PCB

Witten: Keine weiteren PCB-Funde im Umfeld von Sico

In den Kleingärten an der Brauckstraße entlang der Bahnstrecke in Witten waren im Juni erhöhte PCB-Werte in Löwenzahn gefunden worden.

In den Kleingärten an der Brauckstraße entlang der Bahnstrecke in Witten waren im Juni erhöhte PCB-Werte in Löwenzahn gefunden worden.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

In Kleingärten in Witten war in Löwenzahn PCB gefunden worden. Weitere Bodenproben geben nun Entwarnung. Doch die Verzehrwarnung bleibt.

Der Kreis gibt Entwarnung für das Umfeld der Firma Sico in Witten. Dort seien in weiteren Bodenproben keine erhöhten PCB-Werte festgestellt worden. „Es besteht also keine gesundheitliche Gefährdung für die Bevölkerung“, so der Kreis. Weitere Maßnahmen müssten dementsprechend auch nicht eingeleitet werden.

Mitte März hatte das Landesministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (LANUV) im Umfeld des Wittener Silikonverarbeiters ein Löwenzahn-Screening durchgeführt. Die Untersuchung sollte klären, ob es dort erhöhte Werte der giftigen Chlorverbindungen gibt, nachdem Anfang des Jahres weiße Flocken aus dem Unternehmen ausgetreten waren. An drei der insgesamt fünf Messpunkte wurden Werte ermittelt, die PCB 47, 51 und 68 aufwiesen.

Kreis warnte vor Verzehr von Obst und Gemüse aus eigenem Anbau

Besonders bedenklich waren die Funde in den Kleingärten an der Brauckstraße entlang der Bahntrasse. Dort waren die PCB-Werte im Löwenzahn so hoch, dass der Kreis im Juni vorsorglich davor warnte, Obst und Gemüse, dass dort angebaut wurde, zu verzehren. Allerdings fanden sich hier hauptsächlich weitere PCB-Arten, die nicht im Zusammenhang mit der Silikonproduktion bei Sico stehen.

Aufgrund der ersten Funde veranlasste der Kreis weitere Bodenproben an der Nordseite des Bahndamms, an den die Schrebergärten grenzen, aber auch im Bereich der Kleingartenanlage Menglinghauser Straße und beim katholischen Kindergarten an der Piusstraße. Das Unternehmen, das vom Kreis mit der Untersuchung beauftragt worden war, konnte dabei keine erhöhten PCB-Werte feststellen.

Prüfwert für Spielflächen wurde jetzt unterschritten

Vielmehr sei der Prüfwert für Kinderspielflächen in allen Fällen deutlich unterschritten, wie der Kreis mitteilt. Dabei handele es sich um einen sehr niedrig angesetzten Wert, der oft als Referenz herangezogen werde, erläutert eine EN-Sprecherin. Die PCB-Gehalte in den Proben würden sich allesamt in einer Größenordnung bewegen, die im Bereich der weit verbreiteten Hintergrundwerte liegen.

Darunter versteht man einen Orientierungswert, der Aufschluss gibt über den allgemein verbreiteten Gehalt eines Schadstoffes in Böden. Die Verzehrempfehlung für selbst angebautes Obst und Gemüse aus der Kleingartenanlage an der Brauckstraße bleibt aber weiterhin bestehen, so der Kreis.

Ursache der hohen PCB-Werte im Löwenzahn weiter unklar

Denn weiterhin ist unklar, wie es beim ersten Löwenzahn-Screening in der Anlage zu den hohen PCB-Werten gekommen ist. Die Umweltabteilung des Kreises vermutet eine weitere PCB-Quelle an dieser Stelle. Da die jetzigen Bodenuntersuchungen aber keine Hinweise auf eine entsprechende Belastung gegeben haben, seien noch weitere Ermittlungen zum Verursacher erforderlich.

Die weiteren Untersuchungen werden mit dem LANUV abgestimmt. Der Kreis geht davon aus, dass Anfang nächsten Jahres, also vor der nächsten Pflanzperiode, über die Aufhebung der Verzehrwarnung entschieden werden kann.

Weiße Flocken waren im Februar und März bei Sico ausgetreten

Im Februar und Anfang März waren im Umfeld von Sico in Rüdinghausen weiße, mit PCB belastete Flocken gefunden worden. Anfang März verhängte der Kreis deshalb für kurze Zeit einen Produktionsstopp für den Silikonverarbeiter. Denn die Flocken waren hochgradig mit PCB 47, 51 und 68 belastet und wurden daher als gefährlicher Abfall eingestuft. Ursächlich für die Entstehung der giftigen Stoffe war der Einsatz eines so genannten Vernetzers, der Chlor enthält. Im Produktionsprozess führte dieser unbeabsichtigt dazu, dass die PCB 47, 51 und 68 entstehen und in die Umwelt gelangen.

Bereits am Tag nach dem Produktionsstopp konnte Sico nach einem Besuch der Kreisverwaltung seinen Betrieb wieder starten. Das Unternehmen hatte zugesichert, künftig einen chlorfreien Vernetzter einzusetzen. Zudem ließ die Firma ihr Gelände von einer Spezialfirma reinigen und die beiden Kamine entfernen, durch die die Schadstoffe in die Umwelt gelangt waren.

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