Nahverkehr

Witten: Nach Kritik wird beim Nahverkehr nachgebessert

Die im Dezember eingeführten Fahrpläne für Witten wurden leicht verändert. Zum Beispiel fährt der 320er (im Bild hinten) ab dem ZOB so, dass mehr Zugreisende umsteigen können.

Die im Dezember eingeführten Fahrpläne für Witten wurden leicht verändert. Zum Beispiel fährt der 320er (im Bild hinten) ab dem ZOB so, dass mehr Zugreisende umsteigen können.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Nachbesserungen beim Nahverkehr in Witten: Heven-Dorf bekommt einen Bürgersteig und Wartehäuschen. Für die Hölzer gibt es aber keine neuen Pläne.

Neue Bus- und Straßenbahnfahrpläne hatten Ende letzten Jahres in Witten für mächtig Wirbel gesorgt. Die Taktung wurde in der Innenstadt zwar erhöht und verbessert, in den Randbezirken aber ausgedünnt. Mehr als 400 Online-Beschwerden waren daraufhin im Februar bei der Stadt eingegangen. Nun wird nachgebessert.

Dank Corona-Geldern fahren inzwischen mehr Schulbusse, manche Linien wechseln die Haltestelle oder richten sich nach Schulschluss-Zeiten. Und: Am Knotenpunkt Heven-Dorf gibt es bald einen Bürgersteig und Schutzhäuschen. Große Probleme, etwa die Anbindung der Hölzer, bleiben jedoch bestehen.

Trotz Online-Petition hat Anwohnerin aus Witten-Vormholz nichts erreicht

Die Vormholzerin Petra Liermann hatte die Welle der Kritik ins Rollen gebracht. 1547 Personen hatten ihre Online-Petition unterschrieben, die eine bessere Anbindung der Außenbezirke forderte. Was daraus geworden ist? „Gar nichts. Die Situation ist dieselbe“, sagt Liermann heute. Sie selbst hat nach eigenen Worten resigniert. „Ich habe ein nettes Gespräch bei Frau Leidemann erreicht und eine Anhörung im Kreistag, bei der ich aber kein Rederecht hatte.“ Außer einem mitleidigen Lächeln habe sie nichts bekommen. Stadt und Kreis hätten sich gegenseitig die Verantwortung zugeschoben und auf die knappe Haushaltslage verwiesen.

Jürgen Tannenfels, der nach den Vorgaben des Kreistags den Wittener Nahverkehr plant, bringt das Dilemma auf den Punkt. „Solange die Politik nicht im Sinne der Nachhaltigkeit eine echte Verkehrswende einleiten möchte, kann man das ÖPNV-Angebot im Kreis kaum verbessern.“ Verändert wurden daher eher Kleinigkeiten. Alles, was Kosten verursacht – wie eine Taktverdichtung, die mehr Fahrzeuge und Personal bräuchte – blieb außen vor.

Für den Infektionsschutz bekommen drei Buslinien in Witten Verstärkung

Trotzdem wird einiges besser. Wegen der Corona-Pandemie gibt es Fördergelder des Landes für den Schülerverkehr. Aus Gründen des Infektionsschutzes dürfen die Busse nicht mehr so voll sein. „Der Herbst kommt und dann werden viele Schüler, die zurzeit zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad zur Schule fahren, wieder auf den Nahverkehr umsteigen“, schätzt Tannenfels.

Deshalb werden in den nächsten Monaten zusätzliche Busse eingesetzt. Einige verkehren bereits, etwa auf der Linie 320 oder 373. Ab Donnerstag (24.9.) fährt auf der Linie 376 morgens und mittags ein zusätzlicher Bus. Auch die 379 von Bommern in die Innenstadt soll zwei zusätzliche Fahrten bekommen. Das Problem: „Bei den kommunalen Verkehrsunternehmen wie Bogestra und VER sind um diese Uhrzeit bereits alle Fahrzeuge unterwegs“, so der Verkehrsplaner. „Zurzeit laufen Ausschreibungen für private Busunternehmen. Aber auch da ist das Kontingent endlich.“

374 passt sich den Zeiten der Hardenstein-Gesamtschule in Witten an

Weitere positive Veränderungen: Die An- und Abfahrtszeiten der Linie 374, die von Vormholz über Heven-Dorf direkt zum Ruhrpark durchfährt, wurde an die Schulzeiten der Hardenstein-Gesamtschule angepasst. Ein Gewinn für die Studenten der Ruhr-Universität: Die Linien 320 und 375 fahren dort zukünftig vom selben Haltepunkt ab. Vorher lagen die Haltestellen weit auseinander. Der 320er Bus verändert am Wittener ZOB außerdem seine Abfahrtszeit so, dass Zugreisende, die aus Bochum kommen, einen vernünftigen Anschluss haben.

Diese drei Änderungen sind Vorschläge, die in dem Online-Beschwerdeformular mehrfach genannt wurden. 400 Beiträge gab es, darunter oft Themen wie „Busfahrer raucht“ oder „ist unfreundlich“, erinnert sich Nahverkehrs-Koordinator Jürgen Tannenfels. 130 Bemerkungen hatten konkret mit den Fahrplänen zu tun, 39 schienen umsetzbar. „17 der Maßnahmen sollen in den nächsten Monaten, spätestens zum Fahrplanwechsel am 7. Januar kommen. Elf weitere werden derzeit vertieft geprüft“, sagt Stadtsprecher Jörg Schäfer.

Heven-Dorf erhält einen Kreisverkehr

Die wichtigeste Änderung wird der bauliche Umbau des neuen Umsteigepunktes Heven-Dorf sein, der zurzeit „vollkommen suboptimal ist“, so Henning Fort vom Planungsamt Witten. Langfristig soll dort ein Kreisverkehr entstehen, da man dort schon jetzt in verschiedene Buslinien und die Straßenbahn umsteigen kann. „Die Situation ist sehr komplex“, so Fort. Mehrere Hauptverkehrsstraßen treffen zusammen, zudem die Straßenbahn, die ja eigentlich bis zum Freizeitzentrum Kemnade verlängert werden soll.

Bis der Kreisel kommt, soll es nun ein provisorischer Bürgersteig an der Kleinherbeder Straße richten. Die Straße wird bis zur Haltestelle der Linien SB 38 und 374 angeschüttet und ein Bürgersteig gebaut. Zudem soll ein Wetterschutz kommen, damit Fahrgäste „nicht länger durch das matschige Feld gehen müssen“, so Fort, sondern dort trocken und sicher stehen können.

Was die Hölzer angeht, laufen dort automatische Fahrgastzählungen, die mittlerweile in jeden zweiten Bogestra-Bus eingebaut seien. Jürgen Tannenfels vom EN-Kreis kennt die Zahlen. „Der 375er ist einmal morgens voll und einmal nachmittags. Danach reicht die Nachfrage leider nicht, um diese Leistung auszudehnen.“

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