Corona

Witten: Psychiatrische Tagesklinik wird zum Corona-Zentrum

Die Tagesklinik für Psychiatrie an der Pferdebachstraße steht derzeit leer. Mitarbeiter und Patienten sind wegen einer Corona-Infektion in Quarantäne. In die Räume kommt nun ein Corona-Behandlungszentrum. 

Die Tagesklinik für Psychiatrie an der Pferdebachstraße steht derzeit leer. Mitarbeiter und Patienten sind wegen einer Corona-Infektion in Quarantäne. In die Räume kommt nun ein Corona-Behandlungszentrum. 

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten  Bald eröffnet in Witten ein Corona-Behandlungszentrum in der Psychiatrischen Tagesklinik. Diese steht leer - wegen eines Corona-Falls.

In den nächsten Tagen eröffnet in Witten auf dem Gelände des Ev. Krankenhauses ein ambulantes Behandlungszentrum für Corona-Patienten. Eingerichtet und finanziert wird es von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Es ist eines von zwei Corona-Zentren im EN-Kreis. Doch auch sie kämpfen mit fehlendem Material.

Das neue Behandlungs-Zentrum zieht in die Räume der Psychiatrischen Tagesklinik an der Pferdebachstraße. Diese steht seit kurzem leer, weil ein Mitarbeiter selbst an Covid-19 erkrankt ist. "Deshalb sind alle anderen Mitarbeiter und Patienten jetzt zuhause", sagt Anette Voigt von der Geschäftsführung des Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke, zu dem die Tagesklinik gehört.

Nur Corona-Infizierte und Verdachtsfälle werden im Behandlungszentrum in Witten versorgt

Und so stellte man die freien Räume für das Behandlungszentrum zur Verfügung. "Wir müssen jetzt pragmatisch sein und uns auf die vielen Patienten vorbereiten, die da jetzt auf uns zukommen", so die Ärztliche Direktorin. "Daher ist es ausgesprochen sinnvoll, solche Ambulanzen einzurichten." In unmittelbarer Nähe zur Herdecker Klinik, in der dortigen Krankenpflegeschule, wird auch das zweite Behandlungszentrum des Kreises entstehen.

In beiden Zentren gilt: Behandelt wird, wer nachweislich mit dem Sars-CoV-2-Virus infiziert ist. Auch unter Hausarrest stehende Verdachtsfälle werden untersucht, wenn sie Krankheitssymptome entwickeln.

Ärzte melden Patienten im Corona-Zentrum an

"Aber nur nach ärztlicher Zuweisung", stellt Dr. Arne Meinshausen, Sprecher der Ärztlichen Qualitätsgemeinschaft Witten (ÄQW), klar. Arztpraxen, das Gesundheitsamt, die Ambulanzen der Krankenhäuser und der Ärztliche Notdienst können Patienten per Fax oder Telefon im Corona-Zentrum anmelden.

Niedergelassene Ärzte und medizinische Fachangestellte, die sich freiwillig für diese Aufgabe gemeldet haben, untersuchen dann dort die Erkrankten, verordnen gegebenenfalls Medikamente oder stellen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus.

Gemeinschaftskrankenhaus hat Isolierstation aufgebaut

So sollen die Hausarztpraxen entlastet und schwer erkrankte Patienten schneller in die stationären Einrichtungen vermittelt werden. Sowohl das EvK als auch die Herdecker Klinik verfügen über Isolierbetten und könnten Covid-19-Patienten aufnehmen. Das Gemeinschaftskrankenhaus hat extra eine Isolierstation mit bis zu 30 Betten aufgebaut, die Zahl seiner Intensivbetten mit Beatmungsgeräten von 14 auf 20 erhöht.

In Ausnahmefällen kann im Corona-Zentrum auch ein Abstrich genommen werden. Generell werden diese aber weiterhin zentral vom Gesundheitsamt des EN-Kreises organisiert und abgenommen. Für dieses sind derzeit vier umgebaute Fahrzeuge im Einsatz.

Nicht genügend Atemschutzmasken vorhanden

"Es ist gut, dass wir die Menschen jetzt nicht allein lassen", so Arne Meinshausen, der auch die Dienstpläne der beiden Corona-Zentren koordiniert. Er sei überzeugt, dass die Ambulanzen eine wichtige Stütze in der Versorgung von Corona-Patienten werden. Nur eines fehlt jetzt noch: ausreichend Atemmasken.

Die Kassenärztliche Vereinigung, die die Behandlungszentren ausstattet, warte schon seit einiger Zeit vergeblich auf eine Lieferung, so der Mediziner. "Wir haben jetzt erstmal unsere Reserven zusammengeworfen", sagt der 62-Jährige. Auch das EvK habe gespendet. "Das reicht jetzt erstmal für eine Woche." Dann müsse man weiter sehen.

>>Info: Ambulanz ist an sieben Tagen die Woche geöffnet


In der Anfangszeit ist das Corona-Zentrum in Witten an sieben Tagen die Woche von 14 bis 18 Uhr geöffnet; in Herdecke ab 1. April täglich von 14 bis 17 Uhr. Kommen mehr Patienten hinzu, können die Öffnungszeiten jederzeit ausgedehnt werden.

Das Bürgertelefon des EN-Kreises ist täglich von 8 bis 18 Uhr unter 02333/4031449 erreichbar - vorrangig für Bürger, die fürchten, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben.

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