Aktion

Witten: Bunte Räder in Rüdinghausen geben Rätsel auf

Dieses blaue Fahrrad steht an der Friedrich-Ebert-Straße gegenüber der Einmündung Kreisstraße in Witten. Wer will, kann hier Bücher tauschen.

Dieses blaue Fahrrad steht an der Friedrich-Ebert-Straße gegenüber der Einmündung Kreisstraße in Witten. Wer will, kann hier Bücher tauschen.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Sie sind knallblau oder froschgrün: Bunte Fahrräder mit origineller Deko tauchen allerorts in Witten-Rüdinghausen auf. Ihre Herkunft: ein Rätsel.

Es ist komplett mit knallblauer Farbe besprüht: Das Fahrrad, das an der Friedrich-Ebert-Straße/Ecke Kreisstraße in Witten-Rüdinghausen steht, zieht alle Blicke auf sich. Ein bunter Schirm ist daran befestigt. Ein Strohhut baumelt im Wind. Flip-Flops hängen am Rahmen. Ein echter Hingucker – und davon gibt’s noch mehr im Dorf. Doch die Räder geben auch Rätsel auf.

Das erste Modell hat Pfarrer Carsten Griese an einem Sonntag vor über zwei Wochen vor dem Gemeindehaus an der Brunebecker Straße entdeckt. Froschgrün ist es, verziert mit künstlichen Sonnenblumen und allerlei herbstlicher Deko. In den Körben, die vorne und hinten befestigt sind, liegen Äpfel, Kartoffeln, ein Kürbis. Auf einem Schild steht „Gott sei Dank“. Griese: „Ich war auf dem Weg zum Gottesdienst. Plötzlich stand da das Rad.“

Pfarrer in Witten-Rüdinghausen findet die Aktion originell

Sein Kollege hatte schon vermutet, dass Griese dahintersteckt, denn der fährt gern Rad. „Aber ich war’s nicht“, sagt der Pfarrer. Doch er findet die Aktion originell. „Auf ihren alltäglichen Wegen begegnet den Menschen hier etwas Ungewöhnliches. Vielleicht bleiben sie einen Moment stehen und machen sich Gedanken.“

Für ihn handelt es sich ganz klar um ein „Erntedank-Rad“. Griese hat es sogleich als Anregung für eine Aktion in der Gemeinde genommen. „Was ist ein Grund, um zu danken?“ Das hat er die Konfirmanden gefragt und die Grundschüler. Auch im Erntedank-Gottesdienst am Sonntag will er das Thema aufgreifen. Derweil rätselt Rüdinghausen, wer wohl dahintersteckt.

Gelbes Rad mit Kuscheltieren steht an einer evangelischen Kita in Witten

Auch am Zaun der evangelischen Kita steht ein tolles Rad. Es leuchtet sonnengelb, trägt Kuscheltiere und Spielzeug in den Körben. Da hätten die Kinder ordentlich gestaunt und sich gefreut, als sie das gesehen haben, sagt eine Kita-Mitarbeiterin. Auch hier gibt’s ein Schild mit einem Spruch: „Gott wünscht sich einen glücklichen Tag für dich. Mach das Beste draus.“ Das klingt eigentlich nach jemandem aus der Gemeinde.

Doch wer auch immer es tatsächlich ist, gibt sich nicht zu erkennen, sondern ist weiter kreativ. So tauchte ein weiteres Rad bei der Freiwilligen Feuerwehr gleich hinter der Stadtgrenze in Dortmund-Persebeck auf. Klar, es ist knallrot, mit weißen Punkten. Die Deko: Feuerlöscher und Wasserspritze. Die Nachricht: „112 – Danke“. Die Männer von der Wehr sind begeistert. Auch sie wollen wissen, wer das war und haben über Facebook nachgefragt. Bisher hat keiner geantwortet. Dabei würden sie sich doch gerne bedanken.

Weißes Rad mit Lavendelpflanzen macht Frankreich-Fans eine Freude

Offenbar sind die Verursacher heimlich, still und leise nachts am Werk. Denn auch Ute Overhoff glaubte eines Morgens, sich verguckt zu haben. Als sie ihre Gärtnerei am Schneer Weg öffnen wollte, stand am Eingang – ein weißes Fahrrad. Tücher in Blau, Weiß und Rot sind drumherum geschlungen. In einem Körbchen blüht Lavendel. „Da weiß wohl jemand, dass wir Frankreich-Fans sind und wollte uns eine Freude machen.“ Gelungen.

Zurück zum blauen Rad vom Anfang. Am Lenker und auf dem Gepäckträger befinden sich Körbe mit alten Büchern. Auf einem Schild steht „Tauschbar“. Jetzt ist klar: Hier darf sich jeder einen Schmöker ausleihen und gerne auch einen hineinlegen. Was echt blöd ist: Wenn Bücher in Nachbars Garten landen.

Blaues Rad an der Friedrich-Ebert-Straße bietet Bücher zum Tausch an

„Da hat einfach jemand zwei Stück über unsere Hecke geworfen“, sagt Anwohner Dieter Lucht. Er habe schon das Ordnungsamt informieren wollen. Denn er sorge sich, dass andere noch Müll zum Rad stellen könnten. Heidi Frank geht gerade an dem Bücher-Rad vorbei. „Ich finde das eine sehr schöne Idee“, sagt die 73-Jährige. Demnächst wolle sie Lesestoff bei sich aussortieren und hier in den Korb legen.

Pfarrer Carsten Griese jedenfalls ist gespannt, ob weitere Räder folgen. „Ich fahre jetzt viel aufmerksamer durch den Stadtteil.“ Er habe schon überlegt, ob die Coronazeit Anlass für die Aktion sei. „Vielleicht will da jemand den Menschen in der Krise einfach eine Freude machen.“ Das Rätsel jedoch, es bleibt letztlich ungelöst.

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