Psychiatrie

Wittener Ärzte fühlen sich von Landrat übergangen

Wollen mit dem Landrat sprechen: die Geschäftsführer der Ärztlichen Qualitätsgemeinschaft Witten (ÄQW), Dr. Arne Meinshausen, Dr. Frank Koch und Dr. Bernhard Schul. Sie setzten sich für eine Psychiatrie in Witten ein.

Wollen mit dem Landrat sprechen: die Geschäftsführer der Ärztlichen Qualitätsgemeinschaft Witten (ÄQW), Dr. Arne Meinshausen, Dr. Frank Koch und Dr. Bernhard Schul. Sie setzten sich für eine Psychiatrie in Witten ein.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Witten.  Der Streit um eine Psychiatrie in Witten geht weiter. Wittener Ärzte werfen dem Landrat vor, sie nicht gehört zu haben. Er lehnt die Pläne ab.

Die Wittener Ärztevertretung „ÄQW“ fühlt sich vom Landrat übergangen, der eine neue Psychiatrie in Witten ablehnt und stattdessen auf den Ausbau vorhandener Kliniken in den Nachbarstädten Hattingen und Herdecke setzt.

„Diese Einschätzung hat zu deutlichen Irritationen in unserem Wittener Ärztenetz geführt“, schreibt der Vorstand der Ärztlichen Qualitätsgemeinschaft Witten (ÄQW) an Landrat Olaf Schade. Man könne nicht verstehen, dass der Landrat des EN-Kreises einseitig gegenüber der Landesregierung die Interessen umliegender Kliniken vertrete. Ihm wird vorgeworfen, sich vorher nicht bei den „täglichen Versorgern“ psychiatrischer Patienten in der größten Stadt im EN-Kreis über Bedarf und Versorgungshindernisse informiert zu haben, also bei den Wittener Ärzten.

Ärztliche Qualitätsgemeinschaft Witten vertritt 90 Prozent der Haus- und Fachärzte

Die ÄQW sei das mit der höchsten Anerkennungsstufe („Zertifizierung“) versehene Ärztenetz der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. Sie vertrete seit 15 Jahren 90 Prozent der Wittener Haus- und Fachärzte, rund 120 Mediziner. Die ÄQW, die sich für die Ansiedlung von 79 neuen vollstationären Psychiatrieplätzen und 21 Tagesklinikplätzen auf dem Gelände des Evangelischen Krankenhauses Witten einsetzt, melden dringenden Gesprächsbedarf an.

Sie bitten um einen kurzfristigen Termin beim Landrat, um ihm die „bereits langjährig bestehenden Versorgungsprobleme unserer Wittener Psychiatriepatienten vorzustellen“. Immer wieder beklagen Ärzte, Therapeuten, Betroffene und Angehörige lange Wege in die Kliniken der Nachbarstädte, die Patienten aus Witten teilweise auch ablehnten.

Herdecke und Hattingen haben selbst jeweils 40 neue vollstationäre Plätze beantragt

Aus Herdecke, wo das dortige Gemeinschaftskrankenhaus zu den erklärten Gegnern einer neuen Psychiatrie in Witten gehört, wird weiter Protest laut. Es teilt sich die stationäre Versorgung der Psychiatriepatienten im Kreis bisher mit Hattingen-Niederwenigern und hat selbst eine Erweiterung seiner Klinik in Herdecke um 40 Plätze und seiner Wittener Tagesklinik um 18 Plätze beim Gesundheitsministerium beantragt. Hattingen-Niederwenigern (derzeit 110 Betten) hat ebenfalls 40 neue vollstationäre Plätze beantragt. Wie aus Herdecke zu hören ist, sei in den nächsten Wochen mit einer Entscheidung des Ministeriums zu rechnen. Vorher solle noch ein Gespräch zwischen Minister und Landrat stattfinden, hieß es zuletzt aus Schwelm.

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