Stadtgottesdienst

Witten: Creative Kirche geht mit „Himmelwärts“ online

So ähnlich ist die Szenerie, wenn die Creative Kirche ihren Stadtgottesdienst Himmelwärts online sendet. Hier wird Moderator Mattias Kleiböhmer gerade mit Stefanie Brenzel für einen Beitrag zum Gospelkirchentag gefilmt.

So ähnlich ist die Szenerie, wenn die Creative Kirche ihren Stadtgottesdienst Himmelwärts online sendet. Hier wird Moderator Mattias Kleiböhmer gerade mit Stefanie Brenzel für einen Beitrag zum Gospelkirchentag gefilmt.

Foto: Creative Kirche

Witten.  Die Creative Kirche Witten macht ihrem Namen alle Ehre und geht mit dem Stadtgottesdienst Himmelwärts online. Ein Stargast ist trotzdem dabei.

Der beliebte Stadtgottesdienst Himmelwärts der Creativen Kirche – sonst regelmäßig im Saalbau Witten mit Promis und viel Musik zu Gast – findet am Sonntag, 1. November, erstmals online statt. Denn wo sonst im Schnitt 550 Menschen feiern, dürften diesmal wegen Corona nur 98 dabei sein. „Das sind uns zu viele leere Plätze“, sagt Organisator Matthias Kleiböhmer, der um die gute Stimmung fürchtete. Außerdem: „Solange die Zahlen steigen, sollte man ja besser zuhause bleiben.“

Um eins gleich klarzustellen: „Wir sind nicht gegen die coronabedingten Maßnahmen. Aber wir versuchen, die Auflagen eher als Chance zu sehen und nicht als Problem“, so Kleiböhmer. Kurz vor dem Lockdown im März war der letzte Himmelwärts-Gottesdienst noch über die Bühne gegangen. Dann hätte die Reihe, mit der die Creative Kirche seit über 20 Jahren ihren größten Stadtgottesdienst auf die Beine stellt, zwar ohnehin Pause bis zur nächsten Saison gemacht. Doch ab diesem Zeitpunkt sei alles andere fast nur noch online gelaufen. Kleiböhmer: „Wir hatten da so eine Ahnung.“

Wohnzimmergottesdienste werden jetzt aus der Pop-Akademie in Witten gesendet

Bereits zehn Tage später ging der erste so genannte „Wohnzimmergottesdienst“ per Video auf Sendung. Seitdem gibt es die wöchentlichen Predigten und Musik nur noch via Bildschirm. „Es war eine krasse Umstellung, nur für die Kamera zu sprechen“, sagt der Theologe. Doch er kenne die Menschen, die ihm sonst zuhören und habe sie einfach vor seinem inneren Auge gesehen.

Inzwischen haben sie aus vier solcher Gottesdienste einen Film zusammengeschnitten, den mittlerweile über 8000 Leute gesehen hätten. Nach einer kurzen Sommerpause haben sie dann in der Pop-Akademie an der Ruhrstraße ein eigenes Wohnzimmerstudio eingerichtet und veröffentlichen den 35-minütigen Gottesdienst auf verschiedenen Plattformen. „Jedes Mal hatten wir etwa 1000 Zuschauer.“

Die meisten der 30 Hauptamtlichen der Creativen Kirche sind in Kurzarbeit

Dass das so gut klappt, lobt Kleiböhmer, liege vor allem am Grafiker der Creativen Kirche, der von Haus aus Mediengestalter im Bereich Film sei. Er habe inzwischen auch für andere Gemeinden etwas produziert, etwa die Videobotschaften des Ev. Kirchenkreises Hattingen-Witten. Im Dezember sei da eine Art virtueller Adventskalender geplant. „Wir tun, was geht“, so Matthias Kleiböhmer. Denn die Creative Kirche lebe ja von Events, sei bekannt für ihre großen Veranstaltungen und habe reagieren müssen, um durch die Krise zu kommen.

„Es ist dennoch eine schwere Belastung, aber wir fallen nicht ins Bodenlose“, sagt der Theologe. Die staatliche Unterstützung helfe. Die meisten der 30 Hauptamtlichen seien in Kurzarbeit. „Und das Spendenaufkommen ist enorm gestiegen.“ Die Wohnzimmergottesdienste etwa, die mit 4000 Euro pro Monat zu Buche schlagen, würden nur damit finanziert. Das Geld geht für Technik drauf. Aber auch die Musikgruppen, meist von der Pandemie gebeutelte Freiberufler, bekämen etwas.

Theologe: Habe noch nie so viel Feedback auf Predigten bekommen

Die Creative Kirche erreiche mit den Online-Gottesdiensten nicht nur mehr Menschen als sonst – die Zuschauer sagen auch, was ihnen gefällt und was nicht. Kleiböhmer ist begeistert: „Ich habe noch nie so viel detailliertes Feedback bekommen wie jetzt.“ Per Mail teilen ihm die Menschen ihre Empfindungen mit, für die sie live vor Ort vielleicht nicht so schnell Worte gefunden hätten.

Doch natürlich fehle trotzdem der direkte Kontakt. „Unsere Veranstaltungen leben sonst sehr vom Flow – vom Applaus, vom Gelächter. Wir feiern zusammen.“ Der Gesang spiele dabei eine große Rolle. Dass gemeinsames Singen online schlecht möglich sei, das fehlt Kleiböhmer am meisten. „Das halte ich fast nicht aus.“ Trotzdem gilt: „Solange Corona ist, bleiben wir auf Sendung.“https://www.waz.de/nachrichten-aus-witten-so-abonnieren-sie-den-waz-newsletter-id230085150.html

Weihachten wollen sie dann doch eine Ausnahme machen. Ein Gottesdienst an der frischen Luft auf dem Hohenstein ist geplant, mit Feuer und viel Licht. Was noch fehlt: die Genehmigung.

Doch erstmal ist es Zeit für Himmelwärts am Sonntag: eine Dreiviertelstunde mit Moderator Kleiböhmer und Stargast Wolf Codera, der nicht nur Musik macht, sondern auch darüber spricht, was ihm nach einer schweren Krankheit Hoffnung gegeben hat.

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