Verkehr

Witten: Wenig Interesse an neuer Busverbindung zum Ruhrpark

Auf zur Testfahrt: Lena Karuss, Volontärin der WAZ, steigt in einen Bus der Linie 379 am ZOB in Witten ein.

Auf zur Testfahrt: Lena Karuss, Volontärin der WAZ, steigt in einen Bus der Linie 379 am ZOB in Witten ein.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Die Buslinie 379 fährt direkt von Witten zum Ruhrpark in Bochum. Das Angebot wird aber kaum genutzt - ein Grund scheint der Ticketpreis zu sein.

Ein älteres Ehepaar sitzt bereits im Bus, als dieser am ZOB hält. Eine Reihe dahinter eine Frau mittleren Alters, neben ihr auf dem Sitz steht eine große voll gepackte Einkaufstasche. Ganz hinten im Bus unterhalten sich zwei junge Mädchen, eine zieht sich den Lippenstift nach, die andere kämmt gerade ihre Haare – ob einer der vielen Fahrgäste an diesem Mittwochvormittag auf dem Weg zum Ruhrpark ist? Schließlich gibt es seit wenigen Wochen mit der 379 halbstündlich eine Direktverbindung aus Witten in das Einkaufszentrum.

Mit der Fahrplanänderung der Bogestra Mitte Dezember 2019 wurde die Linie 379 umgestrickt: Sie fährt nun häufiger (im Viertelstundentakt) und wurde über die einstige Endhaltestelle Langendreer-Nord hinaus bis zum Ruhrpark verlängert. Aussteigen und frieren, während man auf den Anschlussbus wartet, gibt es nicht mehr. Zwei Mal in der Stunde, um 19 nach und um 49, erreicht man das Einkaufszentrum vom ZOB. Diese Direktverbindung sehen aber nicht alle Wittener als Vorteil – schließlich transportiert die Bogestra so Wittener Kaufkraft direkt zur Konkurrenz nach Bochum.

„In Witten ist man allgemein nicht besonders erfreut darüber, dass es eine direkte Verbindung zum Ruhrpark gibt,“ sagt Babett Arnold, Centermanagerin der Stadtgalerie. Erst recht nicht erfreut ist sie darüber, dass die Anbindung zum Ruhrpark so stark von der Bogestra beworben wird. „Das hilft Witten nicht,“ meint die Centermanagerin.

Hohe Ticketpreise von Witten nach Bochum

Doch viel genutzt wird die neue Buslinie nicht – kein einziger Fahrgast bleibt bei unserer Testfahrt bis zur Endhaltestelle sitzen. Eine junge Wittenerin, die am Rathaus in den Bus steigt, ist gerade auf dem Weg zum Sonnenschein. Sie nutzt die Buslinie nicht, um zum Ruhrpark zu fahren.

„Wenn ich in den Ruhrpark möchte, nehme ich das Auto von meinem Mann,“ sagt sie. „Mein Ticket ist nur innerhalb der Stadt Witten gültig. Um zum Ruhrpark nach Bochum zu fahren, müsste ich nochmal extra draufzahlen.“ Für die Fahrt zum Ruhrpark würden zusätzlich zu ihrem Monatsticket in Höhe von 63 Euro noch einmal 6 Euro pro Fahrt anfallen. „12 Euro hin und zurück. Das ist ganz schön viel,“ sagt die Wittenerin.

Wittener steigen in Langendreer aus

Nach 36 Minuten ist der Bus endlich an seinem Ziel angekommen. Doch mittlerweile sind bereits die meisten Wittener ausgestiegen. Die Busverbindung wird – zumindest an diesem Vormittag – dazu genutzt, um innerhalb Wittens zu fahren. Spätestens nachdem der Bus die Stadtgrenze zu Bochum überschritten hat und am Bahnhof in Langendreer hält, sind alle Fahrgäste aus Witten ausgestiegen.

In Langendreer nimmt man dagegen gerne den Bus, um zum Ruhrpark zu fahren. Aber auch hier hat der neue Fahrplan negative Auswirkungen. Katharina Van Ilten kann jetzt nur noch zwei Mal statt wie zuvor drei Mal in der Stunde in den Ruhrpark fahren. Ohnehin versucht sie allerdings, alle Besorgungen vor Ort zu erledigen. „Nur wenn es all die Dinge, die ich brauche, in Langendreer nicht gibt, fahre ich zum Ruhrpark.“

Schadet neue Busverbindung der Wittener Innenstadt?

Die Anbindung an den Ruhrpark ist ein Ergebnis des neuen Bochumer Nahverkehrsplans, der am 15. Dezember 2019 in Kraft getreten ist, erklärt Christoph Kollmann von der Bogestra. Er hat also nichts mit den Änderungen zu tun, die der EN-Kreis zeitgleich umgesetzt hat. Auf Wunsch der Stadt Bochum verstärkt die Bogestra die Linien zur Ruhr-Uni und zu dem Einkaufszentrum. Insgesamt fünf Buslinien fahren jetzt den Ruhrpark an. Eine davon kommt aus Witten.

Bei der Wittener Politik stößt die neue Linie auf Unverständnis. „Als Mitglied des Wirtschaftsausschusses im Rat der Stadt ist es für mich nicht nachvollziehbar, warum alle Verantwortlichen das zugelassen haben“, so SPD-Ratsherr Klaus Pranskuweit. „Als hätte der Wittener Einzelhandel in der Innenstadt mit dem Ruhrpark als Konkurrent nicht Probleme genug, was die zahlreichen Wechsel und Leerstände in den Läden entlang der Wittener Bahnhofs-und Ruhrstraße beweisen.“

Anders sieht das eine Mitarbeiterin des Schuhgeschäfts Klauser in der Wittener Innenstadt. Sie hat Verständnis dafür, dass die Leute lieber in den Ruhrpark fahren. „Immer mehr Geschäfte verschwinden aus der Innenstadt. Wo sollen die Leute denn einkaufen? Schuld daran ist nicht die Buslinie.“ Sie findet, ein paar Blümchen würden der Einkaufspassage nicht schaden. „Man muss die Wittener Innenstadt attraktiver gestalten. Im Ruhrpark kann man kostenlos parken. Könnte man das in Witten wenigstens am Wochenende, würden sicherlich mehr Leute in die Innenstadt kommen.“

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