Notbetreuung

Corona: 180 Kinder können in Witten nicht zu Hause bleiben

Der Schulhof der Holzkamp-Gesamtschule in Witten bleibt vorerst leer. Nur zwei Kinder werden bis zu den Osterferien in der Gesamtschule betreut.

Der Schulhof der Holzkamp-Gesamtschule in Witten bleibt vorerst leer. Nur zwei Kinder werden bis zu den Osterferien in der Gesamtschule betreut.

Foto: Flemming Krause / FUNKE Foto Services

Witten.  Großeltern kommen als Betreuungspersonen nicht in Frage: 180 Kinder nehmen die Notbetreuung an den Wittener Schulen und in den Kitas in Anspruch.

An einem so sonnigen Tag wie diesem spielen normalerweise 63 Kinder auf dem Spielplatz der Kita Kreisstraße. Doch am Mittwochmorgen (18.3.) kam kein einziges Kind in die Awo-Kita. Auch in den meisten Wittener Schulen sind die Flure und Klassenzimmer leer. Insgesamt werden nur 60 Schüler und 120 Kita-Kinder in Witten betreut. Zwölf Schulen und 17 Kindertagesstätten haben derzeit keine Kinder, die betreut werden müssen. Die Organisation scheint gut zu funktionieren.

Schon am Montag und Dienstag seien keine Kinder in dem Kindergarten an der Kreisstraße gewesen, sagt Einrichtungsleiter Torsten Beerhenke. Anders sieht es in Herbede aus. Vier Kinder wurden am Mittwochmorgen noch in der Kita Buchholz betreut. Am Montag waren sogar noch acht Kinder da, sagt Leiterin Sabine Siekmann. Die Eltern der Kinder hätten am Montag noch die Möglichkeit genutzt, um mit ihren Arbeitgebern abzusprechen, ob sie Urlaub nehmen oder von zu Hause aus arbeiten können.

Wittener brauchen eine Bescheinigung von ihrem Arbeitgeber

Die Zahl der Kinder, die in der Kita Buchholz betreut werden, könnte allerdings noch steigen. "Seit Dienstag brauchen die Eltern eine Bescheinigung von ihrem Arbeitergeber", sagt Siekmann. Diese bestätigt, dass beide Elternteile (oder im Fall der Alleinerziehung nur ein Elternteil) einem Beruf nachgehen, der unverzichtbar für die Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens ist. "Nur mit der Bestätigung des Arbeitgebers darf ich die Kinder rein lassen."

An den Wittener Schulen galt bis Dienstag (17.3.) eine Übergangsregelung. Seit Mittwoch brauchen Eltern ebenfalls eine Bestätigung von ihrem Arbeitgeber. Die Übergangsphase haben jedoch die meisten Eltern genutzt, um eine Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder zu organisieren. So wurde am Mittwochmorgen kein einziges Kinder in die Adolf-Reichwein-Realschule gebracht. Zu Beginn der Woche seien noch einige Schüler gekommen, um ihre Schließfächer zu leeren und ihre Kunstbilder abzuholen, sagt Sekretärin Cornelia Seigies. Die Bilder könnten die Schüler in den nächsten Wochen zu Hause fertigstellen.

In der Holzkamp-Gesamtschule nehmen zwei Sechstklässler die Notbetreuung in Anspruch. Sie bleiben am Mittwoch bis 15 Uhr in der Gesamtschule. Schulleiter Michael Günzel ist sehr erfreut darüber, wie reibungslos alles geklappt hat. Besonders das Verständnis der Schüler, Eltern und Lehrer für die aktuelle Situation habe ihn gefreut. "Es gab in der Vergangenheit auch schon andere Situationen", sagt der Leiter der Holzkamp-Gesamtschule. Die Stadt Witten bestätigt ebenfalls einen problemlosen Ablauf: "Die Abstimmung mit den Schulen und Kitas hat sehr gut geklappt", so Pressesprecher Jörg Schäfer.

Großeltern kommen als Betreuungspersonen nicht in Frage

Auch einige Wittener Grundschüler müssen in den nächsten Wochen noch früh aufstehen. Zwei Drittklässler der Breddeschule können in den Klassenzimmern der Schule an ihren Aufgaben arbeiten. Allerdings gäbe es auch genügend Zeit, um zu basteln oder in den Schulgarten zu gehen, sagt Lisa Mehwald aus dem Schulleitungsteam.

Auch wenn es sich anbieten würde, die Kinder verschiedener Schulen gemeinsam zu betreuen, hat man sich dagegen entschieden. "Es wäre für die Ausbreitung des Coronavirus nicht förderlich, die Kinder zusammenzubringen", so Mehwald. Die meisten Eltern würden sich bemühen, ihre Kinder anderweitig betreuen zu lassen - etwa von Familienangehörigen. "Oma und Opa sollten aber nicht die Lösung sein," sagt die Lehrerin der Breddeschule.

Nicht nur die Kindern, sondern auch einige Erzieher der Kita Buchholz bleiben vorerst zu Hause. "Die Kollegen schreiben Berichte, arbeiten an künftigen Projekten oder bereiten die Abschlussgeschenke für die Vorschüler vor", sagt Einrichtungsleiterin Sabine Siekmann. "Jetzt können wir all die Sachen erledigen, für die im normalen Alltag wenig Zeit bleibt." Die Kinder würden am wenigsten unter der aktuellen Situation leiden, so Siekmann. "Sie genießen die volle Aufmerksamkeit, die sie jetzt bekommen". Außerdem müssten sie ihr Spielzeug nicht mit rund 80 weiteren Kindern teilen. Zumindest einige scheinen von der aktuellen Situation zu profitieren.

Info:

Für 168 Schüler und Lehrer der Hüllbergschule in Witten-Annen kam die landesweite Schließung der Schulen offenbar zu spät. Eine Lehrerin der Hüllbergschule ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das Kreisgesundheitsamt hat eine 14-tägige häusliche Quarantäne für die Schüler und Pädagogen angeordnet. Alle gelten als „enge Kontaktpersonen“.

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