es geschafft: Wilhelm Bernhard Kloke, Marc Junge, Jürgen Klotzki, Wolfgang Römer, Sabine Braun-Wischinski, Marcel Kühnen und Rainer Löker freuen sich, dass sie den Günnemann-Kotten kaufen konnten.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Der Wittener Verein „Günnemann Kotten“ hat das denkmalgeschützte Haus für 209.000 Euro ersteigern können. Es gab einen spannenden Bieterkampf.

Der „Verein zur Rettung des Günnemann Kotten“ hat es geschafft. Am Freitag (22.11.) konnte er sich gegen vier weitere Interessenten durchsetzen und das denkmalgeschützte Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert nach einem spannenden Bieterkampf im Amtsgericht ersteigern. Beim Zuschlag wurde Jubel laut. Doch die Freude ist nicht ungetrübt. Stolze 209.000 Euro muss der Verein für den Kotten in Rüdinghausen auf den Tisch legen. Und die mit 725.000 Euro veranschlagte Sanierung hat damit noch nicht einmal begonnen.

Die Anspannung war dem Vereinsvorsitzenden Marc Junge vor der Zwangsversteigerung deutlich anzusehen. Rund 40 Zuschauer waren in den Gerichtssaal gekommen. Wer von ihnen würde mitbieten? Und vor allem: Wie hoch würden die Gebote gehen? „Wir haben wenig Hoffnung“, hatte Junge zuvor noch gesagt. Zu viele Interessierte und Investoren hätten sich das 6300 m² große Grundstück mit dem halb-verfallenen Haus in den letzten Wochen angesehen.

Verein setzt sich seit 15 Jahren für den Erhalt des Kottens in Witten-Rüdinghausen ein

Für den Verein stand viel auf dem Spiel. Seit rund 15 Jahren setzt er sich dafür ein, den Kotten zu erhalten und zu einem Begegnungszentrum mit Heimatmuseum umzubauen. Es blieb nicht dabei, nur Pläne zu schmieden. Als klar wurde, dass das Fachwerkhaus zu verfallen drohte, ging der Verein in die Offensive – und in der Nachbarschaft Klinken putzen. 2016 wurde eine Leih- und Schenkgemeinschaft auf die Beine gestellt. 25 Anwohner verpflichteten sich darin, dem Verein fünf Jahre lang 25 Euro im Monat zu spenden, damit der das älteste Haus Rüdinghausens übernehmen kann.

Doch das Gebäude gehörte einer Erbengemeinschaft, ein Kauf war nicht so einfach möglich. Schließlich gelang es Junge und dem Verein, selbst Anteile zu erwerben. Damit konnten sie die Zwangsversteigerung beantragen. Allerdings: Zwar sind dem Verein Zuschüsse für die Sanierung in Aussicht gestellt, doch den Kauf musste er zuvor selbst bewerkstelligen. Dafür wurden in den letzten Wochen noch einmal verstärkt Spenden gesammelt.

Die Schmerzgrenze für den Verein lag bei genau 209.970 Euro

In einer letzten Sitzung haben die Mitglieder am Abend vor der Zwangsversteigerung festgelegt, wie viel von dem Vermögen nun fürs Haus geboten werden kann. „Ich war für 140.000 Euro, aber ich wurde überstimmt“, sagt Schatzmeister Wilhelm Bernhard Kloke. Tatsächlich lag die festgelegte Schmerzgrenze dann bei 209.970 Euro.

„209.000 Euro war mein letztes Gebot, danach wären wir ausgestiegen“, versicherte Vorsitzender Marc Junge, der sein Glück selbst noch gar nicht fassen konnte, nach der Versteigerung. Doch die letzten beiden Mitbieter, ein Ehepaar und eine Sanierungsfirma, waren da schon raus. „Das ist mir zu teuer“, winkte der Unternehmer, der sich auf Denkmalschutz spezialisiert hat, ab. Er hätte den Kotten gerne saniert „und dann vermutlich vermietet“.

Ob es für den Verein auch zu teuer ist? Miteigentümer Kai Friderici, der das Verfahren verfolgt hatte, befürchtet es. „Das sind doch Träumer. Ich glaube erst, dass das was wird, wenn ich das Geld auf dem Konto habe.“ Auch Marc Junge gibt zu, dass er eigentlich auf einen niedrigeren Preis gehofft hatte. „Wir haben buchstäblich alles gegeben!“ Aber er hofft, dass sich jetzt, wo die Sachlage geklärt ist, noch mehr Spender finden, die das Projekt in Rüdinghausen vorantreiben wollen. Die Chancen stehen offenbar gut. Noch im Gericht sagten die ersten Anwohner: „Jetzt machen wir auch mit!“

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