Offener Ganztag

Witten: Wie die Stadt mehr OGS-Plätze schaffen will

Die Nachfrage nach OGS-Plätzen an der Vormholzer Grundschule in Witten ist groß. Doch es fehlt der Platz, um neue Kinder aufzunehmen. Ein neues Raumkonzept soll Abhilfe schaffen.

Die Nachfrage nach OGS-Plätzen an der Vormholzer Grundschule in Witten ist groß. Doch es fehlt der Platz, um neue Kinder aufzunehmen. Ein neues Raumkonzept soll Abhilfe schaffen.

Foto: Walter Fischer / FUNKE Foto Services

Witten.  In Witten warten viele Kinder vergeblich auf einen OGS-Platz. Die Stadt bekämpft die Raumnot mit neuen Nutzungskonzepten. Wo tut sich schon was?

Bis 2025 sollen alle Grundschulkinder einen Rechtsanspruch auf einen Platz im Offenen Ganztag haben. Bei einer Betreuungsquote in Witten von aktuell unter 50 Prozent also noch ein ganzes Stück Arbeit. Besonders Raumnot und fehlende Erzieher sind ein Problem. Stadt und Träger haben sich bereits auf den Weg gemacht. Doch schon heute warten viele Eltern auf einen Platz.

„Wir haben an allen Schulen zu wenige Plätze“, sagt Susanne Daum. Die 45-Jährige ist Leiterin der Bruchschule und Sprecherin der Grundschulrektoren der Stadt. An ihrer Schule werden derzeit über 90 Kinder in der OGS von der Awo betreut. „Und die Warteliste ist lang“, so Daum.

Klassenzimmer wird in Witten zum multifunktionalen Raum

Derzeit wird deshalb an der Schule an der Ardeystraße ein Klassenzimmer zu einem multifunktionalen Raum umgestaltet. Dort soll künftig nach Unterrichtsschluss auch die Nachmittagsbetreuung stattfinden. Spezielle Möbel, die selbst von den Kindern leicht umgestellt werden können, machen es möglich. Ähnliche Bestrebungen gibt es an anderen Schulen.

„Aus Platzgründen müssen wir Schule und OGS künftig besser verzahnen“, sagt Heiko Müller vom Jugendamt. Aus Klassenräumen sollen deshalb Lernräume werden, in denen nicht nur Unterricht stattfindet, sondern auch Angebote wie Hausaufgabenbetreuung oder Bewegungsspiele Platz finden. Müller: „Das ist der Trend, die Richtung, in die wir müssen.“ Dazu müssen die Räume gemütlicher und vor allem flexibler werden, aber auch die pädagogischen Konzepte miteinander verknüpft werden.

Vormholzer Grundschule kämpft mit dem Platzproblem

Besonders eng ist es derzeit etwa an der Vormholzer Grundschule. Seitdem das Gebäude der dortigen OGS vor drei Jahren abgerissen wurde, musste die Nachmittagsbetreuung ins Schulgebäude umziehen. Rektorin Alexandra Schüler spricht von „massiver Raumnot“, die hier auf eine sehr große Nachfrage nach weiteren Plätzen trifft. In Vormholz soll die Trennung zwischen Klassen- und OGS-Räumen deshalb großflächig aufgehoben werden.

Auch die Hüllbergschule in Annen will nach Abschluss von Sanierungsarbeiten fast flächendeckend multifunktionale Räume bieten. Notgedrungen nutzt die Schule schon seit Sommer 2019 Klassenräume auch nachmittags. Der Gebäudeteil, in dem die OGS eigentlich beheimatet ist, wird saniert. Derzeit arbeite man an einem Konzept, wie man den Ganztag für alle Schüler öffnen könne, sagt Schulleiterin Maria Nehm. „Da muss natürlich auch viel bei den Lehrern und Erziehern passieren“, so die 62-Jährige. Sie müssten die pädagogische Öffnung zulassen und künftig enger miteinander arbeiten.

Awo fordert mehr Landesmittel für den OGS-Ausbau

Damit 2025 aber wirklich alle Grundschulkinder einen Platz in einer OGS bekommen könnten, müssten sich die Rahmenbedingungen ändern, mahnt Ulla Wacker, Awo-Bereichsleiterin für Kinder und Familie im EN-Kreis. „Vor allem müssen mehr Landesmittel fließen“, fordert sie. Denn Kommunen müssten bei der Finanzierung schon jetzt kräftig zuschießen. Wie gut die nachschulische Betreuung ausgebaut ist, hänge deshalb auch immer von der Finanzstärke der Kommune ab, sagt die 63-Jährige.

Hinzu kommt der Fachkräftemangel. Schon heute kann die Arbeiterwohlfahrt, die an sieben Schulen in Witten den Ganztag organisiert, Stellen nicht nachbesetzen, die im laufenden Schuljahr wegfallen. Daher bildet der Verband nicht nur aus, sondern versucht auch, eigene Mitarbeiter zur Weiterbildung zu motivieren – besonders die sogenannten Ergänzungskräfte, die bislang ohne pädagogische Ausbildung in der Kinderbetreuung mitarbeiten. Trotz dieser Bemühungen sieht Ulla Wacker die Chancen für eine umfassende Ganztagsbetreuung als gering an. „Wir kümmern uns intensiv, aber ich sehe das kritisch.“Hier gibt es mehr Artikel, Bilder und Videos aus Witten

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