Universität

Witten lockt Studenten aus aller Welt

Ein gutes Team: Prof. Nils-Christian Bormann (Mitte) im Gespräch mit David Orozco aus Kolumbien und der Schottin Ayesha Keller. Foto:Dietmar Wäsche

Ein gutes Team: Prof. Nils-Christian Bormann (Mitte) im Gespräch mit David Orozco aus Kolumbien und der Schottin Ayesha Keller. Foto:Dietmar Wäsche

Witten.   Mit ihrem internationalen Studiengang PPE ist der Uni ein Experiment geglückt. Hochqualifizierte Leute suchen hier Lösungen für globale Probleme.

Am Anfang war es ein echtes Experiment. 2014 wurde an der Universität Witten der erste internationale Studiengang eingeführt, der Master in „Philosophy, Politics, and Economics“. Jetzt muss sich die Uni dafür erneut das offizielle Qualitätssiegel – die Reakkreditierung – abholen. Grund genug für Professor Jens Harbecke, erste Bilanz zu ziehen. Und die fällt positiv aus: „Das Experiment ist geglückt.“

40 Prozent der Studierenden sind Nicht-Deutsche

Mit dem neuen Studiengang sollten mehr Master-Studenten aus aller Welt nach Witten gelockt werden. Doch die Skeptiker bezweifelten, dass das der kleinen Uni angesichts der Konkurrenz aus den großen Städten wie Hamburg und München gelingen würde. Sie haben sich getäuscht: „Mittlerweile sind fast 40 Prozent der Studierenden Nicht-Deutsche“, sagt Harbecke stolz. Sie kommen aus aller Herren Länder: aus Südamerika und den USA, aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Sie alle sind hochqualifizierte junge Leute, die allerdings mehr vorweisen können als nur gute Noten.

So wie die Schottin Ayesha Keller: Sie hat BWL studiert und als Headhunterin gearbeitet, bis sie in Griechenland mit der Flüchtlingsproblematik in Berührung kam. Sie schmiss den Job, gründete dort zwei Flüchtlingscamps. Jetzt will sie ihren Master machen: Um mehr von den Zusammenhängen zu verstehen, globale Lösungen zu finden.

„Unser Niveau hier ist sehr hoch“

Bewerber für den PPE-Studiengang gibt es zwar viele. Doch nicht jeder wird genommen. Die Kandidaten durchlaufen einen langen Auswahlprozess. „Wir wollen Studierende, die besondere Erfahrungen mitbringen“, erklärt Harbecke. Deswegen würden Kandidaten gesucht, die neben guten Abschlussnoten auch Erfahrungen in der Arbeit mit internationalen Organisationen oder in der Politik vorweisen können und die persönlich eine interessante Geschichte haben. „Ich kann sagen: Unser Niveau hier ist sehr hoch“, so der 39-jährige Professor.

Der Studiengang dauert vier Semester. Wer den doppelten Abschluss anstrebt – es gibt eine Kooperation mit der Universität Buckingham – muss noch ein halbes Jahr dranhängen. Unterrichtet wird ausschließlich auf Englisch. Es geht um die aktuellen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Welt: Migration und Flüchtlinge, Armut, Radikalisierung, Bürgerkriege. Wer den Abschluss macht, der sei gerüstet für einen Job in Wirtschaft oder Politik, so Harbecke: „Ein Absolvent arbeitet jetzt im Innenministerium in Uruguay, einer im Abgeordnetenbüro im Bundestag.“

So international wie die Studenten und der Unterricht, so international müssen jetzt auch die Verwaltungs-Abläufe sein. Das war nicht ganz einfach, gibt der Professor zu: „Nein, es war eine besondere Herausforderung, die admini­strative Organisation auf die internationalen Studierenden einzustellen.“ Schwierigkeiten hätten aber rasch behoben werden können: „Das Besondere an der UW/H ist ja, dass die Studierenden sehr direkt ihr Feedback geben können.“

Das fällt ausgesprochen positiv aus: Die Studenten schwärmen von der engen Gemeinschaft untereinander, von der Zusammenarbeit mit den Professoren und der Gastfreundschaft in Witten. „Jeder Abschied ist tränenreich“, so Bita Naghashian, eine Journalistin aus dem Iran.

Künftig mehr Praxis und mehr Kooperationen

Harbecke und sein neuer Kollege Dr. Nils-Christian Bormann (32) – übrigens beide Wittener und einst Schüler des Albert-Martmöller-Gymnasiums – wollen jetzt zur Reakkreditierung nicht nur Bilanz ziehen, sondern auch erste Veränderungen in Angriff nehmen. Der PPE-Master soll für Studenten anderer Studiengänge geöffnet werden, es soll mehr Praxis geben, mehr Kooperationen mit anderen Universitäten und Organisationen. „Und wir möchten mehr Bewerber.“ Denn jede Bewerbung zeigt: Die Uni lockt Menschen aus der ganzen Welt nach Witten.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik