Verkehr

Wittener Björn Frauendienst findet: Weniger Autos sind mehr

Der Hevener Björn Frauendienst setzt sich ein für den Öffentlichen Nahverkehr und Radfahrer. Weniger Autos auf den Straßen kämen der Umwelt und den Menschen zugute, ist der Vorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland Ennepe-Ruhr überzeugt.Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Der Hevener Björn Frauendienst setzt sich ein für den Öffentlichen Nahverkehr und Radfahrer. Weniger Autos auf den Straßen kämen der Umwelt und den Menschen zugute, ist der Vorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland Ennepe-Ruhr überzeugt.Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Björn Frauendienst ist Vorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland Ennepe-Ruhr. Warum er sich für Radler, Bus, Bahn und Kinder stark macht.

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Björn Frauendienst ist Vorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland Ennepe-Ruhr (VCD). Der Verband setzt sich für eine umwelt- und menschenverträgliche Verkehrspolitik ein. Im Interview mit unserer Zeitung erklärt der 34-jährige Hevener, warum er Radlern und dem ÖPNV Vorfahrt gegenüber den Autos einräumen würde. Und warum er sich ehrenamtlich für die Verkehrserziehung von Kindern engagiert.


Sie sind vor Kurzem Vater geworden. Wenn Ihr Sohn Jakob 18 ist, was sollte sich bis dahin in Witten in puncto Verkehr geändert haben?
Durch eine gute Infrastruktur sollte die Stadt noch einmal deutlich fahrradfreundlicher sein. Der Ausbauplan für die Pferdebachstraße sieht Schutzstreifen für Radfahrer vor. Die Straße wird künftig ausreichend breit sein. Radler können dann genug Abstand zu parkenden Autos halten. Auch die Lücke im Rheinischen Esel wird geschlossen. Das ist gut so. Kritisch finde ich: Es gibt Stellen in Witten, da fängt ein Radweg an und hört plötzlich auf.


Wo ist das der Fall?
Beispiel: Wenn man im unteren Teil der Herbeder Straße in Richtung Innenstadt unterwegs ist, gibt es rechts eine kleine Stichstraße, die zu den Edelstahlwerken führt. Da läuft der Schutzstreifen für die Radfahrer auf den Bürgersteig – und vor ein Gitter! Meiner Ansicht nach könnte man in der Stadt noch an vielen Stellen Einbahnstraßen für Radler öffnen, so dass diese gegen die Einbahnstraßen-Richtung fahren können.


Ist so etwas nicht zu gefährlich?
Das muss natürlich zur Situation vor Ort passen. Das darf keine Straße sein, die nur 2,50 Meter breit ist. Da müssen sich Radfahrer und Autos begegnen können. Möglich wäre dies zum Beispiel in der Oberstraße im Bereich von Sebo´s Café bis hinunter zur Ruhrstraße. Dort muss man jetzt als Radfahrer einen großen Umweg fahren.


Gibt es Ecken in der Stadt, wo Radler nicht gut klarkommen?
Der Abschnitt Kreuzung Husemannstraße/Ruhrstraße hin zur Bommeraner Brücke. Da läuft viel schief – durch die dortige Infrastruktur. Man muss in dem Bereich mehrere Male vom Schutzstreifen für Radler auf den Bürgersteig und auch auf die Straße wechseln. Beim Neubau der Mühlengraben-Brücke hat Straßen NRW seine Baustellenschilder so aufgestellt, dass die Wege noch schmaler werden.


Wie halten Sie es persönlich? Sind Sie Radler oder Autofahrer?
Ich fahre jeden Tag mit dem Rad zu meiner Arbeitsstelle an der Bochumer Uni, bei Wind und Wetter, rund sechs Kilometer hin und sechs zurück. Ich habe ein Pedelec und bin da total begeistert von. Als Hevener muss ich ja den Hevener Berg runter und an der Uni zum Botanischen Garten hochfahren. (lacht) Dort würde ich ohne Pedelec sonst doch etwas durchgeschwitzt ankommen.


Haben Sie kein Auto?
Doch, meine Frau und ich teilen uns einen Fiesta. Damit fährt meine Frau auch zur Arbeit.


Ein Thema, das Ihnen am Herzen liegt, ist ein neuer S-Bahn-Halt an der Pferdebachstraße. Der Wittener Verkehrsausschuss hat sich 2017 einstimmig dafür ausgesprochen.
Ja, das hat mich sehr gefreut. Die Stadt muss jetzt auf die Bahn und den VRR zugehen und sagen: Wir wollen das auch, damit man dann die Wege findet, um Planungen anzustoßen und die Finanzierung zu regeln. Bislang ist noch nicht bekannt, wie das Projekt finanziert werden soll. Die Stadt könnte so einen neuen S-Bahn-Halt natürlich nicht alleine stemmen.


