Städtebau

Witten: Rathaussanierung wird noch mal fünf Millionen teurer

Die neue Glaskuppel ist schon eingebaut: Sie überspannt den einstigen Innenhof. In der so entstandenen großen Halle, dem Rathausforum in Witten, wird bald das Bürgerbüro untergebracht.

Die neue Glaskuppel ist schon eingebaut: Sie überspannt den einstigen Innenhof. In der so entstandenen großen Halle, dem Rathausforum in Witten, wird bald das Bürgerbüro untergebracht.

Foto: Walter Fischer / FUNKE Foto Services

Witten.  Die noch bis 2023 dauernde Sanierung des Rathauses in Witten wird über fünf Millionen Euro teurer als geplant. Das sind die Gründe.

Die schwierigsten Etappen sind bei der Sanierung des Wittener Rathauses offenbar geschafft. Der Südflügel mit dem neuen Rathausforum befindet sich auf der Zielgeraden und soll im Mai 2021 eröffnen. Dann wechseln die Arbeiter zum Nordflügel. Allerdings sind auch die Kosten in Bewegung. Inzwischen geht die Stadt von 35 Millionen Euro aus. Das sind über fünf Millionen mehr, als noch 2017 genannt wurden. Es wird unter anderem mehr in die Sicherheit der Beschäftigten investiert.

Beim Start der Planungen 2012 war zunächst von 25 Millionen Euro die Rede. 2017, zwei Jahre nach Baubeginn, sprach die Stadt von knapp 30 Millionen. 2019 rechnete die Firma Assmann, die das Projekt für die Verwaltung steuert, bereits 33,24 Millionen Euro vor. Inzwischen geht man von 35,3 Millionen Euro aus.

Zugangskontrollen und Überwachungskameras in allen Fluren des Rathauses in Witten

Allein 1,75 Millionen entfallen auf erst kürzlich berücksichtigte Extras wie elektrische Sonnenschutzrollos und Sicherheitstechnik. „Das hatten wir ursprünglich nicht in Planung. Aber die Sicherheitslage hat sich im Lauf der Zeit geändert“, erklärt Klaus Böde, Leiter des Amts für Gebäudemanagement.

In allen öffentlich zugänglichen Bereichen des Rathauses – wie Flure oder in der zentralen Halle – wird es Zugangskontrollen und Videoüberwachungskameras geben. Böde spielt nicht nur auf die Buttersäureanschläge im Oktober und Dezember 2019 an. Oder auf die Attacke auf Jobcenter-Mitarbeiter im November 2019. „Es hat auch schon Ausschreitungen im Jugendamt gegeben.“ Deshalb sollen die Rathaus-Mitarbeiter künftig besser geschützt werden.

Größter Kostentreiber aber ist „die überhitzte Baukonjunktur“, so Böde. „Die Firmen haben seit anderthalb Jahren die Auftragsbücher so voll, dass sie höhere Preise nehmen können. Das sei wie an der Tankstelle. „Wenn der Benzinpreis hoch ist, kann man zwar den billigsten Anbieter wählen, zahlt aber dennoch viel.“ Die Stadt baue ihr kommunales Herzstück in einem „mittleren Standard, nicht mehr“. Der Amtsleiter glaubt aber, dass die Baukosten etwas sinken. „Die Konjunktur flacht gerade etwas ab“.

Bis November laufen die Ausschreibungen für den Nordflügel. Dort beginnen die Arbeiten im Mai. In diesem Flügel sind etwa der Sitzungssaal, das heutige Bürgerbüro oder der Ratskeller untergebracht. Unter anderem wird das Dachgeschoss mit Gauben ausgebaut, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Im März 2023 will man fertig sein. Danach geht es an die Außenanlagen.

Witten kann weitere Fördergelder beantragen

Fürs Wittener Stadtsäckel haben die Mehrkosten nur geringe Auswirkungen. Über mehrere Fördertöpfe des Landes für Städtebauförderung könne man Gelder beantragen, so Stadtbaurat Stefan Rommelfanger in einer Verwaltungsvorlage. Einige Beispiele: Das Land NRW hat kürzlich rund 12,5 Mio. Euro für die Sanierung des Nordflügels überwiesen. Aus dem „Programm zur Bewältigung der Corona-Pandemie“ wird nun auch der städtische Eigenanteil (2,5 Mio. Euro) übernommen. Außerdem stehen Witten noch Gelder für Maßnahmen „der energetischen Verbesserung und Barrierefreiheit“ zu. Und das Projekt profitiert von der Senkung der Umsatzsteuer von 19 auf 16 Prozent: Das macht immerhin 120.000 eingesparte Euro.

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