Kommentar

Witten: Wahlempfehlung der Grünen hat ihren Preis

Jürgen Augstein-Peschel kommentiert die Empfehlung der Grünen, bei der Bürgermeister-Stichwahl am 27. September in Witten Sonja Leidemann zu wählen.

Jürgen Augstein-Peschel kommentiert die Empfehlung der Grünen, bei der Bürgermeister-Stichwahl am 27. September in Witten Sonja Leidemann zu wählen.

Foto: WAZ

Witten.  Leidemann und die Grünen, kennt man doch. Die Wahlempfehlung der Öko-Partei kommt nicht ganz überraschend. Trotzdem ist alles anders als früher.

Alte Liebe rostet nicht. Der Spruch fällt einem schnell ein, wenn man hört, dass die Grünen in Witten bei der Bürgermeister-Stichwahl einmal mehr Sonja Leidemann unterstützen. Allerdings ist trotzdem nichts mehr so wie früher. Die Grünen können vor Kraft kaum laufen und würden im Falle einer Wiederwahl Leidemanns künftig kräftig im Rathaus mitmischen.

7400 grüne Wähler in Witten sind ein Pfund

Natürlich sind 7400 Stimmen, die sie bei der Kommunalwahl bekommen haben, nun ein Pfund für die Amtsinhaberin, die nach dem ersten Wahlgang gar nicht so weit vor ihrem Herausforderer Lars König liegt. Ob allerdings tatsächlich wieder alle grünen Wähler am Sonntag an die Urne gehen und der Wahlempfehlung ihrer Partei folgen, ist noch nicht ausgemacht. Leidemann ist seit 16 Jahren im Amt, meistens von der SPD nominiert. Das klingt für viele erst einmal nicht nach Neustart und frischem Wind.

Andererseits: Würde die grüne Klientel unter anderem aus Innenstadtbewohnern, Friday-for-Future-Aktivisten und bürgerlichen Wählern in Bommern oder Herbede tatsächlich auch einem schwarzen Bürgermeister in den Sattel helfen?

Warum haben König und die CDU Witten nicht das Gespräch mit den Grünen gesucht?

Was die Grünen im Falle eines Sieges von Leidemann bekämen, dürfte ihr und der SPD nicht wirklich weh tun. Millionen fürs Radkonzept, Klimaschutz, Digitalisierung – das sind längst Themen, die die Grünen nicht mehr für sich allein gepachtet haben. Weshalb natürlich auch Lars König von der CDU darauf hinweist, diese auf der Agenda zu haben. Er muss sich allerdings fragen lassen, warum nicht auch er und die Union schon vor der Stichwahl das Gespräch mit den Grünen gesucht haben. Es war doch klar, dass sie am 27. September wahlentscheidend sein könnten.

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