Viele Bürger fühlen sich durch Auto- und Lkw-Verkehr belästigt.
Ja. Ich war vor ein paar Wochen beim Bürgerforum Innenstadt und habe dort mitdiskutiert. Dort haben sich viele Bürger massiv über den Verkehr auf der Ruhr-, der Ardey- und der Husemannstraße beschwert. Das sind eben die Haupterschließungsstraßen für die City. Aber man könnte dafür sorgen, dass weniger Autos unterwegs sind, indem man den ÖPNV und das Fahrradfahren fördert.

Warum gibt es in Witten noch kein Car- und auch kein Bike-Sharing?
Weil Witten bislang für die Anbieter zu klein, zu unattraktiv war. Die haben erst einmal mit den großen Städten angefangen. So wie es das in Bochum und Essen gibt, wäre es auch für Witten wünschenswert. Am Ausbau von Metropolrad-Ruhr an der Ruhr-Uni Bochum war ich maßgeblich beteiligt. Man muss für ein Bike-Sharing die Akteure zusammenbekommen, in Witten etwa die Uni, auch die Stadt und Wittener Firmen. Die Stadt, die Uni und der VCD denken derzeit gemeinsam darüber nach, wie man ein Bike-Sharing nach Witten bekommen könnte. Aber das muss man richtig machen, da darf es nicht nur zwei Rad-Stationen in der Stadt geben, sondern ein Netz. Und dafür muss man erst einmal das Geld zusammenbekommen. Ein Beispiel für ein gutes Car-Sharing: Ein Mitglied des Verkehrsclubs Deutschland ist in Herdecke Geschäftsführer des erfolgreichen Carsharing-Vereins ,Statt-Auto Herdecke’. Der Verein hat vier Fahrzeuge.


Ein Thema, das Ihnen auch sehr am Herzen liegt, ist die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr.

Ja. Ich habe eine Ausbildung vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat bekommen und gehe seit sieben Jahren in Wittener Kindergärten – als ehrenamtlicher Moderator im Projekt „Kind und Verkehr“. Ich arbeite zum Beispiel mit dem Awo-Kindergarten in Stockum und dem Kindergarten in Vormholz zusammen. Die Kitas laden Eltern von Kindern ein, die bald in die Schule kommen. Ich möchte Eltern das Handwerkszeug an die Hand geben, mit dem sie ihre Kinder zu sicheren und selbstständigen Verkehrsteilnehmern machen können. Das üben Eltern dann mit den Kindern ein, ich schaue mir das nach einigen Wochen an, wie es klappt. Denn wenn ich ein Kind immer nur mit dem Auto irgendwohin fahre, lernt es nicht, wie man sich selbstständig im Straßenverkehr bewegt.


Müsste man das Bus- und Bahnfahren noch mehr Bürgern schmackhaft machen? Es gibt viele Menschen, die den ÖPNV nicht nutzen.
Da heißt das Zauberwort Mobilitätsmanagment. Meint: Man muss ein Marketing für nachhaltige Mobilitätsformen machen, also für den ÖPNV, aber auch für den Radverkehr. Witten hat 2017 beim Stadtradeln mitgemacht. Da haben Menschen festgestellt, es ist ja auch ganz schön, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. So ist es auch mit dem ÖPNV. Es gibt Leute, die sagen, öffentliche Verkehrsmittel sind mir zu teuer. Aber wenn man einmal die Rechnung aufmacht, sieht man, dass einem – im Vergleich zu den Unterhaltungskosten für ein Auto – ein Abo von der Bahn eigentlich hinterhergeworfen wird. Bei den Busverbindungen in Witten müsste man mehr Angebote machen, man denke etwa an die Hölzer denkt. Aber da ist beim Nahverkehr vor Ort immer die Politik gefragt. Die legt letzlich die Prioritäten fest, wohin das Geld geht.

>>> ZUR PERSON

Björn Frauendienstist Geograph und arbeitet in der Verwaltung der Ruhr-Universität Bochum. Er ist dort für die „strategische Campusentwicklung“ zuständig und stellvertretender Dezernent für Bau und Liegenschaften der Uni.

Seit 2017 sitzt der Hevener in Witten für die Piraten-Fraktion als sachkundiger Bürger im Ausschuss für Verkehr und im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umweltschutz.

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