Wahlen

Witten: Grüne könnten Bürgermeister-Stichwahl entscheiden

Wer macht das Rennen bei der Bürgermeister-Stichwahl am 27. September in Witten? Zur Wahl stehen Amtsinhaberin Sonja Leidemann (SPD) und Lars König (CDU), die die meisten Stimmen im ersten Wahldurchgang am 13. September geholt hatten. Da waren noch neun Kandidaten angetreten.

Wer macht das Rennen bei der Bürgermeister-Stichwahl am 27. September in Witten? Zur Wahl stehen Amtsinhaberin Sonja Leidemann (SPD) und Lars König (CDU), die die meisten Stimmen im ersten Wahldurchgang am 13. September geholt hatten. Da waren noch neun Kandidaten angetreten.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services/Montage

Witten.  Die Grünen in Witten könnten zum Königsmacher werden. Stimmen ihre Wähler für den Bürgermeisterkandidaten der CDU oder wieder für Leidemann?

Eine Woche noch, dann geht’s um die Wurst. Bleibt Sonja Leidemann (SPD) nach 16 Jahren für weitere fünf Jahre Bürgermeisterin oder zieht ihr CDU-Herausforderer Lars König ins frisch renovierte Rathaus ein? Die Stichwahl am 27. September verspricht deutlich spannender zu werden als 2015, als man abends schnell wusste, wer das Rennen wohl macht. Damals siegte Leidemann haushoch gegen ihren Ersten Beigeordneten Frank Schweppe. So leicht dürfte sie es diesmal nicht haben.

SPD-Kandidatin aus Witten: Fast so viele Stimmen geholt wie 2015

Schon beim ersten Wahlgang am 13. September musste die Amtsinhaberin (60) feststellen, dass die Bäume für sie nicht mehr in den Himmel wachsen. Die Wahl-Herbederin weist zwar darauf hin, dass sie mit ihrer absoluten Stimmenzahl von über 12.000 (34,5 %) nur um gut 1000 hinter dem Ergebnis von 2015 lag. Es stimmten aber immerhin auch fast 11.000 Wähler (29,6 %) für den Kandidaten der Union. Entscheidend dürfte diesmal sein, da sind sich Wahlbeobachter einig, wie sich das grüne Lager verhält.

Die starke Öko-Partei ist trotz ihres Sensationssieges bei der Europawahl zwar nicht mit einem eigenen Bürgermeisterkandidaten bei diesen Kommunalwahlen angetreten, hat aber trotzdem ordentlich zugelegt. Aber wem werden ihre zuletzt 7400 Wähler bei der Stichwahl die Stimme geben?

Grüne in Witten haben Verhandlungskommission eingesetzt

Noch haben die Grünen keine eine öffentliche Wahlempfehlung ausgesprochen. Das könnte am Sonntag (20.9.) passieren. Bis dahin soll eine Verhandlungskommission ausloten, mit welchem Kandidaten und welchen Parteien auch nach einer Stichwahl Mehrheiten im Rat möglich wären. Dass Sonja Leidemann und die SPD, die bisher eine große Nähe zu den Grünen hatten, automatisch auch die künftigen Partner sein werden, gilt längst noch nicht als ausgemacht.

„Wir reden mit allen außer der AfD, aber ergebnisoffen“, sagt Fraktionssprecherin Birgit Legel-Wood. Ziel sei es, mit der starken Grünen-Fraktion möglichst viele eigene Inhalte im neuen Rat zu verwirklichen. Dafür werde man am Stichwahl-Sonntag auch genug Wähler mobilisieren können, ist sich die 60-Jährige sicher.

Unklar ist, wen die Wähler der Kleinparteien in Witten unterstützen

„Wenn die Grünen eine klare Empfehlung aussprechen, ist das Rennen gelaufen“, glaubt ein Wahlbeobachter, der nicht namentlich genannt sein will. Er hält das grüne Lager für zweigeteilt: dort die studentisch-alternative Wiesenviertelszene, die die Grünen zur stärksten Innenstadtpartei gemacht haben, da die eher bürgerlich geprägte Wählerschaft, die den Grünen selbst in Stadtteilen wie Bommern noch fast 21 Prozent beschert haben.

Unklar ist auch, wie sich die Klientel der vielen Kleinparteien verhält, die im ersten Wahlgang sieben Bürgermeisterkandidaten aufgestellt hatten, die auf insgesamt fast 30 Prozentpunkte kamen – Stimmen, die König und Leidemann fehlten, die nun aber wieder auf dem Markt sind. Nur die WBG und Witten Direkt haben bisher zur Wahl von Lars König aufgerufen.

CDU-Kandidat aus Witten rechnet sich Chancen aus

Der rechnet sich Chancen aus, der erste schwarze Bürgermeister seit dem Krieg in Witten zu werden. Er sei guter Dinge, so der 49-jährige am Freitag (18.9.), „wenn alle zur Wahl gehen, die mir signalisiert haben, dass sie den Wechsel wollen.“ Zuversichtlich ist auch Sonja Leidemann. Sie hatte gleich nach dem ersten Durchgang am Sonntagabend (13.9.) mit Blick auf die Stichwahl erklärt: „Ich denke doch, dass ich gewählt werde.“ Leidemann hatte ebenso wie König mehr Stimmen als ihre Partei bekommen.

König setzt auf eine Wechselstimmung, Leidemann darauf, dass die Wähler ihr gerade in Krisenzeiten als langjährige Verwaltungschefin vertrauen. Zumindest bei der Aktualisierung der Wahlwerbung war der jüngere Unionskandidat etwas schneller. „König. Jetzt!“ wurde auf die alten Plakate geklebt. Das Leidemann-Lager hat inzwischen nachgezogen: „Herzlichen Dank für Ihr Vertrauen. Stichwahl am 27. September.“

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